Reise
Verzierungen an einem sanierten Wohnhaus aus DDR-Zeiten in Eisenhüttenstadt.
Verzierungen an einem sanierten Wohnhaus aus DDR-Zeiten in Eisenhüttenstadt.(Foto: dpa)

Tom Hanks war auch schon da: Eisenhüttenstadt setzt auf Promi-Effekt

"Iron Hut City" war Thema bei David Letterman. Der Moderator plauderte mit Schauspieler Tom Hanks über dessen Besuch in der Stadt an der Oder. Eisenhüttenstadt hofft, von der Aufmerksamkeit zu profitieren. Das soll zumindest den Wegzug der Einwohner aufhalten.

Wer derzeit im Brandenburgischen über Eisenhüttenstadt redet, kommt an einem Namen nicht vorbei: Tom Hanks. Der überraschende private Besuch des 55 Jahre alten Oscar-Preisträgers in der einstigen sozialistischen Musterstadt der DDR ist zwar schon fast drei Monate her - die Erinnerung daran aber noch immer sehr präsent. Eisenhüttenstadt an der Grenze zu Polen scheint zumindest in Brandenburg in Aller Munde zu sein, ob bei Politikern oder Menschen auf der Straße.

Viele Plattenbauten stehen leer und werden abgerissen.
Viele Plattenbauten stehen leer und werden abgerissen.(Foto: dpa)

Nach der Stippvisite von Hanks und spätestens nach dessen Plauderei über "Iron Hut City" in der US-amerikanischen TV-Show von David Letterman waren Euphorie und Stolz in der Stadt groß. Balsam für eine Kommune, die in den 1950er Jahren als Planstadt mit Stahlwerk beinahe aus dem Nichts wuchs, nach der Wende wegen Stellenabbaus im Werk in die Schlagzeilen geriet und in der tausende, einst begehrte Wohnungen abgerissen wurden.

"Tom Hanks hat uns einen unbezahlbaren Dienst erwiesen", sagt Bürgermeisterin Dagmar Püschel von der Linkspartei. Ganz nebenbei habe er für ein positives Bild des Ortes gesorgt. "Wir springen auf den Zug auf", kündigt die Geschäftsführerin des Tourismusvereins Oder-Region Eisenhüttenstadt, Kathrin Henck, an. Neuerdings befindet sich auf der Internetseite zwischen Feuerwehrinformationen und Theatervorverkauf ein viereinhalbminütiger Imagefilm in englischer Sprache. Darin tritt auch Tom Hanks auf.

Mütze und große Brille

Der Schauspieler kam Anfang Dezember am Rande von Dreharbeiten in Potsdam-Babelsberg zu als Tourist nach Eisenhüttenstadt. Angetan mit Mütze und großer Brille nahm er fast unerkannt an einer Stadtführung teil. Bisher besichtigten eher an Architektur und Geschichte Interessierte die unter Denkmalschutz stehenden Wohnkomplexe mit ihren Arkaden und dem Fassadenschmuck. Habe es vor zehn Jahren noch 19 Stadtführungen pro Jahr gegeben, seien es im vergangenen Jahr schon 74 gewesen, sagt Henck. "Wir sind ja keine Tourismushochburg."

Hanks offenbart da eine gewisse Affinität: Er besuchte auch schon das DDR-Museum in Radebeul.
Hanks offenbart da eine gewisse Affinität: Er besuchte auch schon das DDR-Museum in Radebeul.(Foto: dpa)

Nach dem prominenten Besuch möchte die Stadt jetzt aber den US-amerikanischen Markt erobern. Bereits jetzt gebe es einen allgemeinen Aufwärtstrend, was Henck nicht zuletzt an der Zahl der Klicks auf der Internetseite festmacht: Während es zwischen 1. und 9. Januar 2011 noch 145 gewesen seien, habe es im selben Zeitraum 2012 - also nach dem Hanks-Besuch - bereits 1540 gegeben.

Eisenhüttenstadt hat nach der Wende Einwohner verloren: von 52.000 im Jahr 1989 seien weniger als 30.000 übrig, sagt Bürgermeisterin Püschel. Grund sei die Streichung von tausenden Stellen im Stahlwerk, in dem 11.000 Menschen arbeiteten. Die Folgen: der Abriss von 6103 Plattenbauwohnungen meist außerhalb des Denkmals bis spätestens 2015 und ein Altersdurchschnitt in der Bevölkerung von 48 Jahren.

"Es ist langweilig, es gibt nichts zu tun"

Junge Menschen kehren nicht selten der Stadt den Rücken. "Es ist langweilig, es gibt nichts zu tun", sagt Tatjana Sosin. Die Studentin lebt in Frankfurt an der Oder, nachdem sie 13 Jahre in Eisenhüttenstadt wohnte. Die meisten ihrer Freunde seien woanders hingegangen. An einen neuen Besucher-Boom mag sie trotz der auch aus ihrer Sicht interessanten Architektur nicht recht glauben: "Wer einmal da war ..."

Tom Hanks jedenfalls habe gesagt, er wolle wieder in den Ort, der bis 1961 Stalinstadt hieß, kommen, berichtet Tourismus-Chefin Henck. Der Schauspieler scheint eine gewisse Affinität mitzubringen: Ebenfalls 2011 besuchte er das DDR-Museum Radebeul - und bekam als bekennender Schreibmaschinen-Fan eine "Erika" für seine Sammlung.

Auf lange Sicht reicht ein Promi-Besuch aber nicht: Mit einem Wohnkonzept will Bürgermeisterin Püschel neue Einwohner gewinnen und alte halten. Ein paar "Rückkehrer" gebe es auch. "Ich stelle mir vor, dass sich die Einwohnerzahl einpegelt bei 25.000 - nicht darunter."

Bilderserie

Quelle: n-tv.de