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Raketen-Show in Pjöngjang.
Raketen-Show in Pjöngjang.(Foto: dpa)

Nordkorea droht und droht: China muss die Zügel stramm ziehen

Ein Kommentar von Jochen Müter

Nordkorea ist abhängig von China. Und wenn der seltsame Staat unter Führung des jungen Diktators Kim Jong-Un den USA mit einem atomaren Angriff oder weiterer Aufrüstung droht, ist das in Peking sicher keine riesige Überraschung. Doch die chinesische Führung muss aufpassen, dass ihr die Sache nicht entgleitet.

Da ist es erneut, das heftige Säbelrasseln aus Pjöngjang. Kim Jong-Un, die nordkoreanische Dauerprovokation, hat wieder zugeschlagen. Sein Land werde mehr waffenfähiges Plutonium herstellen. Zudem werde geprüft, die gemeinsame Sonderwirtschaftszone mit dem Süden einzustampfen. Angesichts eines fast schon traditionellen Manövers, das die USA gemeinsam mit Südkorea durchführen, drohten der junge Diktator und seine Militärs im Hintergrund kürzlich sogar mit einem Atomschlag. Und zwar "präventiv". "Solange die USA einen Atomkrieg anstreben, haben unsere revolutionären Streitkräfte das Recht auf einen präventiven Atomschlag", protzte das nordkoreanische Außenministerium, ohne ein konkretes Ziel zu nennen.

Kim Jong-Un wird oft als Witzfigur verschrien.
Kim Jong-Un wird oft als Witzfigur verschrien.(Foto: dpa)

Nun spalten dieses Verbal-Manöver die Welt. Und zwar in die, die den skurrilen und oft kuriosen Staat als unglaubwürdig abtun; und dann in die, die Drohungen dieser Art sehr ernst nehmen. Die Wahrheit liegt wohl, wie so oft, dazwischen.

Dass Nordkorea ernsthaft an zweifelhaften Waffensystemen arbeitet, kann wohl niemand mehr bestreiten, seit es im Februar einen weiteren Atomtest unternommen hat. Die Erschütterungen wurden weltweit aufgezeichnet. Das vom Stalinismus geprägte, aber längst nicht mehr stalinistische Land, versteht sich als Zentrum der Welt, das es unter allen Umständen zu schützen gilt. Diese anti-globale Ideologie ist Ursprung der Aggression. Und die USA, die einst einen heftigen Krieg in Korea führten, sind quasi tradiert der Anlass dafür.

Angst vor dem Pech

Auf der anderen Seite ist allen Beobachtern klar, dass die Kim-Sippe eng an Chinas Leine läuft. Ohne den großen Bruder geht nicht viel. Verhungernde Menschen, massive Aufrüstung und krude Diplomatie – all das geschieht mit Zustimmung oder Ablehnung durch die Regierung in Peking. Zwar nutzt das Riesenreich, das zurzeit selbst einen Wandlungsprozess mitmacht, das kleine Nordkorea immer wieder, um den Westen zu piesacken – einen Atomschlag wird es aber natürlich nicht zulassen.

Insgesamt mehren sich die Anzeichen, dass China ungeduldiger wird mit dem Regime des Kim Jong-Un. Ein Zeichen war das Übereinkommen, über weitere Sanktionen gegen Pjöngjang zu beraten. Auch die inneren, zaghaften Wirtschaftsreformen im Stile Chinas sprechen dafür. Doch China muss natürlich aufpassen, dass es die Welt mit Hilfe des seltsamen Nachbarn nicht allzu sehr provoziert. Manchmal können nämlich aus Kleinigkeiten oder gar Missverständnissen schreckliche Kettenreaktionen werden.

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Quelle: n-tv.de

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