Wirtschaft
Wenn der Ölpreis weiter sinkt, droht Russland eine tiefe Rezession. Entsprechende Notmaßnahmen werden vorbereitet.
Wenn der Ölpreis weiter sinkt, droht Russland eine tiefe Rezession. Entsprechende Notmaßnahmen werden vorbereitet.(Foto: picture alliance / dpa)

Opec erwartet steigende Preise: Russland fördert mehr Öl

Der niedrige Ölpreis reißt tiefe Löcher in die russische Staatskasse - da könnte man meinen, dass die Ölgesellschaften weniger fördern, um den Preis zu stabilisieren. Doch das Gegenteil ist der Fall.

Trotz des niedrigen Ölpreises hat Russland seine Fördermenge 2014 spürbar gesteigert. Im Land wurden knapp 527 Millionen Tonnen gewonnen, was 0,7 Prozent mehr als im Vorjahr seien, meldete die Agentur Interfax. Das ist der höchste Wert seit dem Ende der Sowjetunion 1991. Mehr als ein Drittel des Jahreswertes - rund 191 Millionen Tonnen - förderte der Staatskonzern Rosneft. Die Gasproduktion sank im vergangenen Jahr dagegen um 4,2 Prozent auf gut 640 Milliarden Kubikmeter.

Vor allem kleinere Privatfirmen hätten zugelegt. Da sich Russland wegen der Strafmaßnahmen von EU und USA im Ukraine-Konflikt verstärkt in Asien nach Kunden umschaut, wuchs der Export nach China um 43 Prozent auf den Rekordwert von 22,6 Millionen Tonnen. Auch wegen des Ölpreisverfalls halbierte sich das Wachstum der Produktion allerdings. Für dieses Jahr rechnet das Ministerium mit einem Rückgang von 0,3 Prozent auf 525 Millionen Tonnen.

Dem russischen Staat gehören mehr als 50 Prozent der heimischen Ölindustrie, Rohstoffexporte sind seine entscheidende Einnahmequelle. Der rapide Fall des Ölpreises um rund 45 Prozent innerhalb eines halben Jahres reißt jedoch Löcher in den Staatshaushalt und verschärft die Wirtschaftskrise im größten Land der Erde.

Öl so billig wie seit 1981 nicht mehr

Nach dem Preissturz im zweiten Halbjahr 2014 ist Öl in Deutschland so billig wie seit 1981 nicht mehr, wenn die Geldentwertung einberechnet wird. Das teilte der Mineralölwirtschaftsverband (MWV) in Berlin mit. Ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent habe im Durchschnitt des vergangenen Jahres 73,79 Euro gekostet und damit real weniger als 1981 mit 79,60 Euro. Noch deutlich niedriger waren die Ölpreise allerdings in den späten 80er und in den 90er Jahren. Zum Jahresende 2014 sei der Preis auf 49 Euro gefallen.

Die großen arabischen Öl-Produzenten erwarten, dass er bis Ende des Jahres wieder ein wenig steigt. Preise zwischen 70 und 80 Dollar je Fass seien möglich, wie die  Nachrichtenagentur Reuters von Insidern erfuhr, geht die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) von einer entsprechenden Stabilisierung des Marktes aus. "Der Preis könnte einige Monate lang 60 Dollar berühren und sich dann erholen", sagte ein Delegierter, der namentlich nicht genannt werden wollte. 80 Dollar je Barrel sei "ein akzeptables Niveau".

Preis könnte 70 bis 80 Dollar erreichen

Ein weiterer Vertreter erklärte, im Durchschnitt dürfte der Preis im kommenden Jahr zwischen 70 und 80 Dollar liegen. Die Opec hatte sich bei ihrem Treffen Ende November trotz eines weltweiten Überangebots bei gleichzeitig schwächelnder Nachfrage gegen eine Senkung der Fördermenge entschieden. Noch kurz vor Weihnachten hatte Saudi Arabien noch einmal bekräftigt, die Fördermenge nicht zu erhöhen.

Langfristig dürfte der Ölpreis steigen, da die Nachfrage und der Verbrauch in den nächsten Jahrzehnten zunehmen werden. Öl ist mit einem Anteil von einem Drittel noch immer der wichtigste Energieträger. Damit hat es zwar relativ an Bedeutung verloren; vor 40 Jahren hat Öl noch fast die Hälfte des weltweiten Energieverbrauchs abgedeckt. Aber der Energieverbrauch steigt weltweit weiter an und damit auch der Verbrauch des wichtigen Rohstoffs. Nach der Prognose von BP erhöht er sich bis 2035 von heute 90 auf 109 Millionen Barrel pro Tag. Andere Prognosen sind niedriger, die Internationale Energie-Agentur (IEA) rechnet mit 104 Millionen Barrel bis 2040.

Quelle: n-tv.de

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