Politik
Bei Facebook deutlicher als vor der Presse: Lutz Bachmann
Bei Facebook deutlicher als vor der Presse: Lutz Bachmann(Foto: picture alliance / dpa)

Wie viel Dialog sollte es geben?: Ein Rassist namens Bachmann

Ein Kommentar von Christoph Herwartz

Es ist richtig, dass Politiker nun mit Pegida-Demonstranten ins Gespräch kommen wollen. Aber Rassisten müssen weiter Rassisten genannt werden. So wie Lutz Bachmann.

Gelumpe, Dreckspack, Viehzeug. Das sind die Ausdrücke aus nur einem Facebook-Kommentar des Pegida-Vorsitzenden Lutz Bachmann. Gemeint sind offenbar Ausländer, die in Deutschland Sozialleistungen beziehen. Die Hacker-Gruppe Anonymous hat den Kommentar aus einem internen Forum ausgegraben und gestern veröffentlicht, er stammt aus dem September 2014.

Man muss etwas zurückgehen, um das wahre Wesen der Pegida-Organisatoren zu erkennen. So, wie sie sich jetzt zu Günther Jauch oder vor die Presse setzen, wirken sie wie verstörte kleine Lämmer. Gerade auf die politische Welt geworfen und noch immer etwas orientierungslos, aber durchweg harmlos. Lutz Bachmann und Kathrin Oertel tapsen durch die Politik, fordern mal dieses, mal jenes. Wenn jemand ihre Thesen widerlegt, verweisen sie pauschal auf ihr Gefühl, auf Sorgen, Ängste, Unverständnis.

Doch Bachmann und Oertel ging es zumindest am Anfang nicht darum, einen Dialog mit der Politik zu führen und das Asylrecht zu justieren. Sie wollten es denen da oben mal zeigen, ihren Hass entladen auf alles, was sie nicht verstehen und kennen. Als erstes Opfer wählten sie sich die Muslime. Als eine Gruppe von Kurden in Dresden forderte, dass man ihren Familien in Syrien hilft, sich gegen Islamisten zu verteidigen, war es Bachmann, Oertel und einigen anderen genug. Sie gingen gegen das "Gelumpe", das "Dreckspack", das "Viehzeug" auf die Straße und nannten sich fortan "Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes". Der Begriff "Islamisierung" ist dabei nur eine dünne Decke über dem Rassismus, den Pegida verbreitet, aber er funktionierte und zog Tausende Demonstranten an. Auf der Pegida-Bühne durften Rassisten übelste Hetze verbreiten.

Wer als Muslim in Deutschland lebt, musste Angst bekommen. Was wäre denn die Konsequenz daraus, wenn die Europäer etwas gegen "Islamisierung" unternehmen wollen? Ein Verbot muslimischer Glaubenszeichen? Die weitere Benachteiligung von Gruppen, die ohnehin schon am Rand der Gesellschaft leben? Die Ausweisung von Muslimen?

Auf einmal soll alles anderes sein. Über den Jahreswechsel haben die Demonstrationen in Dresden einen anderen Ton bekommen. Bachmann und Oertel geben jetzt nur noch die Stichworte, die Parolen brüllen die Demonstranten. Sogar die extremere Legida-Demo in Leipzig soll gezähmt werden. Pegida will zur politischen Kraft werden, zum Dauergast in Talkshows, zu einem Verein, den Journalisten anrufen, wenn sie ein Statement zu einer aktuellen Debatte haben wollen. Doch dafür reicht es nicht aus, sich einen Schafspelz überzuziehen.

Natürlich ist es richtig, dass Politiker jetzt mit Pegida-Anhängern reden. Es läuft ja etwas falsch, wenn 25.000 Menschen meinen, ihren Frust auf die Straße tragen zu müssen. Aber die Rassisten an der Spitze von Pegida muss man auch weiterhin so nennen. Wer Menschen als "Gelumpe", "Dreckspack" und "Viehzeug" bezeichnet, wer Angst unter Millionen deutscher Muslime verbreitet, hat in Talkshows nichts verloren.

Quelle: n-tv.de

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