Politik

Obamas Vision für Amerika: "Wir wissen, wie echter Wandel aussieht"

Ein Gastbeitrag von US-Präsident Barack Obama

Am Dienstag wird Amerika die Wahl haben zwischen zwei fundamental unterschiedlichen Visionen davon, was Amerika stark macht. Das Amerika, an das wir glauben, ist schon in Reichweite.

"Vorwärts!", vier weitere Jahre erhofft sich Barack Obama.
"Vorwärts!", vier weitere Jahre erhofft sich Barack Obama.(Foto: AP)

"In den vergangenen Tagen haben wir uns alle zu Recht auf einen der schlimmsten Stürme unseres Lebens konzentriert. Wir betrauern jene, die ums Leben kamen. Und wir versprechen, dass wir jenen, deren Leben auf den Kopf gestellt wurde, so lange beistehen werden, bis sie sich erholt und den Wiederaufbau beendet haben.

(Lesen Sie hier Romneys Vision für Amerika.)

Denn in Zeiten der Not zeigt Amerika seine beste Seite. Die kleinen Differenzen, die uns in normalen Zeiten beschäftigen, schmelzen dahin. In einem Sturm gibt es keine Demokraten oder Republikaner - es gibt nur Amerikaner. So kommen wir durch die härtesten Zeiten: zusammen.

Vor vier Jahren steckten wir in zwei Kriegen und der schlimmsten Wirtschaftskrise seit der großen Depression (in den 1930er Jahren). Zusammen haben wir uns zurückgekämpft. Der Krieg im Irak ist vorbei, Osama bin Laden ist tot, unsere Helden kommen nach Hause. In den vergangenen zweieinhalb Jahren haben unsere Unternehmen mehr als fünf Millionen neue Jobs geschaffen. Der Wert von Eigenheimen und die Renten steigt. Wir hängen weniger stark von ausländischem Öl ab als je zuvor in den vergangenen 20 Jahren. Und die amerikanische Autoindustrie ist wieder da.

Wir sind noch nicht am Ziel. Aber wir haben echten Fortschritt gemacht. Und am Dienstag wird Amerika die Wahl haben zwischen zwei fundamental unterschiedlichen Visionen davon, was Amerika stark macht.

Ich glaube, dass Amerikas Wohlstand auf der Stärke unserer Mittelschicht aufgebaut wurde. Wir haben keinen Erfolg, wenn es wenigen an der Spitze gut geht, während alle anderen sich abstrampeln müssen - es geht uns besser, wenn alle eine faire Chance haben, wenn alle ihren fairen Anteil leisten und alle nach den gleichen Regeln spielen.

Als Bill Clinton Präsident war, war er davon überzeugt, dass man in die Fähigkeiten und Ideen der Menschen investieren muss, um gute Jobs und Unternehmen zu schaffen. Sein wirtschaftlicher Plan war es, die reichsten Amerikaner zu bitten, ein wenig mehr zu zahlen, damit wir unser Defizit verringern können und gleichzeitig in Bildung und Ausbildung, Forschung und Technologie, bessere Gesundheitsversorgung und einen würdevollen Ruhestand investieren. Und was geschah? Am Ende seiner zweiten Amtszeit hatte unsere Wirtschaft 23 Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen. Die Einkommen stiegen. Die Armut ging zurück. Aus Defiziten wurden die größten Überschüsse in der Geschichte.

Der Weg, den Gouverneur Romney anbietet, ist der, den wir acht Jahre lang versucht haben, nachdem Präsident Clinton aus dem Amt geschieden war (also in der Amtszeit von George W. Bush) - eine Philosophie, die sagt, dass die an der Spitze nach anderen Regeln spielen dürfen als alle anderen. Größere Steuererleichterungen für die Reichen, die wir uns nicht leisten können. Unternehmen ermutigen, Arbeitsplätze und Gewinne ins Ausland zu schaffen. Weniger Regeln für Großbanken und Versicherungen. Das ist die Politik, die diesen Schlamassel überhaupt erst angerichtet hat.

In den letzten Wochen dieses Wahlkampfes hat Gouverneur Romney damit angefangen, sich einen Mann des Wandels zu nennen. Dies will ich ihm durchaus zugestehen: Den Wohlhabenden eine weitere Steuererleichterung in Höhe von 5 Billionen Dollar anzubieten, 2 Billionen Dollar Verteidigungsausgaben, um die unser Militär gar nicht gebeten hat, und mehr Macht für Großbanken und Versicherungen sind wirklich ein Wandel. Aber es ist nicht der Wandel, den wir brauchen.

Wir wissen, wie echter Wandel aussieht. Und wir können ihn jetzt nicht aufgeben.

Wandel bedeutet ein Amerika, wo Menschen jedes Alters die Qualifikation und die Bildung haben, die man für gute Arbeitsplätze braucht. Wir haben uns mit Banken angelegt, die jahrzehntelang zu viel Geld für Studienkredite verlangt hatten, und haben so dafür gesorgt, dass Millionen sich den Besuch eines College besser leisten können. Jetzt werden wir 100.000 Lehrer für Mathematik und Naturwissenschaften einstellen, damit hochbezahlte Hightech-Jobs nicht in China landen, und wir bilden zwei Millionen Arbeiter an Community Colleges für die Qualifikation aus, die örtliche Unternehmen derzeit benötigen.

Wandel bedeutet ein Amerika, das der nächsten Generation von Produktion und Innovation eine Heimstatt bietet. Ich bin nicht der Kandidat, der sagte, 'lasst Detroit pleitegehen' (wie es Romney 2008 getan hat), ich bin der Präsident, der auf amerikanische Arbeiter und amerikanischen Einfallsreichtum gesetzt hat. Jetzt will ich eine Steuerreform, die Schluss macht damit, Unternehmen zu belohnen, wenn sie Arbeitsplätze ins Ausland verlagern, und stattdessen Unternehmen belohnt, die hier Arbeitsplätze schaffen. Eine Steuerreform, die Schluss macht damit, die Profite von Ölfirmen zu subventionieren, und stattdessen Jobs und Technologien im Bereich der sauberen Energien unterstützt, damit wir unsere Ölimporte um die Hälfte verringern können.

Wandel bedeutet ein Amerika, das ein Jahrzehnt des Krieges hinter sich lässt und mit 'Nation-Building' hier bei uns zuhause anfängt. Solange ich Oberkommandierender bin, werden wir unsere Feinde mit der stärksten Armee der Welt verfolgen. Aber es ist an der Zeit, die Einsparungen aus dem Ende der Kriege in Irak und Afghanistan dafür zu verwenden, unsere Schulden abzutragen und Amerika wiederaufzubauen - unsere Straßen und Brücken und Schulen.

Wandel bedeutet ein Amerika, wo wir unser Defizit reduzieren, indem wir Einsparungen vornehmen wo möglich und indem wir die reichsten Amerikaner bitten, zu den Einkommenssteuersätzen zurückzukehren, die sie zahlten, als Bill Clinton Präsident war. Ich habe mit Republikanern zusammengearbeitet, um Einsparungen in Höhe von einer Billion Dollar durchzusetzen, und ich werde noch mehr tun. Ich werde mit jedem aus jeder Partei zusammenarbeiten, um dieses Land nach vorne zu bringen. Aber ich werde nicht zustimmen, die öffentliche Gesundheitsfürsorge Medicaid für Millionen von Armen, Älteren oder Behinderten abzuschaffen, oder Medicaid in einen Gutschein umzuwandeln, mit dem weitere Steuererleichterungen für Millionäre bezahlt werden.

Die Leute von ganz oben brauchen nicht noch einen Vorkämpfer ihrer Interessen in Washington. Die Menschen, die einen Vorkämpfer in Washington brauchen, sind jene Amerikaner, deren Briefe ich abends lese; die Männer und Frauen, die ich im Wahlkampf jeden Tag treffe. Die Köche und Reinigungskräfte in einem Hotel in Las Vegas, die Überstunden leisten. Der Mann aus der Möbelindustrie, der sich im Alter von 55 Jahren für eine Laufbahn in der Biotechnologie umschulen lässt. Die Lehrerin, die gezwungen ist, weniger Zeit mit jedem einzelnen Schüler in ihrem überfüllten Klassenzimmer zu verbringen. Ihre Kinder, die davon träumen, etwas Großes zu werden. Jeder kleine Unternehmer, der expandiert und seine Angestellten ordentlich behandelt - all diese Amerikaner brauchen einen Vorkämpfer in Washington.

Wenn es diesen Amerikanern gut geht, dann geht es Amerika gut. Das ist der Wandel, den wir genau jetzt brauchen. Es ist Zeit, das zu beenden, was wir angefangen haben - Bildung für unsere Kinder, Ausbildung für unsere Arbeiter, neue Arbeitsplätze, neue Energien und neue Möglichkeiten -, damit Folgendes gewährleistet ist: Egal wer du bist, woher du kommst oder wie du angefangen hast, dies ist das Land, wo man es schaffen kann, wenn man es versucht.

Das Amerika, an das wir glauben, ist schon in Reichweite. Die Zukunft, auf die wir hoffen, ist schon zu sehen. Deshalb bitte ich an diesem Dienstag um Ihre Stimme."

Übersetzung: Hubertus Volmer

Hier der Link zum Original bei CNN.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen