Politik
Der Protest war alles andere als ausschließlich gewalttätig.
Der Protest war alles andere als ausschließlich gewalttätig.(Foto: dpa)

EZB-Protest war richtig: Danke, Demonstranten!

Ein Kommentar von Benjamin Konietzny

220 Verletzte, darunter 94 Polizisten. Wasserwerfer, Schlagstöcke, brennende Barrikaden. Das brutale Spektakel, das sich in Frankfurt bei der Eröffnung des EZB-Baus abspielte, war nicht in Ordnung. Doch es war ein sehr wichtiger Protest.

Natürlich ist die EZB nicht der richtige Adressat. Weder die Notenbank als Institution noch das Gebäude, in dem sie untergebracht ist, sind verantwortlich für die Misere, die Tausende zum Teil gewaltbereite Menschen nach Frankfurt gelockt hat. Es ist ein krankes System, das weder eine Postadresse noch eine Person an der Spitze hat, die man dafür verantwortlich machen könnte.

Dafür etwa, dass 800 Milliarden Euro zur Rettung von Banken aufgebracht werden und sechs Milliarden, um Millionen von arbeitslosen Jugendlichen einen Job zu verschaffen. Oder dafür, dass nach der Finanzkrise in den Vorstands-Etagen der Banken keine erkennbaren Konsequenzen gezogen wurden, damit sich das Szenario der letzten Krise nicht wiederholt. Dafür, dass Sparen wichtiger ist als ein soziales, gerechtes Europa.

Der Blockupy-Protest richtet sich - ganz naiv ausgedrückt - gegen den Kapitalismus. Doch etwas näher betrachtet richtet er sich gegen eine Politik und eine Wirtschaft, die sich immer mehr von den Menschen entfernt, die dem Finanzsystem mehr Platz einräumt als den Nöten von Millionen. Es ist ein Protest von Menschen, die längst aufgehört haben zu glauben, dass sie von den Parlamenten, den Unternehmen und den Banken gehört werden. Auch wenn es nicht die EZB war, die das so gemacht hat.

Und es ist ein guter Protest. Denn er zeigt drei Dinge. Erstens: Flüchtlinge, Ausländer und die Lügenpresse sind nicht das einzig verbliebene Thema, das in Deutschland Tausende auf die Straße lockt. Zweitens: Der Protest zeigt, dass die tagtägliche Profitjagd der Großbanken, die unersättliche Gier nach Wachstum nicht unbeobachtet und ohne Reaktionen bleibt.

Drittens: Es gibt noch Tausende Menschen, die auf die Straße gehen, um gegen eine Diktatur des Sparens zu protestieren und für ein anderes, ein gerechtes Europa. Und in diesem Punkt sind sie dann doch an der richtigen Adresse - zumindest, wenn man den Worten von EZB-Präsident Mario Draghi glaubt, der vor der Eröffnung sagte: "Das Gebäude ist ein Symbol für das Beste, was Europa gemeinsam erreichen kann".

Quelle: n-tv.de

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