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Nach Meinung des Naturschutzbundes informieren die Reedereien nicht genügend über die Umweltauswirkungen der Schiffe.
Nach Meinung des Naturschutzbundes informieren die Reedereien nicht genügend über die Umweltauswirkungen der Schiffe.(Foto: picture alliance / dpa)
Dienstag, 30. August 2016

Aktuelles Naturschutzbund-Ranking: Greenwashing bei Kreuzfahrt-Reedereien?

Kreuzfahrten sind bei deutschen Urlaubern beliebt wie nie. Doch die riesigen Schiffe stoßen umweltschädliche Stoffe aus. Jedes Jahr gibt der Naturschutzbund ein Kreuzfahrt-Ranking heraus und prüft die Maßnahmen der Reedereien. Aus Nabu-Sicht tun diese viel zu wenig.

Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) wirft den internationalen Kreuzfahrtreedereien vor, zu wenig für den Umweltschutz zu tun. "Diese Verantwortungslosigkeit geht vor allem auch zulasten der menschlichen Gesundheit, insbesondere von Anwohnern in Hafenstädten", teilte Geschäftsführer Leif Miller anlässlich des neuen Nabu-Kreuzfahrt-Rankings mit.  

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Die Organisation hält den Reedereien vor, die Öffentlichkeit über den Einsatz von Abgastechnik an Bord ihrer Urlaubsschiffe im Unklaren zu lassen. Kreuzfahrtschiffe stoßen wie Handelsschiffe Abgase aus, darunter Stickoxide, Schwefel und Rußpartikel.

Folgende Ergebnisse gibt es beim diesjährigen Ranking.

Platz 1: "AIDAprima" 3 grüne von möglichen 4 Symbolen

Platz 2: "Europa 2" 2,5 grüne von möglichen 4 Symbolen

Platz 3: "Mein Schiff 3/4/5" 1,5 von möglichen 4 Symbolen

Grünes Symbol: Teilweiser Verzicht auf Schweröl, Installation Rußpartikelfilter, Einsatz Stickoxid-Katalysator, Landstrom

Rotes Symbol: Schiffe nutzen Schweröl, Einsatz von Abgaswäscher

Die "AIDAprima" nutzt beispielsweise einen SCR-Katalysator und LNG (liquefied natural gas, Flüssigerdgas) zur Energieversorgung im Hafen. Damit steht das Schiff im Vergleich zu anderen umwelttechnisch besser dar. Trotzdem wird die Reederei vom Nabu dafür kritisiert, dass sie nicht genug für den Umweltschutz tue. So fahre das Unternehmen, laut Aussage des Verbandes - entgegen einer Zusage aus dem Jahre 2012 - bis heute mit giftigem und umweltschädlichem Schweröl.

Viele andere in der Liste der in Europa fahrenden Schiffen haben nur rote Bewertungen erhalten. Vor allem die Reederei Royal Caribbean, die mit der "Harmony of the Seas" das größte Passagierschiff der Welt hat, schneidet im Nabu-Ranking ganz schlecht ab.

Für das alljährliche Kreuzfahrt-Ranking hätten nicht die Reedereien selbst die Antworten geschickt, sondern ihr Verband Clia habe lediglich zusammengefasste Daten und oberflächliche Angaben zur Verfügung gestellt, kritisierte der Nabu-Leiter Verkehrspolitik Dietmar Oeliger in Hamburg. Clia Deutschland, der Verband der Kreuzfahrtindustrie, wies die Vorwürfe zurück. Zahlen seien falsch interpretiert worden, außerdem gebe es keinen wissenschaftlichen Standard für das Ranking, dessen Bewertungskriterien jährlich geändert würden. Der Nabu sagt dazu: "Das ist Greenwashing in Reinform und angesichts der verursachten Schäden nicht hinnehmbar", so Leif Miller.

Nabu hinterfragt neue Abgasreinigungssysteme

Clia Deutschland hatte jüngst mitgeteilt, dass in Europa 75 Schiffe mit Abgasreinigungssystemen ausgestattet seien und 52 Schiffe Voraussetzungen für Landstrom erfüllten. Für den Nabu ist fraglich, ob diese Techniken tatsächlich eingesetzt werden. In Hamburg bezieht bisher lediglich ein Kreuzfahrtschiff Landstrom am Terminal Altona. Hier müsse die Politik stärker auf die Reeder einwirken, diese Energie bei vorhandenen Anschlüssen auch zu nutzen, auch wenn sie teurer sei als Marinediesel im Hafen, forderte Hamburgs Nabu-Vertreter Malte Siegert. Andernfalls sollten Strafen erlassen werden. Aus Profitgründen und angesichts niedriger Mineralölpreise verzichte ein Großteil darauf, seine Schiffe mit mehr Abgastechnik auszurüsten, meinten die Nabu-Vertreter. 

Der Einsatz schwefelärmerer Treibstoffe in der Schifffahrt auf Nord- und Ostsee seit mehr als einem Jahr hat nach früheren Erkenntnissen des Nabu erste Wirkung gezeigt: Die Luftschadstoffbelastung in der Region sei erheblich zurückgegangen. Seit Anfang 2015 dürfen Handels- und Kreuzfahrtschiffe sowie Fähren in Nord- und Ostsee nur noch mit einem Treibstoff unterwegs sein, der 0,1 Prozent Schwefel und nicht mehr 1,0 Prozent enthält. Alternativ müssen die Abgase über eine Waschanlage an Bord (Scrubber) gereinigt werden.

Quelle: n-tv.de

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