Wirtschaft
Der Hauptstadtflughafen hinterlässt einen großen Schatten auf Wowereits Biografie - er selbst spricht von seiner "größten Niederlage".
Der Hauptstadtflughafen hinterlässt einen großen Schatten auf Wowereits Biografie - er selbst spricht von seiner "größten Niederlage".(Foto: picture alliance / dpa)

Nach Rücktritt von Klaus Wowereit: Alle drücken sich vor dem BER-Chaos

Von Hannes Vogel

Klaus Wowereit beendet sein Engagement am Berliner Pannen-Flughafen so, wie er es begann: im Chaos. Wer ihm als Chefkontrolleur folgt, ist unklar. Alle Verantwortlichen drücken sich vor dem Horror-Job.

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Die Ära Klaus Wowereit ist vorbei. Nach 13 Jahren hat Berlins Regierender Bürgermeister angekündigt, sein Amt am 11. Dezember niederzulegen. Für viele ist sein Abgang überfällig, die Pannenserie am Hauptstadtflughafen hatte seine Beliebtheitswerte in den Keller gedrückt. Doch mit seinem Rückzug hat Wowereit womöglich am Airport BER eine neue Führungskrise ausgelöst.

Denn Wowereit hat zwar gesagt, dass er auch als Chefkontrolleur des Desaster-Projekts zurücktreten will. Eine klare Ansage, wann genau er beim BER den Abflug macht, hat er aber vermieden. Auch sein Sprecher wollte dazu auf Anfrage nichts sagen. Fragen dazu, wer nun am BER das Ruder übernehmen soll, wollte er nicht beantworten: Die Nachfolge im Aufsichtsrat sei momentan nicht die erste Priorität auf Wowereits Tagesordnung. Kein Wunder also, dass die anderen Kontrolleure vom Entschluss des Regierenden überrumpelt wurden. Sie mussten die Nachricht aus der Presse erfahren.

Schockstarre am Pannen-Flughafen

Seit Wowereits Rückzug am Dienstag stecken die Eigentümer des Pannenflughafens in einer Art Schockstarre. Sie schweigen sich dazu aus, wie es weitergeht oder schieben sich gegenseitig den Schwarzen Peter zu: Man sei nicht Mehrheitseigner des Airports und gehe davon aus, dass das Land Berlin bald einen Vorschlag machen werde, wer Wowereit nachfolgt, teilt das Verkehrsministerium mit.

Auch hier will man zur Sache keine Stellung nehmen - auch nicht zu der, ob der Bund selbst künftig den Vorsitz des Kontrollgremiums beanspruchen will. Die Flughafengesellschaft selbst spielt den Ball an Wowereit zurück: Dessen Sprecher habe zu dem Thema gesagt, was derzeit zu diesem Thema gesagt werden kann, heißt es lapidar.

Es ist nicht zu erwarten, dass sich bald entscheidet, wer das festgefahrene Projekt retten soll. Brandenburg steckt mitten im Landtagswahlkampf, bis zum Urnengang am 14. September sind keine Initiativen zu erwarten: Man wolle dem Wählervotum und dem Ergebnis der Koalitionsverhandlungen nicht vorgreifen, teilt die Potsdamer Staatskanzlei mit. Alles Weitere werde zu gegebener Zeit entschieden.

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Auch Wowereits potentielle Nachfolger in Berlin reißen sich nicht gerade um den Job: Raed Saleh, der Vorsitzende der Berliner SPD-Fraktion, wollte sich auf Anfrage nicht dazu äußern, ob er selbst die Führung des BER-Aufsichtsrats beanspruchen will, falls die Berliner SPD-Basis ihn zu Wowereits Nachfolger kürt. Und auch sein Herausforderer Jan Stöß weicht der Frage aus: "Jetzt geht es erst einmal um das anspruchsvolle Amt des Regierenden Bürgermeisters. Dass die Lösung der Probleme des BER da ganz weit oben im Pflichtenheft stehen, ist eine Selbstverständlichkeit", sagt der Berliner SPD-Chef wolkig. Auch Verkehrssenator Michael Müller hält sich im rbb bedeckt.

Saleh, Stöß und Müller müssen dem Wähler beweisen, dass sie Berlin genauso gut regieren können wie Wowereit. Das festgefahrene Pannen-Projekt ist kaum eine ideale Bewährungschance. Keiner von beiden dürfte als erste Amtshandlung die Verantwortung für den Chaos-Airport übernehmen wollen.

Wer soll den Horror-Job machen?

Niemand will den Horror-Job mehr machen - und das nicht erst seit gestern. Wowereit fiel der Spitzenposten im Dezember nur erneut in den Schoß, weil sich kein anderer mehr finden ließ. Wem seine politische Karriere etwas bedeutet, der hält längst Abstand von Führungsaufgaben beim BER. Brandenburgs Landesschef Dietmar Woidke schickte nach seinem Amtsantritt lieber seinen Staatssekretär Rainer Bretschneider vor, als selbst im Chefsessel Platz zu nehmen.

Alle Verantwortlichen schieben die Entscheidung über Wowereits Nachfolge auf. Für den Desaster-Flughafen ist das ein Riesenproblem: Er dümpelt wochenlang praktisch führungslos vor sich hin - nachdem er sich bereits seit Monaten rar gemacht hat, dürfte von Wowereit nun erst recht kein Einsatz mehr zu erwarten sein. Dabei wäre gerade jetzt Führung gefragt: Der BER kämpft nicht nur mit der Belüftungsanlage und skandalöser Fehlplanung, sondern auch noch mit einer Korruptionsaffäre.

Eine neue Führungskrise ist sicher das Letzte, was er noch braucht. Falls es bis zur nächsten planmäßigen Sitzung am 12. Dezember keine Entscheidung gibt, greift immerhin eine Notlösung: Bei Verhinderung des Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus Wowereit wird die Sitzung von seinem Stellvertreter geleitet - Rainer Bretschneider. Einen Nachfolge-Automatismus gibt es aber nicht. Satzungsgemäß endet Wowereits Mandat erst 2018. 

Quelle: n-tv.de

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