Politik
(Foto: picture alliance / dpa)
Sonntag, 15. November 2015

Kampf gegen Terror des IS: "Es hilft nicht, jetzt von 'Krieg' zu sprechen"

Nach den Anschlägen von Paris ist der "Krieg gegen den IS" in aller Munde. Frankreichs Partner sprechen François Hollande ihre Solidarität aus und wollen ihm im Kampf gegen die Terrormiliz beistehen. Doch wie weit wird die Unterstützung gehen? Wird es gar zu einem Eingreifen der NATO kommen und zum Entsenden westlicher Bodentruppen gegen den IS? Die Presse diskutiert.

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Der Berliner Tagesspiegel vergleicht die Anschläge von Paris mit 9/11. Beides seinen Angriffe auf die Herzen von Großstädten gewesen, bei beiden seien aber auch die Reaktionen ähnlich: "Man müsse den Angreifer vernichten, ihn dort bekämpfen, wo er seinen Ursprung hat. Also den Kampf gegen den IS in Syrien und im Irak führen - bis hin zu Bodentruppen?" Genau davor warnt das Blatt aber und verweist auf die verheerende Bilanz aus dem Irak und Afghanistan: "Beide sind heute labile Staaten, die dem IS regional Zuflucht bieten."

Die Welt plädiert entschieden für eine militärische Intervention des Westens gegen den IS. Krieg bedeute, "ihn an den Ort des Feindes zu tragen - und zwar nicht nur mit halbherzigen Luftschlägen, sondern unter massivem Einsatz der überlegenen westlichen Militärmaschinerie. Das schließt die Bereitschaft zum Einsatz von Bodentruppen ein. Kein Mitglied der westlichen Allianz kann sich von dieser Aufgabe ausnehmen - die Ausrufung des Nato-Bündnisfalles würde dieser Einsicht Nachdruck verleihen." Trotz berechtigter Warnungen vor den immensen Risiken und Kosten eines solchen Eingriffs dürfte nicht vergessen werden, dass nur der Westen in der Lage sei, den IS zu zerschlagen. "Nur durch einen solchen Einsatz kann er auch das Heft des Handelns bei einer Neuordnung Syriens wieder in die Hand bekommen."

Verhaltener gegenüber dem Begriff Krieg zeigt sich hingegen die Stuttgarter Zeitung. "Es hilft nicht, jetzt von 'Krieg' oder besser noch 'Weltkrieg' zu sprechen", erklärt der Kommentator. Auch wenn die Versuchung, dies zu tun, groß sei. "In dem Maße, wie der IS und andere Islamisten bekämpft werden, nimmt die Bedrohung hierzulande erst einmal zu. Auch hier gilt es, kühlen Kopf zu bewahren: Die beste Antwort auf den Terror ist, sein Leben und seine Werte weiterzuleben und trotzig zu verteidigen."

Was sich die Nürnberger Zeitung nach den Anschlägen wünscht ist nicht Aktionismus, sondern "Besonnenheit, die gespannte Aufmerksamkeit und die Fähigkeit zu unterscheiden". Die Lage sei bedrohlich. Doch das Schlimmste, was nach den brutalen Attentaten folgen könnte, wäre, "dass Rechtsextremisten Auftrieb bekommen und ihr Mütchen an den Flüchtlingen kühlen. Dann hätten die Täter von Paris ihre Ziele erreicht."

Die Frage nach den Reaktionen auf die Anschläge sei so alt, wie der 11. September, befindet die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Vielmehr treiben das Blatt die Motive um, die die Terroristen zu ihren Taten treiben. Paris hätte vieles geändert, aber die Ursachen und die Mittel zu ihrer Bekämpfung seien die selben geblieben. "Die Befürchtungen der Sicherheitsbehörden sind wahr geworden, dass eine Mischung aus Milieu, "Gefährdern" und nahöstlicher Kriegstreiberei die Konflikte im Islam ... nach Europa trägt. Wichtiger aber ist die Erkenntnis, dass der Hass auf die westliche Zivilisation nicht mehr importiert werden muss. Er sitzt überall dort, wo der Fanatismus eines simplen Weltbilds die Schwächen sozialer und kultureller Integration ausnutzt."

Zusammengestellt von Katja Belousova

Quelle: n-tv.de

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