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"Wir können uns dafür entscheiden, zusammenzustehen." Sagt Norwegens Kronprinz Haakon.

"Wir können uns dafür entscheiden, zusammenzustehen." Sagt Norwegens Kronprinz Haakon.
(Foto: REUTERS)

Dienstag, 26. Juli 2011

Nur deutsche Politiker wissen es besser: Norwegen zeigt Schmerz und Haltung

ein Kommentar von Stefan Giannakoulis

Ein Massenmörder bringt 76 Menschen um, ein Land steht unter Schock. Doch anstatt auf Rache zu sinnen, gehen die Norweger auf die Straße und demonstrieren für Demokratie und eine offene Gesellschaft – mit Rosen und Kerzen in den Händen. Nur deutsche Politiker wissen schon, was zu tun ist. Und fordern reflexartig, Personendaten auf Vorrat zu speichern.

Der Ministerpräsident sagt: "Unsere Antwort ist mehr Demokratie, mehr Offenheit, mehr Humanität." Der König sagt: "Ich bewahre den Glauben, dass Freiheit stärker ist als Furcht." Der Kronprinz sagt: "Wir wollen Grausamkeit mit Nähe beantworten. Wir wollen Hass mit Zusammenhalt beantworten. Wir wollen zeigen, wozu wir stehen." Wer wissen will, was Haltung ist, muss in diesen Tagen nach Norwegen schauen.

Ein Massenmörder bringt am 22. Juli 76 Menschen um, mit einer Bombe, die er vor einem Regierungshochhaus in der Hauptstadt Oslo detonieren lässt, mit einer Schnellfeuerwaffe, mit der er Kinder und Jugendliche auf der Ferieninsel Utöya erschießt. Norwegen trauert, ein Land steht unter Schock. Jede Reaktion wäre denkbar. Wut, Hass, der Ruf nach Rache. Doch Norwegens Ministerpräsident Jens Stoltenberg sagt: "Wir sind getroffen, aber wir geben nicht auf." König Harald V. sagt: "Ich bewahre den Glauben an eine offene Demokratie und Gesellschaft." Kronprinz Haakon sagt: "Wir können das Geschehene nicht ungeschehen machen. Aber wir können uns entscheiden, was es mit uns als Gesellschaft und als Einzelne macht. Wir können uns dafür entscheiden, dass niemand allein stehen muss. Wir können uns dafür entscheiden, zusammenzustehen."

Liebe auf den Straßen, Rosen in den Händen

Und dann ziehen 200.000 Menschen durch Oslo, denken an die Opfer, trauern, suchen Trost, sprechen sich Mut zu. Und setzen mit Rosen und Kerzen in den Händen der Wahnsinnstat eines Einzelnen ein Zeichen entgegen, das beindruckender nicht sein könnte. "Heute sind unsere Straßen mit Liebe gefüllt", ruft der Kronprinz ihnen zu. Das ist nicht nur bemerkenswert, das ist großartig. Es ist die Reaktion einer Gesellschaft, die Haltung zeigt. Ein Zeichen für Demokratie, Toleranz und Einigkeit.

"Jeder einzelne Tote ist ein unersetzlicher Verlust. Zusammen bedeuten sie eine nationale Tragödie": Ministerpräsident Jens Stoltenberg.

"Jeder einzelne Tote ist ein unersetzlicher Verlust. Zusammen bedeuten sie eine nationale Tragödie": Ministerpräsident Jens Stoltenberg.
(Foto: dpa)

Ein Zeichen gegen das Böse, das Menschen töten kann, "aber niemals ein ganzes Volk besiegen", wie der Ministerpräsident sagt, der persönlich mehrere Opfer kannte. Das klingt groß, aber Jens Stoltenberg sagt das ohne Pathos. Und er meint es ernst. Er trauert. "Jeder einzelne Tote ist ein unersetzlicher Verlust. Zusammen bedeuten sie eine nationale Tragödie." Aber er beschwört die Freiheit, nicht die Vergeltung. Er zeigt Schwäche, er spricht mit belegter Stimme, er kämpft mit den Tränen. Er gibt keine schnellen Antworten, sucht gar nicht erst danach. Deswegen glauben die Menschen ihm, die 200.000 in Oslo und die vielen in den anderen Städten, die auf die Straßen gehen. Er zeigt allen, die jetzt schnelle Lösungen präsentieren und schärfere Gesetze fordern, was Haltung ist. Aber das tut in Norwegen eh niemand. Dafür aber in Deutschland.

Parteipolische Reflexe, stereotype Forderungen

Hans-Peter Uhl zum Beispiel, innenpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, will die Menschen besser überwachen und nutzt das Massaker in Norwegen, um in der "Passauer Neuen Presse" zu fordern, die Vorratsdatenspeicherung wieder einzuführen. "Im Vorfeld muss die Überwachung von Internetverkehr und Telefongesprächen möglich sein. Nur wenn die Ermittler die Kommunikation bei der Planung von Anschlägen verfolgen können, können sie solche Taten vereiteln und Menschen schützen." Und er weiß natürlich ganz genau: "In Wahrheit wurde diese Tat im Internet geboren", wie er dem Deutschlandfunk sagte. Rainer Wendt, Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, unterstützt ihn dabei. Bernhard Witthaut von der Konkurrenzorganisation Gewerkschaft der Polizei sprach sich schon am Abend des 22. Juli dafür aus, eine Datei mit auffälligen Personen einzurichten. Bayerns Justizministerin Beate Merk hält die Vorratsdatenspeicherung für unverzichtbar, Joachim Herrmann, ihr Kollege im Innenministerium schlägt vor, "diese Interneteinträge noch aufmerksamer zu verfolgen".

Wir wissen nicht, was sich Politiker und Funktionäre dabei denken, wenn sie so etwas sagen. Wir wissen noch nicht einmal, ob sie sich etwas dabei denken, wenn sie jede noch so schreckliche Gelegenheit nutzen, um das zu tun, was sie viel zu oft tun: reflexartig zu reagieren und kleingeistige Parteipolitik zu machen. Wenn überhaupt, vertreten sie Positionen. Eine Haltung ist das nicht. Der Kronprinz hat übrigens noch etwas gesagt: "Nach dem 22. Juli gibt es keine Ausrede mehr für den Kampf um eine freie und offene Gesellschaft."

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Kommentare
ML schreibt:
26.07.2011 13:09

Ein sehr guter Kommentar, der es genau trifft. Deutsche Politiker machen nur Panik und wollen Terror mit unbrauchbaren Maßnahmen kontern. Norwegen reagiert vorbildlich.


Exportchance schreibt:
26.07.2011 13:19

Langsam hab ich den Eindruck, einige Politiker in D wollen nur die Überwachungs-Software in Deutschland erproben, um dann noch enger mit China zusammenrücken zu können


Tommi schreibt:
26.07.2011 13:27

Da sieht man, wie wohltuend es ist, wenn Politiker nicht ihren Reflexen folgen: Nachdenken und zielorientiert handeln. allerdings müssen auch die Norweger noch beweisen, dass es nicht nur bei Worten bleibt....ein konservativer Teil der deutschen Politik hat da leider schon versagt!


Stefan Halbscheffel schreibt:
26.07.2011 13:34

Was für ein toller Kommentar. Die Politiker, die nun wieder schärfere Gesetze wollen, glauben auch sicher noch, dass die Eisenbahn Teufelswerk ist, so wie sie versuchen dem Internet immer alle Schuld zu geben. Ist ja auch einfacher und man braucht sich um Nichts mehr zu bemühen. Alle Achtung vor den Norwegern!


Miraculix schreibt:
26.07.2011 13:45

Hut ab vor den Norwegern! Im Gegensatz zu unseren dumpfbackigen Law-and-order-Politikern und Polizei-Gewerkschaftlern, die eine Totalüberwachung der Bürger à la 1984 fordern, entscheiden sie sich für eine menschliche Gesellschaft. Merke: maximale Sicherheit gibt es erst, wenn alle in einer Zelle sitzen!


ulus schreibt:
26.07.2011 13:47

Haben wir nicht schon genug Erfahrung mit staatlichen Organisationen, die mehr oder weniger heimlich Bürger überwachen? Wehret den Anfängen. Lieber frei und gefährdet als abgehört und bespitzelt.


KB schreibt:
26.07.2011 13:50

Ein sehr passender Bericht.


Tomtom schreibt:
26.07.2011 13:50

Dieses Lagerdenken bringt leider niemanden weiter. Für die einen ist Freiheit das höchste Gut, und die Sicherheits-Anhänger die Bösen. Für die anderen ist es genau umgekehrt. Die Wahrheit liegt wie so oft in der Mitte: Freiheit und Sicherheit schließen sich nicht aus, sondern bedingen einander sogar. Welche Freiheit ist das, wenn ich nicht mehr ohne Angst vor die Haustür treten kann? Die Freiheit, mich zuhause zu verstecken? Und welche Sicherheit ist es, wenn ich mich auf Schritt und Tritt verfolgt fühlen muss? Die Sicherheit, dass ich keinerlei Privatsphäre mehr habe? Der Unterschied zwischen Deutschland und Norwegen mag vielleicht sein, dass diese Schubladen dort vielleicht nicht so verbreitet sind. Ich lese aus den Worten des Autoren hier leider nur, dass er genauso mit Vorurteilen beladen ist wie die Poltiker-Kaste, die er so verteufelt.


Topexperte schreibt:
26.07.2011 13:55

Wir leiden unter einer Inflation an Experten und inkompetenten Politikern. Sobald etwas auf dieser Welt passiert, sind selbsternannte Experten zur Stelle und erklären das, was sie nicht wissen. Peter Unstinov sagte einmal: Wir sollten das, was wir nicht wissen, für uns behalten. Dies stünde auch jenen Politikern gut zu Gesicht, die, ohne groß nachzudenken, immer mit Pauschalforderungen für mehr Überwachung und gegen Freiheit und Demokratie leichte Beute für Terroristen sind.


Norbert Krüger schreibt:
26.07.2011 13:57

Warum können unsere Politiker ihre parteipolitischen und machtbesessenen Profilneurosen nicht wenigstens solange für sich behalten, bis dem norwegischen Volk ausreichend Zeit für diese vorbildliche und rührende Art der Trauer gegeben worden ist. Wir Deutschen sollten dort lieber einmal ganz genau hinsehen, diese überwältigenden Bilder auf uns wirken lassen und mal darüber nachdenken, uns davon eine ganz große Scheibe abzuschneiden. Dann würden wir nicht nur auf Partys wie Fußballfanmeilen, sondern auch in ernsteren Situationen vielleicht mal das Bild vom besseren Deutschland nach außen tragen. Ich habe allergrößten Respekt vor dem norwegischen Volk und deren Repräsentanten.


Ivanuschka schreibt:
26.07.2011 14:01

Was soll man von Politikern erwarten, die geistige Kinder des 19. Jahrhunderts sind? Was soll man von Politikern erwarten, die nicht verstehen, was das Internet ist? Was soll man von Politikern erwarten, die sich selbst stolz konservativ nennen? Dasselbe, wie von einem Schüler, der nichts lernen will, weil er meint, er wisse schon alles. Das Internet ist ein Medium vielleicht DAS Medium der Menschheitsgeschichte! - und nicht die zentrale Erziehungsanstalt der Gesellschaft! Menschen werden nur in einer friedlichen, toleranten, demokratisch geprägten Umgebung auch zu ebensolchen Individuen. Erst diese paranoiden, kontrollsüchtigen Forderungen aus der konservativen Ecke fördern paranoide, radikal-konservative Weltbilder wie die eines Anders Breivik. Danke, Herr Giannakoulis!


Peter Kramer schreibt:
26.07.2011 14:15

Das norwegische Volk verdient in diesen Tagen den vollen Respekt aller, die die Freiheit lieben. Rosen statt Hass ist ein starkes Signal für den Rest der Welt. Freiheit gilt es allerdings jeden Tag mit friedlichen Mitteln zu verteidigen. Dabei kann helfen, endlich Computer-Spiele rigoros zu verbieten, die das Töten von Lebewesen zum Spielinhalt machen. Denn neben kranken Hirnen vereint die Täter von Oslo, von Erfurt, von Winkenden, von Oklahoma-City etc. die Tatsache, daß alle Täter zuvor am Computer das Töten ausgiebig geübt haben. Aber nicht nur die Anwender, sondern auch die Entwickler und Vertreiber solcher Computer-Spiele gilt es aufzuklären, anzuzeigen, zu verurteilen und zur Not auch der Freiheit zu berauben.


ACPK schreibt:
26.07.2011 14:21

Sehr starker Kommentar! Üblicherweise kommentieren Sie ja Sportsachen, vornehmlich Fussball - und auch hier meist sehr reflektiert und nicht massenmeinungsorientiert. Ich würde es begrüßen, wenn Sie mehr solcher Komentare schreiben würden vielleicht auch eine Kolumne?!


dirkr schreibt:
26.07.2011 14:27

danke für diesen sehr schönen Beitrag. Sehr zutreffend, was Sie geschrieben haben. Diese übertreibenen Reaktionen zeigen wieder ein Mal, mit was für einem Schlag Politikern wir es zu tun haben. Zum Glück trifft das nicht auf alle zu und einige sind doch etwas vernunftbegabter als andere.


troll schreibt:
26.07.2011 14:28

Was mich auch betroffen macht, ist diese Pseudo-Betroffenheit deutscher Politiker. Beispielsweise Sigmar Gabriel vor der norwegischen Botschaft, wo er etwas von Anschlag auf die norwegische Sozialdemokratie und wir müssen das wir Großveranstaltungen immer mehr schützen müssen Konzerte, Fußballspiele,... erzählt und vor allem die Sozialdemokratie als Opfer sieht. Kann er da nicht einfach seine Klappe halten und sich mal nicht in Szene setzen? Ich finde solch ein in Szene setzen und seine Wichtigtuerei unangebracht und respektlos. Natürlich wollte der Attentäter auch die norwegische Sozialdemokratie treffen, aber die gesamte Gesellschaft Norwegens ist Opfer. Selbst Siv Jensen Fremskrittspartiet = Rechtspopulisten und Erna Solberg Høyre = Konservative haben gesagt, dass im Moment alle AUFler also Jusos sind. 150000 Menschen versammeln sich in Oslo und trauern um die Toten, aber feiern zugleich demonstrativ ihre Werte. In Mitten der Menschenmassen stehen norwegische Spitzenpolitiker mit ihren Familien und ohne sichtbare Bodyguards. Solche Gesten spiegeln wahre Anteilnahme und Betroffenheit wider. Ich wohne als Deutscher in Norwegen und kann sagen: Die norwegische politische Kultur ist eine andere. Sie steht überwiegend für Zusammenhalt statt Ausgrenzung. Und es wird sachlich gestritten und parteipolitische Reflexe wie sie die deutsche politische Kultur dominieren sind eher selten. Die norwegische Sozialdemokratie und die SPD in Deutschland trennen Welten. Während die SPD heutzutage für Sozialabbau und Hartz IV und das Ende des Wohlfahrtsstaates steht, steht die Arbeiderpartiet für eine inkludierende Politik, die Menschen am Rande der Gesellschaft mitnehmen und nicht ausschließen will. In jenem Land zahlt die überwiegende Mehrheit gerne ihre hohen Steuern, weil sie wissen, dass dies letztendlich die Gesellschaft in Form eines hohen Wohlfahrtsstandards wieder zu gute kommt.


Markus schreibt:
26.07.2011 14:30

jetzt wieder nach der Vorratsdatenspeicherung zu rufen ist sicher nur Polemik. Wir haben genügend Möglichkeiten den Terrorismus zu bekämpfen. Sollte ein zwingender Verdacht bestehen, so kann die Polizei bereits heute auf umfangreiche Möglichkeiten der Überwachung zurück greifen. Ich ziehe meinen Hut vor dem norwegischen Volk.


Pesi schreibt:
26.07.2011 14:44

Mein Respekt geht an das norwegische Volk! Unsere Politiker wollen nach Fukushima und jetzt nach Oslo wieder irgendwelche Debatten einführen weil sie selber nicht in der Lage sind eine Nation zu führen was sie können sind nur von ihren eigenen Problemen abzulenken.


jam schreibt:
26.07.2011 14:51

Ich hoffe das immer mehr Leute zwischen den Zeilen lesen was diese Politiker wirklich fordern, es geht am Ende doch um die unbegrenzte Speicherung von Verbindungsdaten um u.a. Bewegungsprofile zu erstellen, das mag im Einzelfall wirklich sehr lobenswert und nützlich sein, aber hier werden die Weichen dafür gestellt das man gleich ein ganzes Volk unter Generalverdacht stellt. Es mag für einige immer noch lächerlich anmuten, aber wir gehen mit großen Schritten in Richtung von Big Brother Orson Welles und geben damit gleich beim einschalten des Computers u.a. unser Grundrecht auf freie Meinungsäußerung ab, denn wer nicht auf beiden Augen blind ist wird sich ja ausmalen können was mit Leuten passiert die eine eigene Meinung vertreten. Ich stimme einem der Vorredner vorbehaltlos zu, wir bewegen uns zumindest im Internet rasend schnell auf Chinesische Verhältnisse und wer glaubt das es in Deutschland keine Internetzensur gibt sollte u.a. mal google anfragen nicht über .de sondern einem anderen Land seiner Wahl treffen und sich selber ein Bild machen und ich rede hier nicht von mehr als fragwürdigen Inhalten wie Kinderpornografie oder Rechtsradikale Inhalten.


Flo schreibt:
26.07.2011 14:53

Wahnsinn, ich hätte kaum geglaubt dass in Deutschland noch ein Medium es wagt sowas anzusprechen. Respekt!


Tomtom schreibt:
26.07.2011 14:58

Ich möchte meinem Vorredner / -schreiber ACPK doch in aller Höflichkeit widersprechen, dass die Beiträge des Autoren nicht massenmeinungsorientiert seien. Gegen die Regierung Position zu beziehen hat noch meistens Zustimmung in der Bevölkerung erhalten. ;- Wie man an den Kommentaren sieht, entspricht der Beitrag sehr wohl der vox populi. Es ist ja auch gar nichts dagegen einzuwenden, wenn ein Journalist dem Volk aufs Maul schaut - Politiker tun es selten genug, wenn nicht gerade Wahlen anstehen. Wenn der heilige Datenschutz bedroht scheint, wird beim Durchschnittsdeutschen viel eher der Beißreflex ausgelöst als in anderen Ländern - vermutlich historisch bedingt. Und auch das ist gut so, dass wir hier besonders vorsichtig sind. Wir sollten aber auch vorsichtig sein mit unseren Wünschen - sonst könnte es sein, dass diese im Wortsinn in Erfüllung gehen. Die unbegrenzte Freiheit des Einzelnen im Zweifelsfall des Stärkeren erlebt, wer einmal einen failed state besucht. Das will sicher niemand hier, und zum Glück ist das ja auch nirgends in Europa der Fall. Wir sollten nur nicht so naiv sein zu glauben, innere Sicherheit wäre eine Selbstverständlichkeit.


Frank schreibt:
26.07.2011 15:30

Toller Kommentar! Und tolle Kommentare der Leser! Selten so viel sinnvolles gelesen. Einfach toll, was die Norweger aus dieser Tragödie machen. 200.000 füllen die Straßen Oslos mit Liebe, da fehlen mir weitere Worte. Denkwürdig für alle Menschen. Im Unglück lernt man, im Glück gönnt man sich eine Lernpause.


Martin_M schreibt:
26.07.2011 15:30

Ich finde es wichtig, wie in Norwegen die Gemeinschaft zu betonen und zu leben, und nicht unbedingt jeden auszugrenzen. Wenn ich in Deutschland die Berichte der Presse lese geht es immer um Ausgrenzung Anderer, statt um ein gemeinsames Vorwärts. Da werden aus den geringsten Unterschieden Haß- und Neidartikel konstruiert und kampagnenartig verbreitet. Die eigentlich Betroffenen und Benachteiligten haben davon gar nichts. Warum also nicht die Haltung in Norwegen als Beispiel nehmen und uns entsprechend verbessern zu starken, mutigen und charakterfesten Menschen, die auch unter Druck nicht ihre Mitmenschlichkeit vergessen, sondern zu einander stehen.


Stefan schreibt:
26.07.2011 15:49

Ich stimme Ihrem Kommentar zu, nur bin ich dieses ständige deutsche Politiker bashen auch langsam leid. Wir sind nicht direkt betroffen, doch schauen sie mal die deutschen Medien in den letzten Tage an, die sofort die Möglichkeit solcher Taten hier nachfragen. Auch darauf müssen die bösen Politiker eine Antwort parat haben, sonst wird ihnen von den Medien wieder Planlosigkeit vorgeworfen. Und auch wenn die momentane Reaktion in Norwegen menschlich vorbildlich erscheint: Sobald die überwältigende Trauer etwas abgeklungen ist geht auch dort das schwarze Peter Spiel los und die Fragen nach Booten, Hubschraubern und Versagen von irgendwelchen Behörden werden dort thematisiert werden. Und, wie man sowas in Zukunft verhindern kann - was freilich leider unmöglich ist.


Martin Stein schreibt:
26.07.2011 16:14

Ironischer Kommentar, bitte nicht als Missachtung verstehen!! Ich finde man sollte den Schiffsverkehr in Deutschland besser überwachen, den der Attentäter hat ja ein Boot benutzt. Ernsthaft: Genau auf diesen Niveau argumentieren unsere D Politiker. Es ist einfach nicht mehr auszustehen, wie Sie Ihre Parteipolitischen Interessen bei solchen riesiegen Katastrophen versuchen an den Mann zu bringen. Die Frau Merkel hat noch genau vor einen halben Jahr gesagt: MultiKulti ist gescheitert und heute erzählt Sie was von zusammenleben. Diese Frau ändert Ihre Meinung nach jeder Windrichtung wie beim Atomausstieg. Ich finde wie brauchen Politiker wie Herr Stoltenberg!! Offen und demokratisch und nicht wie Merkel und Günter Beckstein. Ich wünsche den Familien alles Gute und das Sie die Schmerzen gelindert werden. Meine Hochachtung an die Familien!!!!!


Wolfmann schreibt:
26.07.2011 16:25

Ein SEHR guter Kommentar! Nur so, wie es uns die Norweger vormachen, können wir mit derartigen Wahnsinnstaten von Terroristen umgehen. Über unsere Politiker bin ich mal wieder empört: Obwohl bisher solche Menschen verachtenden Taten ausschiesslich von der rechten Szene verübt wurden auch in den USA übrigens setzen unsere rechten Politiker linken und rechten Terror in ihren Stellungnahmen auf eine Stufe! Und noch etwas: Wie Anschläge in Moskau und anderen russischen Städten gezeigt haben, kann selbst ein Überwachungsstaat wie Putins Russland solche Massaker nicht verhindern! Was zeigt deutlicher, dass die von Uhl & Co. geforderten Massnahmen zur Überwachung der Bürger nichts ausrichten können.


Reiner Janssen schreibt:
26.07.2011 16:30

So definiert sich Deutschland...... Wirklich furchtbar diese Schlauheit unserer Politiker!


parker schreibt:
26.07.2011 17:13

Erstklassig! Ein großes Lob


Lutz schreibt:
26.07.2011 17:25

Die üblichen Verdächtigen - das böse Internet ist an allem schuld. Stimmt, wenn man sich die rechtsextremen Hasssites a la PI anschaut. Und wenn man dann da liest, wie diese Leute die Opfer verhöhnen. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Leute von der CDU/CSU machen seit Jahren front gegen Multikulti, gegen alternative Lebensentwürfe, gegen Soziale Gerechtigkeit, gegen Links. Da brauchen sie sich nicht zu wundern, das diese Hasssites so einen großen Zuspruch finden, immerhin wird ihnen nur das nachgesprochen, was sie selbst verzapft haben. Nun wird wieder danach gebrüllt, das ganze Volk unter Generalverdacht zu stellen. Stattdessen sollten die Herren mal darüber nachdenken, rechtsextremen Parteien und Gruppierungen die Grundlagen zu entziehen. Wie wäre es mit einem Verbot von Naziparteien? Wie wäre es damit, Rechte Aufmärsche ganz zu verbieten und wenn dies nicht geht, mit strengsten Auflagen zu versehen? Wie wäre es damit, anstatt Gegendemonstranten - so wie in Dresden - strafrechtlich zu verfolgen, diese für ihr Engagement öffentlich zu loben? Und wie wäre es damit, rechtslastige Sprüche in den eigenen Reihen zu unterbinden? Wie wäre es mit strafrechtlichem Vorgehen gegen die geistigen Brandstifter a la Sarrazin, Broder, etc?


Eike schreibt:
26.07.2011 18:28

Was meine Vorredner sagten. Nur eins fehlt - ein Hinweis hierauf: http://www.datenschutz-praxis.de/fachwissen/fachnews/norwegen-beschliest-vorratsdatenspeicherung-2013-tschechien-hebt-sie-auf


A. Grant schreibt:
26.07.2011 19:01

Sehr guter Kommentar, vielen Dank.


Bingo schreibt:
26.07.2011 19:02

Ein journalistisches Juwel, dieser Kommentar! Daher sehr selten. Sachlich, aber kritisch. Und mutig genug, Namen zu nennen. Sie, Herr Giannakoulis, erfüllen die ureigenste Aufgabe des Journalismus. Ich wünschte, Ihre Zunft verliehe Ihnen einen Preis, um Ihnen den Rücken zu stärken!


singerl schreibt:
26.07.2011 19:18

Der reflexartige Schrei nach Waffen abschaffen wäre von der entsprechenden politischen Klientel in Deutschland überlaut. Der Täter schuld? Bei uns schon lange nicht mehr. Tatmittel verbieten für alle die sowas haben und sich brav damit verhalten - das ist alles was deutscher Politik noch einfällt. Gesetze ändern weil sich jemand nicht an die Gesetze gehalten hat. An die Geänderten wird sich dann ja bestimmt gehalten werden. Oder so... Hauptsache das Wahlvieh glaubts.


Roger schreibt:
26.07.2011 20:25

Ein hervorragender Kommentar. Leider tifft dies nicht auf die Haltung der deutschen Politiker zu. Die zeigen einmal mehr ihre Ohnmacht.


pusztapunk schreibt:
26.07.2011 20:40

Grandioser Kommentar. Vielen Dank dafür!


uwe schreibt:
26.07.2011 22:16

Klasse Kommentar, nur leider sind wir hier in Absurdistan und die genannten Idioten der C wie Zukunftspartei und angeschlossener Lobbyisten werden es nie begreifen. Da sollten wir es mit Brecht halten. Das Volk hat das Vertrauen der Regierung verscherzt. Wäre es da nicht doch einfacher, die Regierung löste das Volk auf und wählte ein anderes? Bürger wehrt euch!!!! Alle erdenkliche Anteilnahme nach Norwegen. Das verwunderliche ist nur bei all den täglichen Irrsinn das es nicht noch viel mehr solcher Wahnsinnstaten gibt und es leider immer wieder die falschen trifft.


Carlos schreibt:
26.07.2011 22:32

Diesen stupiden deutschen Politikern geht es um den perfekten Überwachungsstaat. Frau Merkel hat die Papiere von drüben mitgebracht und vieles ist schon umgesetzt worden. Gut, das sich Autoren und Bürger wehren.


Detlef Rausch schreibt:
27.07.2011 02:33

Die einzigen wirklich wichtigen Daten, die man nicht nur speichern sondern vor allem erstmal öffentlich erfassen sollte, sind die von den geheimen Bankkonten in Liechtenstein und der Schweiz. Aber da diese in der Regel auch den ehrenwerten Politikern und Wirtschaftsbossen gehören, ist sowas natürlich tabu.


Silke schreibt:
27.07.2011 09:36

Norwegen geht den Weg der Liebe und das ist unsere Zukunft. Ein einmalig schöner Kommentar, der auf den Punkt bringt, wie Frieden gelingen kann und was es hierfür braucht: LIEBE! Danke.


Manfred schreibt:
27.07.2011 10:12

Endlich mal ein Kommentar der mutig ist und von echten journalistischen Geist zeugt ! Ich wünsche mir mehr von solchen Kommentaren, die aufzeigen, dass der Verfasser sich auch mal echte Gedanken um ein Thema macht. Hoffen wir mal, dass das Vitamin B der angesprochenen Reflex-Funktionierer nicht so weit reicht, dass der Kommentator in der Zukunft mundtot gemacht wird.