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Der Klassiker unter den Londoner Sightseeing-Attraktionen: Big Ben.
Der Klassiker unter den Londoner Sightseeing-Attraktionen: Big Ben.(Foto: picture alliance / dpa)

Billigflieger machen es möglich: Low-Budget-Tagestrip nach London, geht das?

Von Sonja Gurris

Mit dem Billigflieger an einem Tag nach London und zurück - und in der Zwischenzeit etwas erleben. Geht das? Wie anstrengend ist es und wie groß ist das Schnäppchen? Ich habe einen Selbstversuch gestartet. Berlin - London und zurück.

Man kann schon sagen, dass es verrückt ist, in wenigen Stunden London-Sightseeing inklusive Big Ben und Buckingham Palace zu machen, ohne überhaupt eine einzige Nacht in der britischen Hauptstadt zu bleiben. Vor allem sollte man nicht das frühe Aufstehen um 4 Uhr morgens scheuen - denn das zerrt an den Nerven. Doch Ryanair und Co. machen es möglich. Mein Kampfgeist ist geweckt - die London Challenge kann beginnen. Für 15 Euro pro Strecke. Klingt nach einem Schnäppchen - und was die Tickets anbelangt, ist es das auch zweifelsohne.

Die Telefonzellen sind für Touristen immer noch ein Hingucker.
Die Telefonzellen sind für Touristen immer noch ein Hingucker.(Foto: Sonja Gurris)

Doch bevor ich die Guards der Queen begrüßen kann, liegt erst einmal die Anreise vor mir. Und hier kommt gleich der erste Tipp: Wenn man ein frühes Flugzeug bucht, muss man damit rechnen, dass man mitten in der Nacht aufstehen und auch zum Flughafen kommen muss. Man muss gucken, ob Busse oder Züge schon fahren, wenn man kein Auto hat. Ich stehe vor 4 Uhr auf, es ist gefühlt mitten in der Nacht, dann geht es mit dem Zug zum Flughafen. Es läuft alles glatt, pünktlich hebt das Ryanair-Flugzeug ab. Doch nach der Ankunft kommt erst einmal die Ernüchterung. Die Vorfreude wird durch den Transfer nach London City getrübt. Entweder mit dem Stansted Express (Zug, normalerweise 45 Minuten) oder dem National Express (Bus, etwa 60 bis 90 Minuten). Hier muss sich der Low-Budget-Tourist entscheiden, entweder schneller mit dem Zug in die Stadt fahren oder eben mit dem Bus, der allerdings an der Aufenthaltszeit knabbert. Angekommen in London, fahre ich mit der Tube, der U-Bahn, Richtung London Bridge.

Achten Sie auf zusätzliche Kosten

Verregneter Ausblick auf London. "The Shard" ist eine der neuesten Hauptattraktionen.
Verregneter Ausblick auf London. "The Shard" ist eine der neuesten Hauptattraktionen.(Foto: Sonja Gurris)

Für Museen habe ich leider keine Zeit, aber einen Panorama-Ausblick a la "The Shard" oder "London Eye" möchte ich mir gönnen, auch wenn es das Portemonnaie arg strapaziert. Wer absolut kostengünstig unterwegs sein will, muss darauf wohl verzichten. Über 60 Stockwerke geht es hoch, ich bekomme einen digitalen Guide, der mir gleich meine Aussicht erklären soll. Allerdings: Welche Aussicht? Pünktlich zum meinem Termin in "The Shard", der neuen Aussichtsplattform, regnet und nebelt es. Und dann auch noch Schneeregen. Na herrlich. Das ist wohl Künstlerpech - Londoner Wetter, das ist zumindest typisch. Die Aussichtsplattform ist teuer, allerdings hat man bei gutem Wetter einen wirklich spektakulären Blick über London. Wer aber rein will, sollte sich besser vorab einen Termin buchen. Auch, wenn man ein Stoßgebet zum Wettergott schicken sollte. Ich hatte das vorher wohl vergessen.

Einmal der Queen winken

Auch im Regen ist der Buckingham Palace ein "Muss".
Auch im Regen ist der Buckingham Palace ein "Muss".(Foto: Sonja Gurris)

Nach einer guten Stunde mache ich mich auf in Richtung Westminster: Es erwarten mich Big Ben, Houses of Parliamant, Westminster Abbey sowie Downing Street Number 10. Das Wetter ist immer noch eklig, aber ich lasse mir die Laune nicht vermiesen und bestaune die Londoner "Must Sees". Ich überlege, die Westminster Abbey zu besichtigen. Aber zu meinem Erschrecken stelle ich fest: Lockere 20 Pfund (25 Euro) Eintritt soll es kosten. Das finde ich ganz schön happig. So schön kann keine Kirche sein, oder? Nein, da mache ich mich wieder zu Fuß auf den Weg in Richtung Buckingham Palace - einmal der Queen winken. Die scheint auch da zu sein, denn die Flagge weht über dem berühmten Palast. Ich fühle mich etwas vom Winde verweht, möchte aber dennoch die Garde bestaunen. Den Blick auf den Palast gibt es kostenlos - und ist natürlich ein Muss, vor allem, wenn man etwas für Klatsch über Camilla, Kate, William und Harry übrig hat.

Ein echter Klassiker: "Fish&Chips"
Ein echter Klassiker: "Fish&Chips"(Foto: Sonja Gurris)

Mittlerweile ich bin übermüdet und durchgefroren. Ich brauche eine kleine Pause und laufe ein Stück zurück in Richtung Trafalgar Square. Doch: Achtung, Touristenfalle! Nicht direkt am Platz eine Pause machen, das wird teuer. Stattdessen suche ich eine Ecke weiter und finde ein Cafe namens "The Breadline": Hier sitzen Briten und Touristen beim Lunch. Ich esse Fish & Chips, weil es einfach zum Touriprogramm dazugehört und die Briten das auch gut können. Ich zahle etwa 8 Euro für eine große Portion mit Salat. Für einen extrem touristischen Ort ist das ok. Gestärkt geht es weiter, mittlerweile ist es fast 14 Uhr nachmittags. Ich habe noch zwei Stunden, bis ich an der Liverpool Station wieder in Richtung Flughafen abfahren muss.

Der Siegeszug der deutschen Bratwurst

Aber ich will noch was sehen. Ich finde schnell den Weg zum Picadilly Circus, dem Platz mit der weltberühmten Reklame. Ein kurzer Stopp nur – für mehr ist keine Zeit. Danach streune ich ein wenig durch die Straßen, und was sehe ich? "Herman ze German" – eine deutsche Bratwurstbude mitten in London City. Und eine richtig erfolgreiche noch dazu. Nicht weit von der Themse entfernt liegt das Lokal, direkt neben britischen Restaurants. Drei Läden gibt es in ganz London, die Briten stehen auf die Wurst, die extra aus dem Schwarzwald importiert wird, und für ihre "Sausage" stehen sie Schlange. Ich bin überrascht.

Ein Restaurant von "Herman ze German".
Ein Restaurant von "Herman ze German".(Foto: Sonja Gurris)

Ich habe noch 90 Minuten und jetzt scheint auf einmal die Sonne. Ich raune und bin genervt, dass es vorher so schlecht war – aber für das Wetter kann ja keiner was. Ich spaziere entlang der Themse, blicke auf die Schlangen am "London Eye", es stürmt wie sonstwas. Meine Rundtour endet an der Station Westminster. Wenigstens kann ich jetzt eine paar Sonnen-Bilder vom Big Ben machen. Mit der Sonne geht die vorherige Müdigkeit weg. Etwas traurig bemerke ich, dass ich mich nun durch die Stadt bis zum Flughafen kämpfen muss. Der London-Sightseeing-Trip ist vorbei. Flughafen-Transfer, Sicherheitskontrolle, Flug, Rückfahrt in Deutschland – es vergehen viele Stunden.

Zeit für ein Fazit: Ich habe viel gesehen und einen guten Überblick bekommen - allerdings waren es nur sechs Stunden, die ich wirklich nutzen konnte. Wer nur zum Einkaufen fliegen will, der kann damit sicherlich gut auskommen, für einen Touristen-Trip ist es natürlich sehr kurz. Aber wer geduldig und spontan ist, der kann so einen Trip durchziehen. Doch die Kosten sollte man vorher genau recherchieren, damit aus dem Billigflieger-Schnäppchen nicht ein Tag wird, der zu viel gekostet und sich nicht gelohnt hat. Gerade die Touristen-Attraktionen haben es in London in sich. Doch wer vorab etwas plant, der kann einen ereignisreichen Trip haben - muss aber mit einem sehr langen Tag rechnet. In der Box können Sie lesen, wie viel mich mein Billigflieger-Trip nach London insgesamt gekostet hat.

Low-Budget in London

Die Kosten im Überblick:
Flugtickets: Beispiele Ryanair Hin- und Rückflug 30 Euro
Umgerechnet 33 Euro für "The Shard"
Umgerechnet 40 Euro für "The London Eye"
Fahrkarten U-Bahn: 15 Euro
Tagesverpflegung: 14 Euro (Mittagessen/Getränke)
Stansted Express: 31 Euro oder Bus National Express: 19 Euro

Endabrechnung:
111 Euro bei Bustransfer
(ohne "The Shard"-Ausblick: 78 Euro)
123 Euro bei Zugtransfer (ohne "The Shard"-Ausblick: 90 Euro)

Weitere Informationen erhalten Sie auch unter visitbritain.com.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

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