Politik
Freitag, 20. Januar 2017

Amtseinführung Donald Trumps: "Trump trat bisher als Prahlhans auf"

Noch wie war ein US-Präsident bei seinem Amtseintritt so umstritten wie Donald Trump. Bei seiner Vereidigung in Washington jubeln seine Anhänger ihm zu, während seine Gegner teils gewaltsam gegen ihn demonstrieren. In seiner Rede wiederholt er seine Parolen aus dem Wahlkampf. Viel heiße Luft, hinter der nicht viel Inhalt steckt, meint die Presse. Die Hoffnung auf einen Wandel bleibt.

"Auch als Präsident bleibt Trump im Wahlkampfmodus." Die Westfälischen Nachrichten analysieren Konzept: "Er setzt auf seinen bewährten Mix aus Emotionen, Provokationen und Stammtischsprüchen." Dazu kämen immer wieder Bekenntnisse zum Protektionismus, die wie Drohungen klängen und nicht wie Zukunftsvisionen. Ein vollmundiges Versprechen reihe sich an das nächste. Die Westfälischen Nachrichten warnen: "Jedem muss klar sein, dass sie nie und nimmer eingelöst werden können und Enttäuschungen programmiert sind." Das Blatt resigniert: "Doch seine Fans lieben ihn für diesen Hang zum Größenwahn. Warum sollte der ausgebuffte Geschäftsmann seinen Markenkern ohne Not ändern?"

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Trump brüstet sich damit, nur er sage den Bürgern die Wahrheit über Politik. Die Nürnberger Nachrichten drehen den Spieß um und verraten selbst eine Wahrheit über den neue Präsidenten: "Trump trat bisher stets als Prahlhans, Aufschneider, auch als Lügner auf. Zu harte Worte? Nein: Wenn es in der Debatte um politische Korrektheit heißt, man werde doch wohl dies oder jenes noch sagen dürfen, dann muss dies auch für die Beschreibung Trumps gelten." Die Zeitung kritisiert ihn als jemanden, der Werte wie Fairness, Anstand, Mitmenschlichkeit nicht verkörpere. Als Medizin gegen den Populismus empfiehlt sie "das alte, anstrengende Bemühen um Fakten, Information, Aufklärung".

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung kommentiert, mit dem Slogan "Amerika zuerst" und dem vagen Versprechen, Amerika wieder großartig zu machen, habe Trump den Zeitgeist getroffen. Er biete den Leuten ökonomischen Nationalismus, Abschottung und Neoisolationismus. Darüber hinaus habe er mit abschätzigen, wirren Bemerkungen über Amerikas Bündnisse nicht zuletzt traditionelle Partner irritiert. Die Zeitung setzt auf einen Wandel: "Man kann nur hoffen, dass Trump einsehen wird, und zwar nicht erst in ein paar Jahren, wie wichtig verlässliche Partner für Washington sind und wie wichtig es ist, dass die Vereinigten Staaten global präsent, engagiert und berechenbar bleiben."

Die Londoner "Times" zeigt nach der Amtseinführung des Milliardärs Widersprüche auf: "Von heute an ist Präsident Trump mit Entscheidungen über Leben und Tod konfrontiert - zum Beispiel, ob man die von seinem Vorgänger angeordneten Bombenangriffe auf IS-Terroristen in Syrien fortsetzen soll oder nicht. Zugleich scheint er aber die Geheimdienste zu verachten, die traditionell Hilfestellungen für derartige Entscheidungen liefern. Unter den hochrangigen Nominierten für seine Regierung gibt es keinen Verfechter des Freihandels, obwohl er ein wichtiger Pfeiler des amerikanischen Wohlstands ist. Er strebt freundliche Beziehungen zu Wladimir Putin an, obwohl der russische Präsident die Nato und die Europäische Union stören und nach Möglichkeit demontieren möchte.

Wie Trump diese offenkundigen Widersprüche aufzulösen gedenkt oder ob sie ihm egal sind, bleibt in den Aufgen der "Times" rätselhaft. "Doch gerade weil so viel Unsicherheit darüber besteht, wie er zu regieren gedenkt, hat er die historische Chance, die Zweifler in Verwirrung zu stürzen und sich am Ende als echter Reformer zu erweisen. (...) Die Welt kann nur hoffen, dass Trump fundierter Beratung Beachtung schenkt und dann auf der Basis von Kenntnissen regiert. Im Oval Office sind Instinkte nicht genug."

Zusammengestellt von Alice Göller.

Quelle: n-tv.de

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