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IS-Kämpfer in Syrien - ihr Terror verbreitet sich in der ganzen Welt.
IS-Kämpfer in Syrien - ihr Terror verbreitet sich in der ganzen Welt.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Jordaniens Rache ist Grenzübertritt: Der IS lockt die Welt in den Abgrund

Ein Kommentar von Issio Ehrich

Die Reaktion Jordaniens auf die Hinrichtung eines Staatsbürgers zeigt, wie verzweifelt die Gegner des Islamischen Staates mittlerweile sind. Die Dschihadisten treiben den vernunftbegabten Teil der Menschheit an seine Grenzen - und darüber hinaus.

Die Islamisten haben den Tod von Muas al-Kasasba in gewohnter Manier in Szene gesetzt. In sozialen Netzwerken kursieren teils 20 Minuten lange Videos, es reichen aber ein paar Stichworte, um das Grauen zu erahnen, das darin steckt: Der jordanische Kampfpilot ist in einen Käfig gesperrt. Blutergüsse im Gesicht lassen das Martyrium, das der 26-Jährige bereits hinter sich hat, erkennen. Man sieht seinen maskierten Henker mit einer Fackel in der Hand. In Nahaufnahme ist zu sehen, was darauf folgt. Ein Bulldozer verscharrt die verkohlte Leiche al-Kasasbas.

Video

Der Tod des junge Mannes ist eine unerträgliche Tragödie. Allerdings ist auch die Reaktion Jordaniens - das Königreich ließ zwei Terroristen hinrichten - unerträglich. Auch wenn es noch so schwer fällt - die Gegner des Islamischen Staates (IS) dürfen nicht den Weg der Rache beschreiten. Dass es der IS genau auf solche Reaktionen anlegt, ist allzu offensichtlich. Die Islamisten nutzen ihren Horror gezielt, um den vernunftbegabten Teil der Menschheit an seine Grenzen zu bringen, und ihn zu Taten zu verleiten, die er eigentlich mit aller Vehemenz ablehnen müsste.

Menschen auf der ganzen Welt sprachen schon bei den ersten Enthauptungen, die der IS in voller Länge per Video durch das Internet jagte, von "barbarischen" Akten. Doch die Taten der Islamisten wurden immer grausamer. Und so blieb ihnen auch jetzt nichts anderes, als diesen Ausdruck zu verwenden: "barbarisch". Verbal stehen die Menschen längst mit dem Rücken zur Wand.

Waffenlieferungen, Abkehr vom Pazifismus

Auch die Politik ist längst in die Enge getrieben. Die Bundesrepublik war bereit, Waffen in ein Kriegsgebiet zu liefern - ohne wirklich zu wissen, in wessen Händen sie am Ende landen. Die USA führen wieder einen Krieg im Nahen Osten, obwohl sie sich nach ihren Erfahrungen im Irak und in Afghanistan längst zurückziehen wollten. Japan ist nach der Ermordung zweier Geiseln im Begriff, seine pazifistische Grundhaltung aufzugeben. Das Land will künftig schließlich in der Lage sein, Japaner im Ausland zu retten.

All das sind Grenzgänge. Aber es sind immerhin Maßnahmen, die sich noch damit begründen lassen, dass der Islamische Staat gestoppt, dass mehr Blutvergießen verhindert werden muss. Für die Reaktion Jordaniens trifft das nicht zu.

Hinrichtung ist keine Niederlage für IS

Natürlich waren die Dschihadistin Sadschida al-Rischawi und der Al-Kaida-Terrorist Siad al-Karbuli, die nun gehängt wurden, ohnehin zum Tode verurteilt. Mit der Entscheidung, ihr Urteil aus Rache sofort zu vollstrecken, überschreitet Jordanien aber eine Grenze. Der Tod dieser beiden Menschen nützt nichts im Kampf gegen den IS und er schützt selbstredend auch keine Leben. Er demonstriert nur, wie verzweifelt die Gegner des IS mittlerweile sind.

Die Hinrichtung der Terroristen ist keine Niederlage, sie ist ein Triumph für die Männer, für die das Wort "Barbaren" noch viel zu harmlos ist. Und sie ist ein Triumph, mit dem die geschickten Menschenfänger, mit Leichtigkeit Nachschub rekrutieren können.

In dem Video, das al-Kasasbas Tod zeigt, sind auch immer wieder Bilderfetzen von den Folgen der Luftangriffe auf den IS zu sehen. Darunter verkohlte Leichen, so wie die von al-Kasasba. Jetzt haben die Islamisten ein weiteres Argument, um zu sagen: Seht her, die anderen sind kein Deut besser.

Quelle: n-tv.de

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