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Steinbrück wird sehr genau beobachtet.
Steinbrück wird sehr genau beobachtet.(Foto: dpa)

Berater war bei "Heuschrecke": Wieder Fettnapf für Steinbrück

Durch die Schwierigkeiten, die sich SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück mit seinen Vortragshonoraren eingehandelt hat, sind die Genossen nun sehr empfindlich. Sie kritisieren eine Personalentscheidung, die ihr Hoffnungsträger gefällt hat. Die Folge: Wahlkampf-Berater Koidl dankt ab. Er hat eine "Heuschrecken"-Vergangenheit.

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Kaum da, schon wieder weg: Der österreichische Buchautor, Unternehmer und Kunstmäzen Roman Maria Koidl sollte eigentlich das Wahlkampfteam von SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück. verstärken. Schwerpunkt: Werbung im Internet. Er hatte bereits ein Büro in der SPD-Zentrale bezogen. Doch nun muss der Social-Media-Fachmann den Stuhl räumen. Es gibt Unmut über ihn - und seine Vergangenheit. Die SPD will ihn nicht mehr nach dem durch die Diskussion über Steinbrücks Honorare verpatzten Wahlkampfauftakt.

Der 1967 geborene Koidl ist gelernter Journalist und arbeitete zunächst beim Hörfunk, bis er 1990 in die Wirtschaft wechselte. Er gründete unter anderem die Kette "World Coffee" und übernahm den insolventen Schokoladenhersteller "Most", um die Marke wieder neu am Markt zu platzieren. Als Schriftsteller veröffentlichte Koidl unter anderem den Roman "Scheißkerle. Warum es immer die Falschen sind." In Berlin betreibt er die gemeinnützige Kunsthalle Koidl.

"Absoluter Fehlgriff"

Das Problem: Der 45-Jährige war laut Selbstbeschreibung mal als Berater der Investmentfonds Cerberus Global Investors und Investment Fund Värde Partners Europe tätig. Beide Unternehmen sind das, was in der SPD öffentlichkeitswirksam als "Heuschrecke" bezeichnet wird: Hedgefonds mit maximalem Gewinninteresse bei wenig sozialem Anspruch. Zudem wird gemunkelt, der 45-Jährige wohne aus rein steuerlichen Gründen in der Schweiz. In der SPD wirft das alles Fragezeichen auf. Laut "Spiegel" ist von einem "absoluten Fehlgriff" die Rede.

In einer Erklärung, die dem "Spiegel" vorliegt, schreibt Koidl im Hinblick auf eine Berichterstattung über ihn: "Ich kann nicht vertreten, dass falsche und ehrverletzende Berichterstattung gegen mich eingesetzt wird, die darauf zielt, den Kandidaten Peer Steinbrück zu beschädigen." Er habe sich zunächst zur beratenden Unterstützung bereiterklärt, "weil es meine Überzeugung ist, dass Peer Steinbrück ein exzellenter Kanzler wird". Da die Beratungen über einen Vertrag aber noch nicht abgeschlossen gewesen seien, ziehe er sein Angebot hiermit zurück.

Steinbrück hatte Anfang November sein enges Berater- und Organisationsteam für den Bundestagswahlkampf benannt. Es besteht aus dem bisherigen sachsen-anhaltinischen Finanzstaatssekretär Heiko Geue, dem thüringischen Wirtschaftsminister Matthias Machnig und dem ebenfalls umstrittenen, früheren SPD-Sprecher Michael Donnermeyer als seinem Sprecher.

Quelle: n-tv.de

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