Panorama

Strandurlaub mit BadeverbotHai-Angst am Roten Meer

07.12.2010, 08:22 Uhr

Scharm al-Scheich am Roten Meer gilt als Tauch- und Badeparadies. Doch nach Attacken von Haien haben viele Urlauber nun Angst, hunderte sind bereits abgereist. Alle Strände in und um Scharm al-Scheich bleiben jetzt gesperrt, bis "sämtliche potenziell gefährlichen Haie vor der Küste gefunden und gefangen" sind.

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Manche Touristen gehen vor Scharm al-Scheich doch ins Wasser, trauen sich aber nicht so weit rein. (Foto: REUTERS)

Die Frau, die in Ägypten von einem Hai totgebissen wurde, kam aus Baden-Württemberg. Das sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes. Die Urlauberin sei 71 Jahre alt gewesen. Ein Hai hatte sie am Strand der Touristenhochburg Scharm al-Scheich im Roten Meer angegriffen und getötet. Nach dpa-Informationen stammt die Frau aus der Bodenseeregion.

Der Hai hatte der Frau am Sonntag nur wenige Meter vom Strand entfernt den rechten Arm und ein Bein abgerissen. Erst am vergangenen Mittwoch hatte ein Hai in Scharm al-Scheich vier Urlauber - zwei Männer und zwei Frauen aus Russland und der Ukraine - angegriffen und verletzt. Einer 48 Jahre alten Russin biss das Tier einen Unterarm ab. Die Touristin überlebte die Attacke. In der Gegend gibt es auch eine "Hai-Bucht" und eine Aussichtsplattform zur Beobachtung von Haien.

Viele Touristen reisen ab

Der Gouverneur von Sinai Süd, Mohammed Schuscha, kündigte an, alle Strände in und um Scharm al-Scheich blieben gesperrt, bis sämtliche potenziell gefährlichen Haie vor der Küste gefunden und gefangen seien. Hunderte ausländische Touristen seien wegen der Angriffe vorzeitig nach Hause gereist, teilten Tourismusunternehmen im Land mit. Einige setzten ihren Urlaub in Israel fort.

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Nun sollen alle "potenziell gefährlichen Haie" gefangen werden. (Foto: dpa)

Der Schweizer Haiforscher Erich Ritter, der die Bisswunden der Opfer analysiert hat, sagte, die Deutsche sei definitiv von einem anderen Tier gebissen worden als die vier Urlauber zuvor. "Das Tier ist massiv größer", sagte er. Die Deutsche sei geschnorchelt und habe damit auf den mindestens drei Meter langen Hai als ideale Beute gewirkt: "Für Haie ist alles, was an der Oberfläche herumschwimmt, potenziell verletzt." Die Art der Bisswunden ließe klar darauf schließen, dass der Hai die Frau fressen wollte und es sich um keine Probe- oder Verteidigungsbisse gehandelt habe, sagte Ritter.

Suche nach Erklärungen

Experten suchten nach Erklärungen für die vermehrten Attacken. Abdullah Hijawi, Umweltexperte aus der Region, sagte: "Der Klimawandel hat einen großen Einfluss auf das Verhalten von Haien und großen Fischen im Roten Meer, er bringt sie dazu, ihre angestammten Gebiete zu verlassen."

Gerhard Wegner, Präsident der Initiative Sharkproject International, sprach von einer "Verkettung unglücklicher Umstände". Mehrmals im Jahr drücke die Strömung im Roten Meer Plankton an die Küste - und damit auch Fische und ihre Jäger, große Hochseehaie. Zudem seien die Tiere wahrscheinlich indirekt angefüttert worden, weil Kadaver oder Abfälle ins Meer geworfen wurden. "Die Haie riechen Futter, sie schmecken Futter, und nun spüren sie die hektischen Bewegungen der Badenden, die sich damit wie Beute verhalten."

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Badeurlaub ohne Badeerlaubnis - das hat sich so mancher Urlauber bestimmt anders vorgestellt. (Foto: REUTERS)

Am Roten Meer würden Tauchgänge zu Haien angeboten, bei denen die Tiere auch angefüttert würden, erklärte WWF-Expertin Heike Vesper. "Das heißt, man zieht Haie schon mal näher an die Küste, als sie sonst vorkommen würden." Zudem würden häufig Schafe mit Schiffen transportiert. "Stirbt eins der Tiere, wird es über Bord geworfen. Das zieht auch Haie an." Haiforscher Ritter betonte, im Anfüttern der Tiere, auf welche Weise auch immer, sei die Hauptursache für die Attacke auf die Deutsche zu sehen.

Beim Tauchcenter "Sharks Bay" am Roten Meer hieß es, es sei generell verboten, die Haie anzufüttern. Natürlich hielten sich nicht alle daran. Dennoch sei es unerklärlich, dass derzeit so viele Haie so nah an die Küste kämen. Experten aus dem Ausland seien dabei, dieses Phänomen zu untersuchen. Alle Wassersportarten seien momentan verboten, Tauchgänge seien nur erfahrenen Tauchern in Begleitung lokaler Führer erlaubt.

Quelle: dpa