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(Foto: REUTERS)

Person der Woche: IS-Schlächter und Chef-Schleuser 

Von Wolfram Weimer

In Libyen greift ein IS-Führer nach der Macht. Mit grausamer Brutalität bringt er immer größere Gebiete unter seine Kontrolle. Das Geld für seine Terrorregime verdient er als Massen-Schleuser - nur Christen greift er heraus und lässt sie öffentlich hinrichten.

Hassan al-Karami ist der Terrorpate Libyens. Er dirigiert die immer stärker werdende Dschihadisten-Miliz Islamischer Staat (IS) in Nordafrika, und er hat jetzt Sirte erobert. Die strategisch wichtige Hafenstadt liegt in der Mitte zwischen den Metropolen Tripolis und Bengasi. Sie war dereinst die Hochburg von Ex-Diktator Muammar al-Gaddafi. Wer Sirte kontrolliert, der hat einen Schlüssel zu Libyen, zu den Öl- und Gasfeldern und ins massenhafte Schleusergeschäft.  

Die Eroberung Sirtes hat Karami mit besonderer Grausamkeit betrieben. Die gegnerischen Kämpfer der örtlichen Stämme, die sich der Unterwerfung widersetzten, wurden öffentlich enthauptet und demonstrativ an Kreuzen aufgehängt. Das berichtete die Nachrichtenagentur Lana der international anerkannten libyschen Regierung. 

Diese Regierung sieht ihr eigenes Land nun zusehends in die Hände der IS-Terroristen unter Karami fallen und fordert die arabischen Verbündeten verzweifelt auf, Luftangriffe gegen die IS-Miliz im Land zu fliegen. Regierungschef Abdullah al-Thinni wirft dem IS vor, einen Völkermord zu verüben, und ruft die Vereinten Nationen zugleich auf, das 2011 gegen Libyen verhängte Waffenembargo aufzuheben.

Karami nutzt das Machtvakuum in Libyen aus. Dieses ist entstanden, weil sich zwei Regierungen und zahlreiche Milizen gegenseitig bekämpfen. In Libyen herrschen seit dem Sturz Muammar al-Gaddafis im Herbst 2011 Chaos und Gewalt. Nun hat Karami eine Machtbasis just in der Mitte der libyschen Küste und rekrutiert immer neue Kämpfer für seine wachsende Armee.

Nordafrika-Korrespondent Mirco Keilberth berichtet: "Lange glaubten viele Libyen-Experten, der IS könne sich in der von Stammessolidarität geprägten libyschen Gesellschaft nur begrenzt ausbreiten. Doch mit dem wirtschaftlichen Absturz des Landes finden immer mehr junge Männer aus ganz Nordafrika bei den Extremisten das, was ihnen die Gesellschaft nicht mehr bieten kann: ein wirtschaftliches Auskommen und Zusammengehörigkeitsgefühl."

Charismatischer Prediger und geistiger Führer

Zu al-Karami gibt es kaum zuverlässige Quellen. Obwohl er noch jung ist (in den 20ern), hat er bei den Dschihadisten eine hohe Autorität. Nordafrika-Reporter Callum Paton berichtet, das Karami die Massenhinrichtung in einer Predigt in der Rabat-Moschee vor seinen Gefolgsleuten pathetisch angekündigt habe. Er sei ein charismatischer Prediger und geistiger Führer für seine Terrortruppe. 

Karami schloss sich nach dem Sturz Gaddafis sofort der dschihadistischen Gruppe "Ansar al-Sharia" an. Seiner Familie gehörte ein Elektrogeschäft in der Airport Road von Benghasi, das zerstört wurde als herauskam, dass Karmanis Vater die Gruppe "Ansar al-Sharia" mitfinanzierte. Karami radikalisierte hernach und wurde wegen seiner relativ guten Bildung und seiner Redebegabung ein IS-Mufti.

Das Video eines lokalen Fernsehsenders aus dem Jahr 2013 zeigt ihn, wie er die Festnahme des Top-Terroristen Abu Anas al-Libi durch US-amerikanische Spezialeinheiten beklagt und der libyschen Regierung vorwirft, "Ungläubigen" zu helfen.

Karami kann sich seinen Krieg nur leisten, weil er seine Milizen systematisch ins Schleusergeschäft eingestiegen sind und massenhafte Fluchten organisieren. "Der IS verdient in Libyen Millionen mit dem organisierten Menschenhandel", warnen europäische Geheimdienste. Vor Kurzem drohte die Terrormiliz sogar offen mit der Migrationswaffe gegen den Westen: Im Falle einer militärischen Intervention in Libyen werde Europa mit einer halben Million Migranten überflutet, berichtete die britische Zeitung "Daily Mail". Der IS habe demnach angekündigt, die 500.000 Flüchtlinge gleichzeitig in Hunderten Booten auf das Meer zu schicken. In Italien publizierte Transskripte von Telefonaten würden dies belegen. IS plane, erst die Kontrolle in Libyen komplett an sich zu reißen. Anschließend wollen die Terroristen, getarnt als Flüchtlinge, das Mittelmeer überqueren.

Italien: Libyen hat für Europa Priorität

Der italienische Innenminister Angelino Alfano betont darum, dass Libyen für Europa jetzt absolute Priorität haben müsse. Die internationale Gemeinschaft dürfe keine Minute verlieren. "Wenn die Miliz des Kalifats schneller handelt als die internationale Gemeinschaft entscheidet, wie können wir dann das Feuer in Libyen löschen und die Migrationsströme eindämmen? Wir laufen Gefahr, einer noch nie dagewesenen Massenflucht ausgesetzt zu sein", warnt der Minister.

Unterdessen verfolgt al-Karamis Truppe ihren grausamen Glaubenskrieg weiter. Vor wenigen Tagen meldeten Nachrichtenagenturen, dass der libysche IS 88 christliche Eritrea-Flüchtlinge aus einer großen Flüchtlingsgruppe herausgeprügelt und entführt habe. Die Flüchtlingsgruppe sei nach Koran-Kenntnissen überprüft worden, Muslime seien daraufhin nach Europa durchgelassen worden, die Christen würden verschwinden. Meron Estafanos, Mitbegründer der Internationalen Kommission für die Flüchtlinge Eritreas mit Sitz in Stockholm, berichtet, dass auch zwölf christliche Frauen aus Eritrea gezielt verschleppt worden seien. Es wird befürchtet, dass sich eine öffentliche Hinrichtung "Ungläubiger" wiederholt. Vor Kurzem erst hat der IS Libyen mit propagandistisch inszenierten Videos gefangene Christen aus Äthiopien und eine weitere Gruppe koptischer Christen am Stand enthauptet. Karami festigt seinen grausigen Ruf als Terrorfürst, Christenverfolger und Henker - reicher Massenschleuser ist er bereits.

Quelle: n-tv.de

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