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Angela Merkel und Alexis Tsipras im Kanzleramt.
Angela Merkel und Alexis Tsipras im Kanzleramt.(Foto: imago/CommonLens)

Euroaustritt wäre eine Katastrophe: Warum Merkel alles für Griechenland tun wird

Von Christoph Herwartz

Provokationen, Missverständnisse, ideologische Gräben: Deutschland und Griechenland trennt vieles. Und dennoch wird die Kanzlerin ihr ganzes Gewicht einsetzen, ihrem Kollegen aus Athen zu helfen. Sie kann gar nicht anders.

Was hat Angela Merkel als Bundeskanzlerin eigentlich erreicht? Die Frau wirkt an der Spitze der Regierung unersetzbar. Rund 60 Prozent der Wähler würden sie im Amt bestätigen. Solange sie CDU-Chefin ist, erscheint ihre Partei unangreifbar. Aber was ist der Grund für diesen Erfolg?

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Merkel gibt den Deutschen Sicherheit. Fast alles, was sie tut, zielt auf Stabilität und Berechenbarkeit. Ob bei der Frauenquote oder der Rente, ob in der NSA-Affäre oder der Ukraine-Krise – Merkel scheut offene Konfrontationen. Wo andere radikale Reformen fordern, tritt sie aus Prinzip auf die Bremse und moderiert die verschiedenen Interessen so lange, bis ein Konsens gefunden ist.

Wenn sie am Ende ihrer Amtszeit zurückblicken wird, will Merkel sagen können, dass sie solide gearbeitet hat. Dass sie das Land gut verwaltet hat und keine unnötigen Risiken eingegangen ist. Sie will sicher durch eine unsichere Zeit kommen. Dazu setzt sie auf breite politische und gesellschaftliche Mehrheiten. Und die gibt es nur, wenn sich ihr Kurs nicht ruckartig ändert.

Europa ist ihr heilig

Darum spricht alles dafür, dass sie ihren Kurs auch in Bezug auf Griechenland halten wird. Und das heißt: Sie wird versuchen, einen Austritt des Landes aus der Eurozone zu verhindern. Denn damit wären Risiken verbunden, die schwer zu kalkulieren sind. Wenn Finanzakteure nach einem Grexit gegen Spanien oder Italien spekulieren, könnte der Euro am Ende sein.

Und wenn der Euro scheitert, dann scheitert auch Europa – so sagt es Merkel seit 2010 immer wieder. Europa aber ist ihr heilig. Das sagt sie nicht nur, wenn es ihr gerade taktisch passt. Immer wieder spricht sie davon, wie andere Weltregionen aufsteigen und wie klein die EU im Vergleich dazu ist. Sie will, dass Europa auch in kommenden Jahrzehnten noch eine Rolle spielt. Und darum will sie die EU zusammenhalten. Für ihren Finanzminister Wolfgang Schäuble gilt das im Übrigen genauso, auch wenn er im Moment einen anderen Eindruck macht.

Graccident weiter möglich

Es ist nicht unmöglich, dass Griechenland in den kommenden Wochen oder Monaten die Eurozone verlässt. Denn die deutsche Regierung ist nicht allmächtig. Sie kann nicht erzwingen, dass sich Griechenland mit den Troika-Institutionen einig wird. Sie kann auch nicht handwerkliche Fehler der unerfahrenen Regierung in Athen verhindern, die zu einer versehentlichen Zahlungsunfähigkeit führen würden. Wenn der griechische Finanzminister einen fälligen Kredit nicht bedienen kann, muss er die Pleite seines Landes verkünden. Dann bliebe ihm wohl nichts anderes übrig, als wieder eine eigene Währung einzuführen.

Die Schuld dafür würde aber zumindest zum Teil Angela Merkel anhaften. Immerhin war sie es, die immer wieder darauf bestand, die Spielräume für Griechenland klein zu halten. Sollten die Geschichtsbücher der Zukunft die Währungsunion als eine vergangene Episode der europäischen Geschichte beschreiben, möchte Merkel nicht der Grund dafür sein. Sie wird darum bis zum Äußersten gehen, um Griechenland zu halten.

Quelle: n-tv.de

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