Wirtschaft
Bei seinem Zusammentreffen mit US-Präsident Barack Obama im März 2014 wurde König Abdullah durch einen Schlauch mit Sauerstoff versorgt.
Bei seinem Zusammentreffen mit US-Präsident Barack Obama im März 2014 wurde König Abdullah durch einen Schlauch mit Sauerstoff versorgt.(Foto: REUTERS)

Wie geht es Saudi-Arabiens König?: Abdullahs Gesundheit beschäftigt Ölmarkt

Von Jan Gänger

Öl ist so billig wie lange nicht mehr. Einer der Gründe: Saudi-Arabien weigert sich kategorisch, die Förderung zu drosseln. Doch das könnte sich bald ändern.

Saudi-Arabiens König Abdullah wird im Krankenhaus in der Hauptstadt Riad behandelt. Der Monarch sei zu "medizinischen Tests" eingewiesen worden, teilte das Königshaus mit ohne Details zu nennen. So banal das auf den ersten Blick erscheint, für den Ölmarkt ist der Gesundheitszustand des 90-Jährigen von großem Interesse. Denn jede Änderung der Führung des Landes könnte sich auf den Kurs eines der weltweit größten Ölproduzenten auswirken.

Derzeit unternimmt Saudi-Arabien nichts, um den niedrigen Ölpreis zu stützen. Im Gegenteil: Das Königreich macht sich dafür stark, dass die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) die Förderung nicht reduziert. Mit Erfolg. Trotz weltweitem Überangebot und schwacher Nachfrage entschied die Opec bei ihrem Treffen Ende November, dass die Förderung stabil bleibt.

Seitdem hat sich die Talfahrt des Ölpreises beschleunigt. Öl kostet deutlich weniger als 60 Dollar pro Fass und ist damit so billig wie seit fünfeinhalb Jahren nicht mehr. Für einige Ölproduzenten wie Russland und Venezuela stellt das ein großes Problem dar. Doch auch sie wollen ihre Förderung nicht drosseln.

Saudi-Arabien beharrt darauf, seinen Marktanteil von täglich 9,7 Millionen Barrel (je 159 Liter) zu verteidigen. Rohstoffhändler vermuten, dass das Königreich mit seiner günstigen Kostenstruktur sogar darauf setzt, Marktanteile von Konkurrenten außerhalb der Opec hinzuzugewinnen. Saudi-Arabien kann einen niedrigen Ölpreis sehr viel besser verkraften, weil die Ölförderung in dem Land vergleichsweise günstig ist. Es ist deutlich billiger, Öl aus der saudi-arabischen Wüste zu holen, als es in Permafrostböden zu fördern oder es durch Fracking zu gewinnen.

Dennoch geht die Regierung davon aus, dass der sinkende Ölpreis für ein Defizit von umgerechnet 38,6 Milliarden Dollar im Staatshaushalt sorgt. Die Ausgaben sollen trotzdem steigen.

Einige Analysten sind der Meinung, dass der Übergang von einem Herrscher zum nächsten die Politik des billigen Öls beenden könnte. Denn das Königshaus sei in einer solchen Phase besonders an Stabilität interessiert.

Vor diesem Hintergrund sorgt der Gesundheitszustand König Abdullahs am Ölmarkt für Gesprächsstoff. Saudi-Arabien ist eine absolute Monarchie ohne gewähltes Parlament. Der König ernennt die Minister, er setzt die Gesetze per Dekret in Kraft. Das bedeutet, dass ein neuer König die bisherige Politik nach Belieben ändern kann - und damit auch die Förderquoten senken könnte.

Abdullah herrscht seit fast 20 Jahren in Saudi-Arabien. 2012 war er zum dritten Mal am Rücken operiert worden. Im gleichen Jahr ernannte Abdullah seinen Halbbruder Salman zum saudischen Kronprinzen. Der 79-Jährige übernahm zahlreiche Amtsgeschäfte und gilt als aussichtsreichster Nachfolger auf den Thron.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen