Politik

Gegen den Strich: Fällt Europa am 3. Oktober?

von Klaus Schweinsberg

Der 3. Oktober hat einen festen Platz in der Geschichte. Er ist der Nationalfeiertag der Deutschen. Vieles spricht dafür, dass am kommenden Montag dieses freudige Ereignis von dramatischen Ereignissen überlagert wird. Der 3. Oktober 2011 könnte vom Feiertag zum Trauertag mutieren. Und zwar zum Trauertrag für Europa.

Wenn der nach Griechenland zurückgereisten Troika nicht von politischer Seite alle Augen verbunden worden sind, so muss sie sich bereits an diesem Wochenende deutlich gegen weitere Milliardenzahlungen an Hellas aussprechen. Und wird nicht bis Mitte Oktober warten. Denn die Griechen haben die ihnen auferlegten Einsparziele verfehlt. Und zwar nicht, wie gerne behauptet wird, wegen der verschlechterten Marktbedingungen. Nein, mindestens 75 Prozent der Zielverfehlung rührt her aus schlicht nicht umgesetzten Maßnahmen. Die griechische Politik laviert, spielt auf Zeit, anstatt endlich zu sanieren.

Bereits am Wochenende könnte Griechenland seinen Bankrott verkünden.
Bereits am Wochenende könnte Griechenland seinen Bankrott verkünden.(Foto: dpa)

Verweigert die Troika weitere Zahlungen, ist Griechenland pleite. Und es ist davon auszugehen, dass die griechische Regierung dies noch am Wochenende der Weltöffentlichkeit auch mitteilen wird.

Die Folgen für die Finanzmärkte sind nicht absehbar. Niemand weiß, wie die Börsen dann in die nächste Woche starten. Und niemand weiß, ob die europäischen Regierungschefs für diesen Fall einen wirksamen Plan B in der Hinterhand haben. Das ist inständig zu hoffen.

Gibt es diesen Plan indes nicht - bleiben also die Wackelkandidaten unter den europäischen Banken und die angezählten Volkswirtschaften Portugals Spaniens, Italiens auf sich gestellt - droht das Desaster. Die Finanzmärkte dürften ab Montag dann nur eine Richtung kennen.

Regierungen haben ihr Pulver verschossen

Die Politik wird die dann schroff einsetzende Abwärtsspirale nicht in den Griff bekommen. In fast allen europäischen Ländern sind die Regierungen durch interne Kalamitäten paralysiert oder in eine Vorwahlkampf-Starre verfallen. Angela Merkel hat im Bundesrat die Mehrheit und in ihrer Koalition den Rückhalt verloren. Auch wenn sie mit letzter Kraft noch eine knappe Kanzlermehrheit zusammenbekommen hat. Italien ist inzwischen letztlich führungslos. In Spanien ist Jose Luis Rodriguez Zapatero auf dem Absprung. David Cameron kämpft noch. Und Nicolas Sarkozy bangt.

Prof. Dr. Klaus Schweinsberg
Prof. Dr. Klaus Schweinsberg

Außerdem haben die Regierungen ihr Pulver verschossen. Die finanzpolitischen Arsenale sind leer. Weiter Zeit zu kaufen mit massiven Interventionen, das wird selbst das Vermögen großer Volkswirtschaften überstrapazieren.

Ein jäher Absturz der Finanzmärkte nächste Woche, die dann einsetzende Schwächung des Euro, der Druck auf die EZB weitere Staatspapiere zu kaufen, die rasch folgende Pleite großer Banken wird die Fliehkräfte in Europa in einem Maße beschleunigen, wie wir uns das heute nicht vorstellen können. Eine gemeinsame Verteidigungslinie der Mitgliedsstaaten ist nicht zu erwarten. Europa hat sich verausgabt. Und steht nun kraftlos und schutzlos da. Wir stehen fürwahr vor entscheidenden Tagen.

Wenn Europa fällt ...

Bleibt zu hoffen, dass sich die Politik darauf eingestellt hat, dass Griechenland am Wochenende fällt. Sonst kann es passieren, dass ausgerechnet am Tag der Deutschen Einheit die Europäische Einheit im Sturm der Finanzmärkte zerschellt.

Prof. Dr. Klaus Schweinsberg ist Gründer des Centrums für Strategie und Höhere Führung und Vorstand der INTES Stiftung für Familienunternehmen. Der Volkswirt und Publizist arbeitet als persönlicher Berater für große Unternehmen und Top-Manager.

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Quelle: n-tv.de

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