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Mit seinen Videos erreicht Julien auf Youtube regelmäßig bis zu 1,5 Millionen Klicks.
Mit seinen Videos erreicht Julien auf Youtube regelmäßig bis zu 1,5 Millionen Klicks.(Foto: youtube.com/user/JuliensBlog / Screenshot n-tv.de)

Auschwitz-Witze auf "JuliensBlog": Youtuber wegen Volksverhetzung verurteilt

"Schwarzer Humor" - so nennt Julien das, was er auf seinem Youtube-Kanal vor Hunderttausenden Zuschauern verbreitet. Ein besonders derbes Video bringt dem Video-Blogger nun eine saftige Strafe ein. In dem Clip fordert er die Vergasung von Lokführern.

Acht Monate Haft auf Bewährung und 15.000 Euro Geldstrafe wegen Volksverhetzung: So lautet das Urteil des Amtsgerichts Tecklenburg gegen den Video-Blogger Julien. Das berichten die "Westfälischen Nachrichten". Grund für die Verurteilung ist ein Video, dass der 27-Jährige auf seinem Youtube-Kanal "JuliensBlog" im Mai 2015 hochgeladen hatte. In dem rund fünfminütigen Clip geht es um den Bahnstreik der Lokführergewerkschaft GDL.

In dem Video beleidigt der selbsternannte Videokünstler die Lokführer der GDL durchweg mit vulgären Ausdrücken. Seine Hasstirade gipfelt in der Forderung, die Lokführer zu vergasen. In dem Video werden Bilder von Deportationen und leere Gaskammern gezeigt, während Julien kommentiert: "Vergasen sollte man diese Mistviecher. Wisst ihr noch, wie die Juden in Zügen nach Auschwitz transportiert wurden? Man sollte die Zugführer alle dahinbringen. Ich fahr' auch den Zug, und zwar umsonst - und werde nicht einmal streiken."

"Ich habe noch krassere Sachen gemacht"

Einsicht zeigte Julien bei dem Gerichtsverfahren den "Westfälischen Nachrichten" zufolge nicht. "Es war witzig gemeint", sagte er. Er verglich sich mit Arnold Schwarzenegger und sagte, diesem werfe auch niemand vor, in seinen Filmen Menschen zu töten. "Ich habe noch krassere Sachen gemacht, nur ohne NS-Zeit. Dass man das in Deutschland nicht darf, habe ich nicht gewusst", zitiert das Blatt den Verurteilten. Der Anwalt des Youtube-Stars stellte vor Gericht den Paragrafen 130 insgesamt infrage. Dort heißt es unter anderem: "Mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer eine unter der Herrschaft des Nationalsozialismus begangene Handlung [...] in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, öffentlich oder in einer Versammlung billigt, leugnet oder verharmlost."

Mit dem Urteil blieb der Richter unter dem von der Staatsanwaltschaft geforderten Strafmaß: Gegen einen Strafbefehl über eine Freiheitsstrafe von zehn Monaten mit einer zweijährigen Bewährungsstrafe und 14.000 Euro Geldstrafe hatte Julien zuvor Einspruch eingelegt.

"JuliensBlog" zählt mit fast 1,3 Millionen Abonnenten zu den beliebtesten deutschsprachigen Youtube-Angeboten. Der Videoblogger nutzt darin immer wieder derbe Sprache und schwarzen Humor. Manche seiner Videos erreichen bis zu 1,5 Millionen Klicks. Der Clip, wegen dem Julien nun verurteilt wurde, sammelte innerhalb von vier Monaten nach Erscheinen rund 800.000 Klicks.

Quelle: n-tv.de

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