Politik
Der Täter in den Händen der Polizei - zu spät.
Der Täter in den Händen der Polizei - zu spät.(Foto: dapd)
Mittwoch, 04. April 2012

Tiefschlag für Deutschland: Polizei hat beschämend versagt

ein Kommentar von Thomas Schmitt

Nein, man muss es klar sagen: Was in Emden passiert ist, ist einfach nicht zu fassen. Da helfen kein Wenn und Aber, kein Gerede von Aufklärung und auch keine stereotypen Entschuldigungen. Die Polizei gibt ein desaströses Bild ab.

Nichts ist schlimmer als gespielte Empörung. Aus jeder Mücke einen Elefanten zu machen, wird meist den wirklich tragischen Geschehnissen nicht gerecht. Im Mordfall Lena nun darf es, muss es Empörung geben. Über eine schluderige Polizei, über Nachlässigkeit, grobe Fahrlässigkeit. Das muss man sich vorstellen: Im Fernsehen laufen Werbespots  für Therapieangebote, die Männer nutzen können, wenn sie fühlen, dass sie eine sexuelle Neigung zu Kindern haben – aber eben kein Täter werden wollen. Anonymität wird versprochen, Hilfe angeboten. Ein gutes, ein richtiges Angebot. Und in Emden? Da läuft ein junger Mann in eine Polizeiwache und berichtet von seinen Neigungen – und damit von seiner Angst vor sich selbst. Eine Angst, die so groß sein muss, dass er sich nicht anonym irgendwo outet, sondern sogar eine Festnahme riskiert. Und was passiert? Nichts. Die Akte landet irgendwann, irgendwo, irgendwie bei Polizisten, die sich nicht darum kümmern. Sogar ein Hausdurchsuchungsbefehl wird ignoriert. Letztlich hätte der Sexualmord wohl verhindert werden können.

Das ist ein Schock für alle, die immer noch an die "Freund und Helfer"-These glauben. Es ist ein Hemmnis für alle, die pädophil sind und sich helfen lassen würden. Es ist der Offenbarungseid einer Behörde. Und was auch immer bei der angekündigten "umfassenden Aufklärung" herauskommt: Es wird nicht akzeptabel sein. Hier müssen Konsequenzen her.

Dazu kommt: Kurz vor der Horror-Nachricht über ihre Versäumnisse in Sachen Prävention beklagen die Beamten eine mediale Tempomacherei auf ihre Arbeit. Ja, es stimmt: Durch das Internet ist Berichterstattung viel schneller geworden, der Druck steigt. Nachrichten finden nicht mehr im Tagestakt, sondern im Stundentakt statt. Doch jetzt kommt das Aber: Auch Online-Medien machen das nur, wenn sie Quellen haben. Und davon gab es während der Ermittlungen in Emden einige. Und zwar aus den Reihen der Ermittler. Noch vor den offiziellen Pressekonferenzen wurden immer wieder Details verraten, die die Medien anheizten. Aus welchem Grund heraus? Um einen 200-Euro-Schein zu kassieren? Oder um mal wichtig zu sein? Das bleibt offen. Klar aber ist: Polizei und Staatsanwaltschaft haben hier kein Recht, sich als gehetztes Tier darzustellen, wenn sie ihren eigenen Stall nicht sauber halten können.

Man kann die Entschuldigungen jetzt schön hören: zu viel Bürokratie, zu viel Belastung. Überstunden, zu wenig Personal. Das mag teilweise stimmen. Die Wahrheit aber ist auch: Selbst in einem Polizeirevier, in dem die Tapete von der Wand fällt, muss ein junger Mann, der eine solche Neigung preisgibt, absolute Priorität haben.

Quelle: n-tv.de

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