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Auch in der Schweiz wurden Fertigprodukte mit Pferdefleischanteil aus den Regalen genommen.
Auch in der Schweiz wurden Fertigprodukte mit Pferdefleischanteil aus den Regalen genommen.(Foto: REUTERS)

Einmal hin, alles drin?: Fertignahrung ist nichts zum Essen

Ein Kommentar von Peter Poprawa

Lasagne mit Pferdefleisch ist nicht gefährlich. Lasagne mit "Spuren von Pferdefleisch" macht zumindest neugierig, welche Bestandteile noch im Essen zu finden sind. Viele Menschen wollen das gar nicht so genau wissen. Hauptsache, es sieht gut aus, riecht gut und ist billig. Genau das nutzen die Produzenten aus.

Fleisch muss vor allem eins sein: billig. Das ist offenbar die weitverbreitete Meinung der Verbraucher. Ohne diese "Billig-Ideologie" wäre der Skandal um Pferdefleisch im deutschen Handel gar nicht erst zustande gekommen.

Verbraucherministerin Ilse Aigner spricht von einem "krassen und schlimmen Fall" von Verbrauchertäuschung. Wenn Rindfleisch draufstehe, müsse auch Rindfleisch drin sein. Aber: Pferdefleisch sei ja gar nicht gefährlich und man könne es auch ganz regulär in Deutschland kaufen.

Hier wird ein Slogan zum Bumerang.
Hier wird ein Slogan zum Bumerang.(Foto: picture alliance / dpa)

Alles also halb so wild? Keinesfalls. Wenn "Spuren von Pferdefleisch" in Fertig-Lasagne entdeckt werden, wirft dies die Frage auf, welche Spuren noch auftauchen. "Einmal hin, alles drin", lautet der Slogan der in Deutschland betroffenen Supermarktkette Real. Vor dem Hintergrund des Pferdefleisch-Skandals klingt dieser Spruch nicht gut.

Der Verbraucher will das indes gar nicht so genau wissen. Wer bei Aldi oder anderen Supermärkten eine Fertig-Lasagne für unter 1,30 Euro kauft, hat kaum Interesse für diese Details. Für eine klassische Lasagne benötigt man vor allem Hackfleisch, Zwiebeln und Tomatenmark, außerdem Lasagne-Platten und ungefähr eineinhalb Stunden Zeit. Wer für vier Personen kochen will, muss an der Supermarktkasse 12 bis 15 Euro bezahlen. Für das Fertiggericht aus dem Kühlregal legt man nicht einmal die Hälfte auf den Tresen. Wer glaubt, sich bei solchen Preisen gesund ernähren zu können, der irrt. Und in der Fertig-Lasagne stecken zusätzlich Arbeitslohn, Energieaufwand, Verpackung und Lagerung.

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Zudem sind die Handelswege gerade für Fleisch so verschlungen, dass sie den Beteiligten reichlich Gelegenheit bieten, ihre kriminelle Energie auszutoben. Das Pferdefleisch für die Billig-Lasagne kam möglicherweise aus Rumänien, betroffen sind, soweit bislang bekannt, Produzenten in Frankreich sowie Verarbeitungsbetriebe in Großbritannien. Klar ist: Das Netz der Lieferanten und Produzenten, von denen die Discounter ihre Ware beziehen, ist so verzweigt wie undurchsichtig. Ein Einfallstor für Betrug und Täuschung.

Politik ist gefordert

Der verwobene Fleisch- und Futtermittelmarkt mit dem Ziel, so billig wie möglich zu sein, ist jedoch nur ein Teil des Problems. Ein weiteres ist die mangelnde Euphorie der Politik, diesen Markt zu kontrollieren. Daher forderte die ehemalige Verbraucherschutzministerin Renate Künast eine genaue Etikettierung und Dokumentation der Produktionskette. "Man muss wissen, was drin ist. Das ist sonst schlicht und einfach Verbraucher-Beschiss."

Immer mehr Verbraucher verstehen indes, dass es kein Grundrecht auf billiges Fleisch gibt. Der Fleischkonsum in Deutschland stagniert, der Absatz vegetarischer Fertiggerichte hat sich in den letzten fünf Jahren verdoppelt. Auch wenn hierzulande noch immer 700 Millionen Tiere jährlich geschlachtet werden, der Trend geht weg vom Fleisch. Selbst erklärte Fleischliebhaber wie Fernsehkoch Tim Mälzer kreieren neuerdings vegetarische Kochbücher. Wer sich über die immer wiederkehrenden Fleischskandale ärgert, kann auf die Ehrlichkeit des Marktes oder das Engagement der Politik hoffen. Oder einen Bogen um Billig-Fleisch und billige Fertigprodukte machen. Gesünder ist es in jedem Fall.

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Quelle: n-tv.de

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