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Die Bundesregierung will die Bitte Ankaras um "Patriot"-Raketen "solidarisch prüfen".
Die Bundesregierung will die Bitte Ankaras um "Patriot"-Raketen "solidarisch prüfen".(Foto: dpa)

Zwischenruf: Türkei-Syrien: Deutsche an die Front?

Von Manfred Bleskin

Was sollen deutsche "Patriot"-Raketen an der Grenze zwischen der Türkei und Syrien? Die türkische Armee verfügt selbst über dieses und andere Raketensysteme. Das Argument "Unterstützung bei der Landesverteidigung" ist Unsinn. Das Assad-Regime bröckelt und wäre zu einem Überfall auf die Türkei kaum in der Lage.

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Warum die Türkei ausgerechnet von Deutschland "Patriot"-Raketen anfordert, will sich nicht erschließen. Die Armee des Landes verfügt selbst über Raketen dieses Typs. Wozu also "Patriots" der Bundeswehr? Außerdem verfügt die Türkei über weitere Flugkörper, deren Aufzählung den Rahmen dieses Beitrags sprengen würde. Zudem haben innerhalb der Nato nur die USA mehr Soldaten als das Land Atatürks.

Auch die Begründung ist fadenscheinig. Einen Überfall des Damaszener Regimes braucht der Nachbar nun wahrlich nicht zu fürchten. Die Zeit der Omajaden ist lange vorbei, und der Clan von Baschar al-Assad steht mit dem Rücken zur Wand. Sicher kann es bei Kämpfen zwischen syrischen Regierungstruppen und Aufständischen an der 900 Kilometer langen Grenze nicht nur zu versehentlichem, sondern auch zu gezieltem, Beschuss türkischen Territoriums gekommen sein. Die Rebellen verfügen dort über Rückzugsräume.

Die Türkei gehört zu den aktivsten Unterstützern der Freien Syrischen Armee (FSA). Nach Angaben aus Tripolis sind ihren syrischen Freunden mehrere hundert libysche Freiwillige über die Türkei zu Hilfe geeilt. Da erscheint plausibel, dass Ankara entlang der Grenze eine Pufferzone einrichten will. Mit deutscher Unterstützung, weil Kräfte andernorts gebunden sind?

Zwischen der türkischen Armee und der Milizen kurdischen PKK toben derzeit die heftigsten Kämpfe seit Jahren. Dass die Türkei ihre Truppen dabei nur allzu oft über die Grenze zum Irak überschreiten lässt, hat allenfalls den Protest der - machtlosen - Regierung in Bagdad zur Folge gehabt. Die syrischen Kurdenmilizen arbeiten mit der FSA zusammen, haben einander aber auch schon heftige Gefechte geliefert.

Deutschland sollte sich von dem Kriegsschauplatz fernhalten, in dessen unmittelbarer Nähe weitere Brände lodern. Mit oder ohne Bundestagsmandat. Die gern Bundesaußenminister Guido Westerwelle zugeschriebene Stimmenthaltung zur Libyen-Resolution des UN-Sicherheitsrats wäre nie ohne das Placet aus dem Bundeskanzleramt zustande gekommen. Angela Merkel sollte auch diesmal Vernunft über vorgebliche Bündnistreue siegen lassen.

Manfred Bleskin kommentiert seit 1993 das politische Geschehen für n-tv. Er war zudem Gastgeber und Moderator verschiedener Sendungen. Seit 2008 ist Manfred Bleskin Redaktionsmitglied in unserem Hauptstadtstudio in Berlin.

Quelle: n-tv.de

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