Politik

Eine Frage der Zeit: Guttenberg kommt zurück

ein Kommentar von Jan Gänger

Die steile Karriere von Guttenberg ist nicht beendet. Sie ist nur unterbrochen. Schließlich ist er nicht der erste CSU-Verteidigungsminister, der nach seinem Rücktritt die Karriere fortsetzt. Franz Josef Strauß ist das auch gelungen.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Karl-Theodor zu Guttenberg tritt zurück. Während die einen sich darüber freuen, bedauern die anderen diese Entscheidung. Doch gemach: Guttenberg kommt zurück. Es ist lediglich eine Frage der Zeit.

Für sein Comeback spricht vieles: Guttenberg ist ein politisches Talent, er kann sich wunderbar verkaufen und ist einer der beliebtesten Politiker des Landes. Daran hat auch die Plagiatsaffäre nichs geändert. Im Gegenteil. Der Freiherr inszeniert sich als Anti-Politiker, als jemand der über den Niederungen des Politikbetriebs steht. Das erklärt seine Popularität. Viele sehen in Guttenberg folgerichtig das Opfer der Medien, der Neider, des Establishments, des politischen Gegners. Das wird ihm die Rückkehr erleichtern.

Zudem ist Guttenberg erst 39 Jahre alt. Ihm bleibt ausreichend Zeit, tief Luft zu holen, auf sein Comeback zu warten und seine Karriere fortzusetzen. Sobald genug Gras über die Sache gewachsen ist, wird das einflussreichste Medium des Landes, die "Bild", ihn nach Kräften auf dem Weg zurück nach oben unterstützen.

Doch Guttenberg wird diesen mächtigen Sekundanten gar nicht brauchen. Er könnte es auch alleine schaffen. Denn wer weiß, wie die so genannte Plagiatsaffäre im kollektiven Gedächtnis bleibt: Wohl als harmlose Schummelei, an die sich keiner so recht erinnert. Als eine Episode, die den meisten Deutschen irgendwann völlig egal ist.

Die Zeit vergeht

Die Aussichten für ein Comeback sind also gut. Der Medienmann Guttenberg muss lediglich der starken Versuchung widerstehen und sich aus der öffentlichen Wahrnehmung zurückzuziehen. Dass das Sinn macht, hat Cem Özdemir eindrucksvoll belegt.

Özdemir war 2002 innenpolitischer Sprecher der Grünen. Die Zukunft stand ihm weit offen. Doch dann stürzte er gleich wegen zweierlei Affären: Özdemir hatte sich vom PR-Berater Moritz Hunzinger eine erhebliche Summe Geld geliehen und hatte bei Dienstflügen angesammelte Lufthansa-Bonusmeilen privat genutzt. Das war zweifellos nicht besonders klug. Özdemir rettete seine Karriere, indem er die Fehler eingestand, sich zerknirscht gab und eine Zeitlang abtauchte. Mittlerweile ist er Bundesvorsitzender der Grünen.

Wenn Guttenberg sich nicht an Özdemir ein Beispiel nehmen will, sollte er nach Bayern blicken. Franz Josef Strauß hat nicht einmal die "Spiegel-Affäre" aufhalten können. Und Otto Wiesheu, seines Zeichens Generalsekretär der CSU, verursachte 1983 unter Alkoholeinfluss einen Verkehrsunfall, bei dem ein Mensch starb und ein weiterer schwer verletzt wurde. Wiesheu trat zurück, wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt und hielt sich lange im Hintergrund. Doch er kam zurück: 1990 wurde er in Bayern Staatssekretär, 1993 Wirtschaftsminister. 2005 wechselte er zur Bahn und wurde dort Vorstandsmitglied. Im selben Jahr erhielt er auch das Bundesverdienstkreuz.

Das Gedächtnis ist flüchtig, die Politik schnelllebig, Guttenberg ehrgeizig und bei vielen Menschen ungeheuer beliebt. Er ist bald wieder da.

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Quelle: n-tv.de

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