Reise
Das Gästebad in der Präsidentensuite bietet einen Rundumblick - und niemand kann reinschauen.
Das Gästebad in der Präsidentensuite bietet einen Rundumblick - und niemand kann reinschauen.(Foto: Waldorf Astoria)

Einblicke in das Waldorf Astoria: Wie der Concierge für 5-Sterne-Luxus sorgt

Von Sonja Gurris

Ein 5-Sterne-Plus-Service im Hotel, was heißt das überhaupt? Welche Annehmlichkeiten hat ein Gast, wie wird er umsorgt, wie arbeitet ein Concierge und was bietet die Präsidenten-Suite? Ein Besuch im Waldorf Astoria am Kurfürstendamm in Berlin zeigt es.

Vor wenigen Wochen war der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hier zu Gast – das Hotel glich einer großen Sicherheitszone direkt am Berliner Kurfürstendamm. Auch Prominente wie die Band U2 um Popstar Bono checken in diesem Luxushotel ein. Ein Haus solcher Kategorie weiß um die Ansprüche seiner gut betuchten Gäste – und schon zu Beginn des Aufenthalts wird kaum etwas dem Zufall überlassen.

Das Waldorf Astoria Berlin wurde 2013 eröffnet.
Das Waldorf Astoria Berlin wurde 2013 eröffnet.(Foto: Sonja Gurris)

Vor dem Eingang mit dem langen roten Teppich warten zwei Doormen, die die Gäste an der Tür in Empfang nehmen. Gleich darauf ist man schon in der eindrucksvollen Lobby des Waldorf Astoria Berlin. Eine große, goldene Uhr springt gleich ins Auge "Das ist eine Grandfather's Clock, sie steht, in jeweils individuellen Ausführungen, in jedem Waldorf Astoria auf der ganzen Welt", erklärt die PR&Marketing-Direktorin Marie Wellmann. Dass man hier in eine Welt des Luxus eintritt, ist sofort erkennbar. Das freundliche Hotel-Personal ist direkt zu Stelle und fragt höflich, ob es behilflich sein kann. Stets freundlich, zurückhaltend und diskret scheint die Formel für Mitarbeiter in einem Luxushotel zu sein. Der persönliche Gästeservice ist das, womit sich das Waldorf von seinen Mitbewerbern absetzen will. Die Dependance in Berlin wurde 2013 eröffnet.

Der Mann mit den "goldenen Schlüsseln"

Um das Wohl der Gäste kümmern sich etwa 245 Mitarbeiter. Der Concierge-Service soll eines der Aushängeschilder des Hauses sein. Christoph Hundehege ist Head Concierge und Mitglied des Clefs D'Or Germany (Clefs D'Or - goldene Schlüssel). Vier goldene Schlüssel an seinem Revers zeigen seinen Status in der Welt der Concierges – er gehört zu den weltweit etwa 4500 besten, die in Luxusherbergen tätig sind. Schon bevor ein Gast im Waldorf eincheckt, hat er oder einer seiner Mitarbeiter bereits per Mail erfragt, ob der Gast besondere Wünsche hat. Sein Team besteht aus vier Concierges (drei Männern und einer Frau), alle ebenfalls Mitglieder des Clefs D'Or, und vier Personal Concierges. Ob persönliche Essensvorlieben oder spezielle Blumen fürs Zimmer - die Sonderwünsche der Gäste werden festgehalten und für den nächsten Besuch gespeichert.

Christoph Hundehege versucht die Wünsche der Gäste jederzeit zu erfüllen.
Christoph Hundehege versucht die Wünsche der Gäste jederzeit zu erfüllen.(Foto: Sonja Gurris)

Die Concierge Loge des Waldorf Astoria Berlin kümmert sich um ganz unterschiedliche Fälle: Und dabei geht es nicht nur um spezielle Theaterkarten oder Tische in den exklusivsten Restaurants der Stadt, oft sind auch die Spontanität und kreative Lösungen gefragt: "Wir sind für alles da, was sich rund um den Aufenthalt abspielt. Für Theaterkarten, für Limousinen-Buchung, für Stadtführungen. Es gab von Candle Light Dinner im Park bis zum privaten Catering auf einer Jacht, das innerhalb von 60 Minuten organisiert werden musste, alles. Es gab auch Last-Minute-Anfragen für das Champions-League-Finale in den VIP-Bereichen. Die Liste ist lang", so Christoph Hundehege.

Ein Concierge darf nicht aufdringlich sein, soll dem Gast aber jederzeit mit Rat und Tat zu Seite stehen. Es ist ein schmaler Grat, wie Hundehege berichtet: "Es ist die Kunst, die ein Concierge besitzt oder nicht: in wenigen Fragen herauszufinden, was der Gast wirklich will, ohne dass man vorher große Interaktionen mit ihm hatte. Und am Ende muss man in vier, fünf, sechs Fragen herausfinden, welches der 1000 sehenswerten Restaurants wirklich passend ist. Es ist jeden Tag etwas anderes und eine neue Herausforderung."

Der Arbeitstag endet für den Concierge faktisch, wenn er das Hotel abends verlässt. Aber auch in seiner Freizeit recherchiert er: "Man schaut immer, wenn es ein neues Restaurant oder eine neue Ausstellung gibt, das gucke ich mir dann an. Es gibt dem Gast immer ein kleines Extra, dass man wirklich weiß, wovon man redet und davon nicht nur gelesen hat." Einmal hatte ein Gast gefragt, wo es einen Laden mit kleinen Zinnsoldaten gibt. Der Concierge hat so lange gesucht, bis er einen gefunden hat. Ob große oder klein Wünsche - Hundehege versucht alle zu erfüllen. Auch der weltweit bekannte Roomservice ist im Waldorf Astoria in New York erfunden worden.

Die höchsten Suiten von Berlin

Das Badezimmer in der 7500-Euro Präsidenten-Suite strahlt.
Das Badezimmer in der 7500-Euro Präsidenten-Suite strahlt.(Foto: Waldorf Astoria)

Das "In Room Dining" soll den gleichen Luxus haben wie ein Besuch im mit einem Michelin-Stern ausgezeichneten Restaurant des Hauses. Daraus entstand im New Yorker Waldorf in den frühen 1930er-Jahren das Konzept, dass jedes Zimmer mit einem "Dinner Table" mit zwei Stühlen ausgetattet wurde. Eine Tradition, die bis heute in allen Waldorfs weltweit zu finden ist. Ob Club Sandwich oder Vier-Gänge-Menu, die Gäste können alles in ihrem Zimmer - rund um die Uhr - serviert bekommen.

232 Zimmer gibt es im Berliner Waldorf und an Luxus wird nicht gespart. Weil der Komfort so hoch ist, steigen gerade viele international bekannte Personen hier ab. "Einen israelischen Staatspräsidenten kann man vom operativen Aufwand mit keinem anderen Gast vergleichen. Es gibt wochenlang im Voraus Meetings, es muss alles perfekt vorbereitet sein", so Marie Wellmann.

Die Mitarbeiter empfinden solche Besuche als Ehre. Andere Hotelgäste leben während eines Staatsbesuches ebenfalls im Waldorf - und auch sie wollen umsorgt werden und sollen so wenig wie möglich vom Trubel mitbekommen. Eine große Herausforderung. Deutsche Gäste machen den größten Teil aus, dahinter folgen Engländer und dann US-Amerikaner, von denen viele wohl auch das Mutterhaus in New York im Kopf haben.

Bechstein-Flügel und Panoramablick

Hier schläft man mit Aussicht: Der Master Bedroom in der Präsidenten-Suite.
Hier schläft man mit Aussicht: Der Master Bedroom in der Präsidenten-Suite.(Foto: Waldorf Astoria)

Ab und zu steigen auch ganze Filmcrews aus dem Filmpark Babelsberg im Hotel ab. Für Musiker bietet die Präsidenten-Suite im 31. Stock nicht nur einen atemberaubenden Rundum-Blick auf die City von Berlin, sondern auch einen Bechstein-Konzertflügel. Selbst das Gäste-Bad ist mehr als großzügig, mit feinstem Marmor bestückt, bodentiefe Fenster geben freie Sicht. Hier kann man sicherlich wunderbar entspannen. Im Master Bathroom hängt sogar ein Fernseher auf der Toilette. Genügend Platz gibt es auf 300 Quadratmetern auch, hier kann sogar das mitgebrachte Personal luxuriös nächtigen. Wenn man die Wege nicht kennt, kann man sich in der Präsidenten-Suite fast verlaufen.

Die beiden Mitarbeiter vom Housekeeping haben gerade jede Menge in der ab 7500 Euro pro Nacht verfügbaren Suite zu tun. Der nächste Gast, der einen fantastischen Ausblick , unter anderem auf die Elefanten im Zoo, haben will, möchte schließlich eine perfekte Suite beziehen. Die Mitarbeiter haben wohl keinen Moment für die einmalige Aussicht. Sie sind die fleißigen Menschen, die ein Fünf-Sterne-Plus Hotel zu dem machen, was es ist. 

Quelle: n-tv.de