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Keine klare Linie? Wie Obama den Dschihadisten im Irak und Syrien entgegentreten will, weiß oder verrät er noch nicht.
Keine klare Linie? Wie Obama den Dschihadisten im Irak und Syrien entgegentreten will, weiß oder verrät er noch nicht.(Foto: REUTERS)

Zwischen Nobel und Assad: Für Obama gibt es nichts mehr zu gewinnen

Ein Kommentar von Issio Ehrich

Am Kampf gegen die Dschihadisten-Gruppe IS könnte er scheitern. US-Präsident Obama läuft Gefahr, als Präsident der großen Worte und der kleinen Taten in die Geschichtsbücher einzugehen.

Die Sprache von US-Präsident Barack Obama wird immer schriller. Es sagt Dinge wie: Der Islamische Staat hat "keinen Platz im 21. Jahrhundert". Er nennt die radikalen Muslime ein "Krebsgeschwür". Und er verspricht, sie "unnachgiebig" zu verfolgen. Wie er das tun will, das lässt er allerdings offen - aus gutem Grund. Obama hat die Bedrohung, die von IS ausgeht, so spät erkannt, dass er jetzt in eine Situation geraten ist, in der er womöglich nichts mehr zu gewinnen hat, egal, wie er sich entscheidet.

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Die Losung US-amerikanischer Politik heißt derzeit: Eindämmung. Mit isolierten Luftangriffen auf IS-Stellungen im Nordirak versuchen die USA zu verhindern, dass die IS-Schlächter ihr Schreckens-Kalifat weiter ausdehnen. Die Idee, IS allein im Irak zu besiegen, ist aber in etwa so, als hätten die Alliierten im Zweiten Weltkrieg versucht, Hitler-Deutschland zu bezwingen, ohne Rhein und Oder zu überschreiten. Das Machtzentrum der Islamisten liegt in Syrien. Macht Obama so weiter, vererbt er das Problem nur seinem Nachfolger.

Zwar sind Erkundungsmissionen in Vorbereitung. Die Geste ist bislang allerdings noch deutlich größer als die Tat. Denn aller Vorbereitungen zum Trotz heißt es aus Washington derzeit: Ob die USA ihre Luftangriffe auf die Islamisten nicht nur im Irak, sondern auch in Syrien fliegen werden, sei noch nicht entschieden. Ein Angriff auf Ziele in syrischem Hoheitsgebiet würde dazu führen, dass der Präsident, der Amerikas Kriege eigentlich beenden wollte, nicht nur weiterhin im Irak kämpfen lässt, sondern sogar eine neue Front eröffnet. Syriens Außenminister Walid al-Muallem warnte schließlich schon, dass jeder Bruch der Souveränität des Landes als "Aggression" angesehen werde. Ein Einsatz in Syrien würde die USA deshalb restlos in den Bürgerkrieg in dem geschundenen Land ziehen.

Pakt mit dem Massenmörder

Will Obama seinen Worten Taten folgen lassen, scheint ihm so nur eine Möglichkeit zu bleiben: ein Pakt mit Assad. Der ließ seine Bereitschaft dazu längst durchschimmern. Natürlich: Für ihn stellt eine Allianz mit dem Westen gegen IS die Chance dar, der diplomatischen Isolation zu entfliehen. Nur ist und bleibt Assad ein Massenmörder. Ein Mann, der Giftgas gegen die eigene Bevölkerung eingesetzt hat. Ein Mann, der für den Tod von mehr als 100.000 Menschenleben verantwortlich zeichnet. Ein solcher Pakt würde einem Friedensnobelpreisträger nicht gut zu Gesicht stehen.

Wie auch immer sich der US-Präsident entscheidet, dass er als Friedensstifter oder Konfliktlöser in die Geschichtsbücher eingehen kann, wird immer unwahrscheinlicher. Darauf zu hoffen, dass die zerstrittenen regionalen Kräfte im Nahen Osten sich plötzlich solidarisieren, und ihm die Arbeit abnehmen, erscheint angesichts der seit Jahrzehnten schwelenden Konflikte allzu optimistisch. Zumal am Ende der Eindruck entstehen könnte, dass die USA den Aufstieg von IS durch ihre interventionistische Politik erst ermöglicht haben, und Obama die Lösung des Problems dann auf andere abgeschoben hat. Hinzu kommt die Angst vieler Amerikaner, dass IS seinen Terror wie Al-Kaida in die USA trägt. Ein US-Präsident, der dagegen nichts tut, muss mit Empörung rechnen. Obama könnte als Präsident der großen Worte und der kleinen Taten in die Geschichtsbücher eingehen. Er muss sich dringend etwas einfallen lassen.

Quelle: n-tv.de

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