Politik
Dienstag, 21. Februar 2017

Person der Woche: Mike Pence - Trumps gefühlter Nachfolger

Von Wolfram Weimer

Der zweitmächtigste Mann der Welt beruhigt Europa und macht Weltpolitik. Er ist das versöhnliche Gegenmodell zum Grobian und steht bereit, sofort zu übernehmen, wenn Trump fällt. Doch wer ist der US-Vizepräsident wirklich?

Donald Trump und Mike Pence sind wie Feuer und Wasser. Wo der eine Amerika zum Knistern bringt, setzt der andere auf klare Kühle und fließende Geschmeidigkeit. Und so löscht der US-Vizepräsident auch auf seiner Europareise erst einmal feuerwehrartig die verbalen Glutnester, die Trump über den Atlantik hinweg entfacht hat.

Mike Pence beschwichtigt dort, wo sein Chef Verunsicherung hervorgerufen hat.
Mike Pence beschwichtigt dort, wo sein Chef Verunsicherung hervorgerufen hat.(Foto: AP)

In seinen Reden von München bis Brüssel nimmt er den verunsicherten Verbündeten die Sorgen vor der Politik des hitzköpfigen US-Präsidenten. "Es ist mir eine Ehre, heute im Auftrag von Präsident Trump zu erklären, dass die Vereinigten Staaten sich der weiteren Zusammenarbeit und Partnerschaft mit der EU verpflichtet fühlen", beschwört er die guten alten Zeiten. Er sendet nach den irritierenden Äußerungen über Nato und EU versöhnliche Signale aus.

Bei allen Differenzen teile man doch dasselbe Ziel. Dies sei die Förderung von Frieden und Wohlstand durch Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. Trump hingegen vertrat die Ansicht, dass die EU gegründet wurde, "um die Vereinigten Staaten im Handel zu schlagen". Den geplanten Austritt Großbritanniens bezeichnete er als eine "großartige Sache", die Nato sei ein Sanierungsfall.

Europas Politiker und Diplomaten baden nun in Erleichterung, als habe Pence soeben den Weltfrieden gerettet. Die FAZ schwärmt: "Mike Pence hat alles, was seinem Chef fehlt: Manieren, Professionalität, Augenmaß." In Washington wird das souveräne Auftreten von Mike Pence auf großen Bühnen schon länger beobachtet. Denn Pence könnte in die Rolle eines Nebenpräsidenten hineinwachsen, zumal seine Macht im Weißen Haus nach dem von ihm erzwungenen Rücktritt des Trump-Sicherheitsberaters Michael Flynn deutlich gestiegen ist.

Ein warmherziger Konservativer

Umfragen zeigen, dass Pence deutlich beliebter ist als Trump. Viele Amerikaner hätten lieber ihn als Präsidenten, die meisten Europäer sowieso. Und so kursieren bereits Spekulationen, dass Pence - sollte Trump über einen Skandal stürzen oder eines Tages einfach nicht mehr wollen - das höchste Amt dauerhaft selber übernehmen könnte. Er ist mit 57 Jahren klar jünger als er aussieht, vor allem aber im idealen Alter für eine eigene Präsidentschaftskandidatur in vier Jahren. Es gibt gute Vorbilder, vom Vize-Job ins Präsidentenamt zu folgen. Historischen Großgestalten wie John Adams und Thomas Jefferson ist das gelungen, aber auch einem George Bush.

Video

Doch wer ist der zweitmächtigste Mann der Welt, den manche bald ganz oben wähnen, wirklich? Selbst politische Gegner beschreiben ihn als kollegial, kompromissbereit und umgänglich. Er ist ein freundlicher Mann der leisen Töne, der für den Poltergeist Trump Brücken ins Parlament und in die Öffentlichkeit bauen kann. Er hat -wie wenige Republikaner - gute Beziehungen zu vielen Demokraten. Er war sogar selber einmal ein Zögling der Jugendorganisation der Demokraten, wählte einst Jimmy Carter und wurde erst in den Achtzigern konservativer und zum Wähler von Ronald Reagan. Er sei kein rechter Ideologe, eher ein warmherziger Konservativer, heißt es in Washington.

Pence entstammt einer liberalen, irisch-katholischen Familie. Sein Großvater kam 1923 aus Irland nach Chicago und wurde dort Busfahrer, sein Vater war Kriegsveteran im Koreakrieg und stieg zum Manager einer Ölfirma auf. Die Familie war begeistert vom katholischen Präsidenten Kennedy.

Pence bleibt ruhig und höflich

Die Religiosität ist ein tiefes Wesensmerkmal von Pence. Als Kind ging er täglich in den Gottesdienst, als Jugendlicher war mit seinen drei Brüdern regelmäßiger Messdiener, noch als Student liebäugelte er mit dem Priesterberuf. Seine Frau Karen brachte ihn zur Evangelikalen-Bewegung, Pence wechselte die Konfession, blieb aber tief christlich bewegt. Und so nahm er in München nach seinem Besuch im KZ-Dachau auch an einem einstündigen Abendmahlsgottesdienst der dortigen Evangelischen Versöhnungskirche teil. Der Gottesdienst wurde von Kirchenrat Björn Mensing und Diakon Klaus Schultz gehalten. Pence habe "hoch konzentriert und voller Andacht" auf eigenen Wunsch hin als "normaler Gottesdienstbesucher" mitgefeiert, sagte Mensing hernach beeindruckt.

Politisch führte ihn seine religiöse Überzeugung auch zum Engagement gegen Abtreibungen und gegen gleichgeschlechtliche Ehen. Diese Positionen machten ihn als Gouverneur des Staates Indiana zum Feindbild für die LGBT-Community. Hinter der Abkürzung verbergen sich die Begriffe "Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender". Deren Aktivisten hassen Pence mehr noch als Trump, der auf dem Republikaner-Parteitag verkündete: "Ich werde alles in meiner Macht Stehende tun, um unsere LGBT-Bürger vor Gewalt und Unterdrückung einer hasserfüllten ausländischen Ideologie zu schützen."

Die Ovationen, die darauf folgten, schienen Trump selbst zu überraschen. "Ich muss schon sagen, es ist für einen Republikaner so schön, euch zu dem jubeln zu hören, was ich gerade gesagt habe", sagte er, vom Redetext abweichend. Pence jubelte dabei nicht mit. Und als er später am Broadway das Musical "Hamilton" anschaute, beschimpften ihn die Schauspieler von der Bühne herab. Doch Pence wird auch bei derartig schrillen Protesten nie ausfällig. Er bleibt ruhig und höflich. Das Gegenteil von Trump eben. Und vielleicht eines Tages dessen Nachfolger.

Quelle: n-tv.de

Themenseiten Politik
Empfehlungen