Politik
Montag, 14. November 2016

Steinmeier soll Präsident werden: "Deutschland braucht einen Anti-Trump"

Was Deutschland in diesen Zeiten braucht, ist ein Gegenpol zum Populisten Trump - darin ist sich die Presse einig. Ob sich die Union einen Gefallen tut, den SPD-Präsidentschaftskandidaten Steinmeier zu unterstützen, darüber gehen die Meinungen auseinander.

Was Deutschland in diesen Zeiten braucht, ist ein Gegenpol zum Populisten Trump - darin ist sich die deutsche Presse einig. Ob sich die Union einen Gefallen getan hat, den SPD-Präsidentschaftskandidaten Steinmeier zu unterstützen, darüber gehen die Meinungen jedoch auseinander.

Die Einigung von CDU/CSU und der SPD wertet die Berliner Zeitung als positives Zeichen: "Erst einmal ist diese Entscheidung - jenseits aller Parteitaktik - ein Signal der Handlungsfähigkeit der Politik in Richtung der anschwellenden Populistengesänge, die das ganze System in Frage stellen." Die beiden großen Parteien hätten einen allseits anerkannten Mann aus ihren Reihen vorgeschlagen, der dem Land in aufgewühlten Zeiten Orientierung gebe und das sei "das Gegenteil von Trumpismus."

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Dass Deutschland einen demokratischen Anti-Trump brauche, schreibt auch die Frankfurter Rundschau. Gegenüber Steinmeier zeigen sich die Kommentartoren aber skeptisch: "Ein Staatsoberhaupt, das auch die Sprache der Enttäuschten und Abgehängten spricht, ohne Populismus nach Art der Trumps und Petrys zu betreiben; ein Präsident, der sich als Anwalt gesellschaftlicher Anliegen auch mal gegen den Konsens des Establishments stellt - das muss Frank-Walter Steinmeier noch werden. Ob er es kann, steht in den Sternen."

Die Aachener Nachrichten kommentieren den langwierigen Auswahlprozess, der am Ende zu einem wenig originellen Kandidaten führte: "Die Sache war am Ende schnell klar: Die CSU wollte auf keinen Fall den grünen Kretschmann, die Union hatte keinen aussichtsreichen eigenen Kandidaten, blieb also nur Steinmeier. Ein Glück, dass bei so viel emotionalem Kalkül der bestmögliche Kandidat nun die besten Chancen hat, nächster Bundespräsident zu werden. Das hätten wir früher und einfacher und einvernehmlicher und überzeugender haben können. Was für ein Gedöns ums Schloss Bellevue!"

Der General-Anzeiger aus Bonn hat dazu eine andere Meinung: "Merkel hat eine Fehlentscheidung getroffen". Die CDU gewinne nicht an Profil, "indem sie tut, was ein vermeintlicher Konsens verlangt."

In Halle sieht man in der Zustimmung Merkels eher ein in Kauf nehmen eines kleineren Übels: "Manches spricht dafür, dass Merkel angesichts der internationalen Lage ein schnelles Ende dieses schon zu lange währenden Schauspiels innerdeutscher Machtpolitik gewollt hat. Angesichts der vom Wahlsieg Donald Trumps ausgelösten Schockwellen, hat Merkel ganz andere Probleme zu bewältigen", schreibt die Mitteldeutsche Zeitung.

Zu einer ähnlichen Einschätzung kommen die Kommentatoren von den Badischen Neueste Nachrichten: "Angela Merkel geht kein Risiko ein, verzichtet auf Experimente, zieht mit der CSU an einem Strang und stellt die Weichen für eine Wiederauflage der Großen Koalition, für die es nach einem Einzug der AfD in den Bundestag ohnehin kaum eine Alternative gibt." Eine Kanzlerin Merkel und ein Bundespräsident Steinmeier versprächen in einer Zeit, in der die Welt aus den Fugen geraten ist, Berechenbarkeit, Verlässlichkeit, Sicherheit und Vertrauen.

Zusammengestellt von Vivian Kübler

Quelle: n-tv.de

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