Wirtschaft
Am Amsterdamer Flughafen legt ein Mann Blumen nieder. Dort war das Flugzeug gestartet.
Am Amsterdamer Flughafen legt ein Mann Blumen nieder. Dort war das Flugzeug gestartet.(Foto: dpa)

"Schlecht fürs Geschäft": Absturz von MH17 macht Oligarchen Angst

Von Jan Gänger

Kontensperren, Einreiseverbote, sinkende Aktienkurse: Die Sanktionen des Westens treffen einige russische Oligarchen hart - und ihr Kreis wird wohl in Kürze größer. Für die Betroffenen ist das unerfreulich. Stellen sie sich gegen Putin?

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Während sich Wladimir Putin angesichts der Eingliederung der Krim bei der russischen Bevölkerung großer Beliebtheit erfreut, wächst bei einer einflussreiche Gruppe die Verzweiflung über den Kurs des Präsidenten. Sie bangen um das, was ihnen überaus kostbar ist: um ihr Vermögen.

Die Oligarchen des Landes seien nach dem mutmaßlichen Abschuss des malaysischen Flugzeugs "außer sich" berichtet die Nachrichtenagentur "Bloomberg" und beruft sich dabei auf "Analysten und Milliardäre". Die reichen Geschäftsmänner fürchten demnach weitere Sanktionen des Westens - würden sich aber aus Angst vor Repressalien öffentlich nicht gegen Putin stellen. "Was passiert, ist schlecht für Russland und schlecht fürs Geschäft", zitiert "Bloomberg" einen Milliardär, der anonym bleiben wollte. Der Präsident riskiere, ähnlich geächtet zu werden wie Weißrusslands Staatschef Aleksandr Lukaschenko. Und in einer solchen Gesellschaft lässt sich schlecht Geld verdienen.

Tatsächlich deutet vieles darauf hin, dass die USA und die Europäische Union ihre Sanktionen gegen Russland verschärfen. Den Anfang könnten die Europäer bereits am Dienstag beim Treffen der Außenminister machen: Strafen gegen ganze russische Wirtschaftszweige scheinen zwar nicht sofort bevorzustehen, doch könnten prominente russische Unternehmen auf der EU-Sanktionsliste landen.

Zudem hatten die Staats- und Regierungschefs der EU in der vergangenen Woche beschlossen, finanzielle Sanktionen sowie Einreiseverbote und Kontensperrungen gegen milliardenschwere Oligarchen zu verhängen, "die die verantwortlichen russischen Entscheidungsträger aktiv materiell oder finanziell unterstützen". Es ist durchaus möglich, dass in Kürze Namen genannt werden.

Geld fließt ins Ausland

In Brüssel sehen einige Diplomaten den mutmaßlichen Abschuss als etwas, mit dem die Karten völlig neu gemischt wurden. "Es würde drastische Konsequenzen haben, wenn es sicher ist, dass es die Rebellen waren, wirklich drastische Konsequenzen", sagte ein EU-Vertreter. US-Präsident Barack Obama nannte die Tragödie einen "Weckruf für Europa". Die große Zahl von niederländischen Opfern könnte ebenfalls dazu beitragen, dass sich die Dynamik innerhalb des 28-Staatenblocks ändert; bislang gehörten die Niederlande eher zu den Bremsern von Sanktionen gegen Russland.

Auch bei neuerlichen Sanktionen muss Putin wohl keinen Widerstand der Oligarchen fürchten, selbst wenn die Aktien ihrer Unternehmen weiter sinken, Vermögen im Ausland eingefroren wird und es immer schwieriger wird, Geschäfte mit dem Westen zu machen. "Die Wirtschaftselite ist entsetzt", sagte Politikwissenschaftler Igor Bunin, Chef des Moskauer Zentrums für Politische Technologie. Doch "ein Anzeichen von Rebellion, und sie werden in die Knie gezwungen." Auch der Unterstützung der Bevölkerung kann Putin derzeit sicher sein. Einer Umfrage des unabhängigen Lewada-Zentrums zufolge stieg die Zustimmung für den Präsidenten nach der Eingliederung der Krim auf 86 Prozent. Sie mag inzwischen gesunken sein, doch wird sie immer noch sehr hoch sein. 

Und so versuchen Oligarchen neben Politikern und Staatsbediensteten, einen Teil ihres Geldes außer Landes und damit in Sicherheit zu bringen. Nach Angaben der Zentralbank flossen im ersten Halbjahr fast 75 Milliarden Dollar netto aus Russland, doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum. Problematisch für sie ist dabei, dass ihr Vermögen im Ausland nicht unbedingt sicher ist. USA und EU haben bereits gegen einige von ihnen Kontensperren verhängt, Vermögenswerte eingefroren und Einreiseverbote erteilt. Es spricht viel dafür, dass die Liste der davon Betroffenen sehr viel länger wird. Und selbst Oligarchen können dem nur ohnmächtig zuschauen.

Quelle: n-tv.de

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