Reise
Yvonne Zagermann auf ihrer Reise in  Tadschikistan - für sie ein ganz besonderer Ort.
Yvonne Zagermann auf ihrer Reise in Tadschikistan - für sie ein ganz besonderer Ort.

Reisebloggerin gibt Einblicke: "Liste der Urlaubsziele wird immer länger"

Reisen ist ihr Job: Immer auf der Suche nach dem nächsten Abenteuer fliegt Reisebloggerin Yvonne Zagermann rund um die Welt. Im Interview mit n-tv.de berichtet sie von Sehnsuchtsorten und erklärt, warum ihr Authentizität so wichtig ist.

Yvonne Zagermann lebt in Berlin - wenn sie nicht gerade auf Reisen ist. Und das ist sie oft. Ihr Blog "Just travelous" ist einer der größten deutschen Reiseblogs. Seit 2011 können die Leser ihre weltweiten Abenteuer bestaunen, und natürlich wertvolle Tipps erhalten. Ob eine Offroadfahrt durch die Wüste Jordaniens, Haitauchen in Costa Rica oder wandern in Deutschland: Für die Reisebloggerin sind die Ziele unterschiedlich und niemals abgearbeitet.

n-tv.de Wie sind Sie zum Reisebloggen gekommen?

Yvonne Zagermann: Bei mir war das mehr oder weniger Zufall. Ich habe mich 2010 bei Twitter angemeldet und hatte davor auch immer so das Klischee im Kopf, Reiseblogger sind Abiturienten, die nach dem Abi ein Jahr durch die Welt reisen und dann Tagebuch führen. Ich bin dann aber über Twitter auf ein paar Reiseblogs gestoßen, auf internationale, die das Ganze eben professionell machen und fand das total spannend. Ich bin schon immer viel und gerne gereist. Und ich dachte, vielleicht interessiert es ja auch jemanden, was ich zu sagen habe. Ich hatte Lust, mich mal auszuprobieren. Dann hat sich das alles so ein bisschen verselbstständigt. Ich war auch zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort, weil damals, 2011, als mein Blog live gegangen ist, gab es noch kaum professionelle Reiseblogger in Deutschland. Und auf einmal waren immer mehr Leser da. Das hat mich komplett überrascht und es wurde immer mehr und mehr.

Yvonne Zagermann veröffentlicht regelmäßig Reiseberichte auf ihrem Blog.
Yvonne Zagermann veröffentlicht regelmäßig Reiseberichte auf ihrem Blog.

Und wie startet man so ein Projekt? Reist man einfach los und guckt mal, ob es bei den Leuten ankommt?

Wenn man heute einen Reiseblog startet, ist es nicht mehr ganz so einfach wie vor fünf Jahren. Das muss ich ganz ehrlich sagen. Der Markt in Deutschland ist in gewisser Hinsicht übersättigt. Ich habe damals einfach so angefangen, ich habe über Reisen, die ich gemacht hatte, geschrieben und dann über Reisen, auf denen ich gerade unterwegs war. Es war einfach frei Schnauze, ich habe einfach gemacht. Es war so learning by doing.

Es gibt ja zahlreiche Blogs rund ums Reisen. Wie können die sich alle nebeneinander behaupten?

Heute sagt man vielen Reiseblog-Anfängern: Ihr müsst eine Nische finden, die euch irgendwie abhebt von den anderen. Damals als ich angefangen habe, gab es das nicht. Damals konnte ich einfach frei entscheiden. Man kann mich nicht in eine Nische festzimmern. Heute aber wird es ohne die Spezialisierung schwer, weil es so viele Blogs gibt. Entweder muss man unfassbar tolle Fotos oder Videos machen oder einen ganz besonderen Schreibstil haben.

Viele haben sicher eine romantische Vorstellung von Ihrer Arbeit ...

Es ist einfach harte Arbeit. Für manchen mag es ja so aussehen, als mache ich immer nur Urlaub, aber so ist es ja nicht. Es ist schon Arbeit. 2012, 2013 kam so ein ganz großer Schwung neuer Reiseblogger, die alle an den Start gegangen sind und die alle dachten, sie können in zwei, drei Wochen erfolgreich werden und damit ihr Geld verdienen. So einfach ist das nicht. Auch bei mir hat das so ein Jahr gedauert, bis das mal so weit war, dass ich überlegt habe: Damit kann ich mein Geld verdienen.

Auf dem "el panecillo" in Ecuador.
Auf dem "el panecillo" in Ecuador.

Was ist das Credo für Ihren Blog?

Mir ist wichtig, dass ich so schreibe, wie mir der Schnabel gewachsen ist. Die Geschichten, die ich auf meinem Blog schreibe, seien es irgendwelche Tipps oder Reisegeschichten -  das ist genau so, wie ich es einem Freund abends beim Bier erzählen würde. Da ist nichts geschönt, das ist dann auch mal ein bisschen schnodderig. Ich würde mich da auch nicht ändern wollen. Denn ich möchte, dass sich meine Leser auch damit identifizieren können. Auf meinem Blog ist das so: Ich bin die Yvonne, so denke ich, so reise ich und so fühle ich und das kommt in jedem Artikel rüber.

Erlebt man denn Reisen als Reiseblogger anders?

Jein, es ist schwerer mal die Kamera nicht mitzunehmen. Denn man denkt immer, wenn man sie  nicht dabei hat, fehlt sie und ich kann irgendwas nicht festhalten. Manchmal hat man dann Angst, eine Geschichte zu verpassen, die man dann nicht weitergeben kann. Aber selbst dann macht man mit dem Handy Fotos. Wenn ich reise, dann will ich komplett da sein und das genießen. Wenn ich mir etwas ansehen möchte, ziehe ich das immer dem Schreiben des Artikels vor. Genuss geht vor Arbeit.

Die Reisebloggerin unterwegs in der Wüste.
Die Reisebloggerin unterwegs in der Wüste.

Schauen wir kurz auf die aktuelle geopolitische Lage. Die Angst vor Terroranschlägen in Urlaubsgebieten ist aktuell sehr hoch - wie sehen Sie das?

Einerseits bringt es nichts, sich verrückt zu machen, andererseits muss man auf sein Bauchgefühl hören. Es passiert ja auch folgendes: Wenn man reist und man läuft auf einer Straße entlang und man fühlt sich irgendwie komisch, dann ist vielleicht auch wirklich etwas komisch. Ich spreche es niemandem ab, der sagt: "Ich habe jetzt Angst." Gleichzeitig nimmt das Reisen aber auch die Angst, da man auf Reisen mit anderen Menschen, Kulturen und Religionen in Kontakt kommt und letztlich merkt, dass wir doch alle gleich sind. Zudem glaube ich ganz stark an das Schicksal. Wenn Gevatter Tod einen Termin mit einem hat, dann kann das genauso gut in Berlin auf der Straße passieren.

Kommen wir wieder zu den schöneren Dingen: Haben Sie noch Sehnsuchtsorte?

Die Liste wird jeden Tag länger. Man folgt ja auch Freunden und anderen Reisebloggern. Ein Freund von mir war jetzt auf den Lofoten und da dachte ich: Wow, da wäre ich jetzt auch gern. So kam es dann direkt auf meine Liste. Ich war noch nie in Indien, ich kenne Südamerika fast noch gar nicht. Ich werde diese Liste wahrscheinlich nie abarbeiten können.

Sie fliegen viel durch die Welt. Gefällt Ihnen denn auch Urlaub in Deutschland?

Ja, ich bin ein großer Fan. Ich finde das immer so schade. Urlaub in Deutschland ist irgendwie mit Klischees behaftet: Das ist irgendwie langweilig, das machen nur Rentner. Das ist Quatsch, es gibt in Deutschland unfassbar viele tolle Orte, man muss sich nur aufraffen und sie entdecken.

Was sind Ihre absoluten Trendziele?

Es ist natürlich total subjektiv, aber ich habe letztes Jahr Tadschikistan für mich entdeckt. Das Land hat mich total umgehauen. Kuba sollte man auch noch mal schnell bereisen, weil man nicht weiß, wie sich das Land entwickeln wird. Es gibt aber auch so viele Länder, die gar nicht auf der touristischen Landkarte stattfinden, wie eben Tadschikistan  - und diese kann man entdecken.

Mit Yvonne Zagermann sprach Sonja Gurris.

Quelle: n-tv.de

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