Politik

Zwischenruf: Rechtsruck in Finnland

ein Kommentar von Manfred Bleskin

Der Triumph der "'Wahren' Finnen" ist Teil des Vormarschs rechtsgerichteter, nationalistischer und rassistischer Parteien von Rumänien und Ungarn über Italien, Frankreich und Belgien bis in den hohen Norden. Und er kann sich als ernstes Hindernis für das Krisenmanagement der EU erweisen.

Der rechtsgerichtete Finne Soimi kann der EU schwer zu schaffen machen.
Der rechtsgerichtete Finne Soimi kann der EU schwer zu schaffen machen.(Foto: dpa)

Schon der Parteiname ist anmaßend: Wenn die 19 Prozent der Wähler, die den Rechtspopulisten des Timo Soimi ihre Stimme gaben, die "'Wahren' Finnen" sind, können die restlichen nur die 'falschen' Finnen sein. Manche sind auch gar keine, sondern Schweden. Und das ist eine ihrer Forderungen. Das Schwedische, in der Verfassung als zweite Amtssprache festgeschrieben, soll nicht mehr Pflichtfach sein. Das zeugt nicht nur von grobem Nationalismus gegen die Finnlandschweden mit ihrem knapp sechsprozentigen Anteil an der Gesamtbevölkerung, sondern auch von ziemlicher Dummheit: Das zur finno-ugrischen Sprachfamilie gehörige Finnisch wird außerhalb des Landes nicht verstanden. Das Schwedische hingegen ermöglicht eine problemlose Kommunikation mit allen anderen skandinavischen Ländern. Apropos: Den Löwenanteil am Zuwachs der "'Wahren' Finnen" geht auf das Konto wenig gebildeter, junger männlicher Wähler auf dem Lande.

Nach Dänemark, Norwegen und Schweden – um nur in Nordeuropa zu bleiben – zieht damit nun auch in Suomi eine Partei ins Parlament ein, deren Hauptstoß gegen die Europäische Union, den Euro und Ausländer zielt. Wie andernorts auch, ist dies auch auf die schleichende Erosion des skandinavischen Wohlfahrtsstaates sozialdemokratischer Provenienz zurückzuführen. Paradoxerweise war es die skandinavische Sozialdemokratie selbst, die – wie in Deutschland – mit dem Übergang zum Neoliberalismus an dem Ast sägte, auf dem sie saß.

Die zweitplatzierten finnischen Sozialdemokraten sind nun sogar bereit, gegebenenfalls mit dem Soimi-Verein zu koalieren, was den Linken neue Wähler zuführen dürfte. Der Linksbund konnte seinen Anteil schon jetzt leicht erhöhen. Die Grünen verloren Stimmen wegen ihres Einknickens in der Atompolitik. Als wahrscheinlichste Koalition gilt ein Dreierbündnis der Sozialdemokraten und der Rechten mit der konservativen Nationalen Sammlungspartei.

Der Triumph der "'Wahren' Finnen" ist Teil des Vormarschs rechtsgerichteter, nationalistischer und rassistischer Parteien von Rumänien und Ungarn über Italien, Frankreich und Belgien bis in den hohen Norden. Im Unterscheid zu seinen Brüdern im Geiste ist Soimi aber ein erklärter und aktiver Gegner des Euro. Mit seiner Forderung nach Neuverhandlung der Hilfe für Portugal dürfte er sich im Unterschied zu seinen Gesinnungskumpanen als ernstes Hindernis für das Krisenmanagement der EU erweisen.

Manfred Bleskin kommentiert seit 1993 für n-tv das politische Geschehen. Er war zudem Gastgeber und Moderator verschiedener Sendungen. Seit 2008 ist Bleskin Redaktionsmitglied in unserem Hauptstadtstudio in Berlin.

Quelle: n-tv.de

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