Politik
Rückzug: Guttenberg verlässt die politische Front.
Rückzug: Guttenberg verlässt die politische Front.(Foto: dpa)

Minister stolpert über Fußnoten: Guttenberg scheitert an sich selbst

ein Kommentar von Till Schwarze

Das Ende eines Hoffnungsträgers: Der Rücktritt als Verteidigungsminister war unvermeidlich, das hat auch Guttenberg endlich erkannt. Die Schuld sucht er aber wieder einmal bei anderen. Der Schaden durch den verspäteten Rücktritt ist groß, Kanzlerin Merkel muss endlich handeln.

Eigene Schuld räumt er auch am Ende nicht ein: "Wenn es auf dem Rücken der Soldaten nur noch um meine Person gehen soll, kann ich dies nicht mehr verantworten", begründet Karl-Theodor zu Guttenberg seinen Rücktritt als Verteidigungsminister. Er kritisiert die "enorme Wucht der medialen Betrachtung". Der Tod und die Verwundung von Soldaten rückten dabei in den Hintergrund. Dies sei eine "dramatische Verschiebung". Zudem wolle er Schaden von seinem Amt, der Bundeswehr, der Wissenschaft und den ihn tragenden Parteien nehmen.

Dafür kommt sein Schritt ein bisschen spät. Der Schaden ist bereits angerichtet. Dafür hat Guttenberg selbst gesorgt – mit seiner zusammenkopierten Doktorarbeit und seinem nur zögerlichen Eingeständnis von eigenen Fehlern. Den eigenen Anspruch an Gradlinigkeit und Klarheit konnte oder wollte der Minister in der Plagiatsaffäre nicht erfüllen. Scheibchenweise nur ließ er die Wahrheit ans Licht. Fast täglich musste er am Ende seine vorschnellen und vollmundigen  Festlegungen korrigieren.

Schuld am eigenen Absturz

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Damit beförderte Guttenberg selbst den eigenen Absturz. Zwar ist der CSU-Politiker noch immer beliebt in der Bevölkerung. Doch die immer neuen Enthüllungen und sein anfangs arroganter Umgang mit der Fußnoten-Affäre ließen den Druck immer größer werden. Erst vom politischen Gegner und den Medien, dann in immer größeren Teilen der Wissenschaft und schließlich in den Reihen der eigenen Partei. Der Stern des politischen Hoffnungsträgers sank immer schneller und selbst in der Bundeswehr machten sich Zweifel über die Kompetenzen des Ministers breit. Angesichts der tiefgreifenden Bundeswehrreform, die Guttenberg entgegen seiner Behauptung noch lange nicht vollständig auf den Weg gebracht hat, waren das keine guten Voraussetzungen, um erfolgreiche Politik zu machen.

Guttenbergs Rücktritt mag bei vielen Menschen auf Bedauern stoßen, die in ihm zu Recht einen talentierten Hoffnungsträger für die Union im Speziellen und für die Politik insgesamt gesehen haben. Doch die Schuld an seinem Scheitern nun dem politischen Gegner und einer angeblichen Kampagne der Medien zuzuschieben, ist falsch. Guttenberg ist am eigenen Ehrgeiz gescheitert, der ein öffentliches Bild von ihm als Politiker zeichnete, dass er als Mensch nicht erfüllen konnte. Dazu gehören ein frisierter Lebenslauf, eine kopierte Doktorarbeit und Befreiungsschläge auf Kosten Dritter wie in der Kundus-Affäre. So glanzvoll und fehlerlos wie es sein Bild in den Medien Glauben machte war Guttenberg eben nicht. Das musste er auch selbst einsehen.

Merkel muss handeln

Der Schaden, den sein Rückzug anrichtet, ist groß. Allen voran für die Union, die ihren charismatischsten Politiker verliert. Vor allem die CSU dürfte der Verlust schmerzen, war die Bayern-Partei Dank Guttenberg doch wieder an die 50-Prozent-Marke gerückt. Aber auch der CDU geht ein wichtiges Zugpferd für die anstehenden Landtagswahlen verloren. Guttenberg wurde bundesweit plakatiert. Seine Auftritte waren fest eingeplant im Wahlkampfkalender der CDU-Landesverbände.

Doch auch für die Politik insgesamt könnte durch Guttenbergs Rücktritt ein Schaden entstehen. Denn der Eindruck, der sich für manche seiner Anhänger aufdrängen mag, ist fatal: Der beliebteste Politiker des Landes muss wegen einer Fußnoten-Affäre gehen. Zurück bleiben nur die ewiggleichen Parteipolitiker. Wer anders ist, als sie, kann sich nicht halten. Das Vertrauen in Parteien – und auch Medien – könnte weiter sinken, die Politikverdrossenheit steigen. Dem muss man entgegenwirken.

Dafür muss auch Angela Merkel etwas tun. Die Kanzlerin hat in der Plagiatsaffäre viel zu lange abgewartet, weil sie den beliebten Minister nicht fallen lassen wollte. Damit hat sie allerdings auch versäumt, Guttenberg vor sich selbst zu schützen. Merkel hätte erkennen müssen, dass sich ihr Shootingstar in den Abgrund reitet. Sie hat die Affäre unterschätzt, nicht ernst genommen. Fußnoten in der Wissenschaft hatten für Merkel nichts mit der Qualifikation eines Ministers zu tun. Diese Haltung war ein Fehler, sie hat den Skandal runtergespielt. Das muss sie schleunigst ändern. Denn nur wenn sie den Wählern begreifbar machen kann, dass dieser Rücktritt notwendig war, lässt sich der Frust über Guttenbergs Abgang begrenzen.

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Quelle: n-tv.de

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