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Beliebt, aber eigentlich nur laut: China-Böller.
Beliebt, aber eigentlich nur laut: China-Böller.(Foto: picture alliance / dpa)

Muss das denn sein?: Die Silvester-Böllerei nervt

Ein Kommentar von Christian Rothenberg

Alle Jahre wieder: Heute beginnt der Böller-Verkauf, viele Deutsche können es kaum erwarten, es schon vor Silvester kräftig knallen zu lassen. Sie fordern Toleranz ein, nehmen aber selbst keine Rücksicht.

Sie haben es vielleicht gelesen: Am Wochenende ist auf Usedom ein Feuerwerk-Verkaufsstand abgebrannt. Es gab Explosionen, Verletzte, sieben Stände brannten komplett nieder. Weihnachten ist vorbei, es ist wieder Böller-Zeit. Laut Gesetz darf Feuerwerk zwar nur am 31. Dezember und 1. Januar abgebrannt werden. Wenn sich nur jemand daran halten würde. In Berlin wurde am 27. Dezember schon geknallt. Spätestens jetzt, wenn der Verkauf offiziell startet, dürfte es mit der Ruhe endgültig vorbei sein.

Auch die Ereignisse auf Usedom werden nichts daran ändern: Viele Knaller-Fans werden den Jahreswechsel wieder vorziehen und es schon vor Silvester kräftig krachen lassen. Wen das stört, wer die Zeit zwischen den Jahren seine Ruhe haben will, der hat dann wieder einmal Pech gehabt. Muss das sein? Nein. Denn der Lärm ist nervtötend und sinnfrei. Es ist höchste Zeit für mehr Rücksicht und dafür, die Knallerei deutlich einzuschränken.

Mehr als 120 Millionen Euro haben die Deutschen im vergangenen Jahr für Böller, Raketen und Feuerwerk ausgegeben. Was könnte man damit nicht alles machen? Geschenkt - jeder kann sein Geld ausgeben, wie er es für richtig hält. Aber schauen wir mal kurz auf das Resultat: Große Gefahren, viel Lärm, noch mehr Müll, Notarzt-, Polizei- und Stadtreinigungseinsätze – nach einem Nutzen sucht man bei all der Knallerei vergebens. Es gibt schlichtweg keinen. Man muss weder spießig noch übermäßig besinnlich oder lärmempfindlich sein, um sich daran zu stören.

In Deckung, Rakete!

Laut einer Yougov-Umfrage will nur fast jeder Dritte Feuerwerk zünden. Jeder Vierte hat schon Verletzungen durch Böller miterlebt. Jedes Jahr erleiden fast 10.000 Deutsche Ohr-Verletzungen. Gegen originelles und professionelles Feuerwerk ist wenig einzuwenden, aber dass Menschen in der Silvesternacht in Deckung gehen müssen, weil sie mit Raketen beschossen oder mit China-Böllern beworfen werden: muss doch nicht sein. Dass zusätzlich oft Alkohol im Spiel ist, macht es nicht besser. Ganz zu schweigen von den Gefahren durch illegale Böller.

Also, wie weiter? Natürlich soll, ja muss Silvester ausgelassen gefeiert werden. Aber es geht auch anders. Es muss ja kein völliges Verbot sein, aber die Ausmaße der Knallerei zeigen, dass die gesetzlichen Bestimmungen in Deutschland zu lasch sind. Es genügt nicht, dass Feuerwerk im Umfeld von Kirchen, Krankenhäusern und Altenheimen nicht gezündet werden darf. Wie man es machen könnte, zeigen die Niederlande. 56 Kommunen haben böllerfreie Zonen eingerichtet. Seit 2014 ist das Knallen nur zwischen 18 und 2 Uhr erlaubt. Böllern nur zu Silvester, das klingt so naheliegend und ist ja eigentlich auch Sinn der Sache.

Eine zeitliche Einschränkung wäre gut, dafür sind jedoch auch mehr Kontrollen nötig. Noch wichtiger als Gesetze ist aber die Vernunft. Es ist Zeit für einen Mentalitätswechsel. Von "Knallen Sie, wann, wo und wie es Ihnen gefällt" zu "Rücksicht nehmen auf die, die es nervt". Wer an Silvester Toleranz für Knallerei und Lärm einfordert, sollte bis zum 31. Dezember mit gutem Beispiel vorangehen.

Quelle: n-tv.de

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