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Nicht Technikpannen, sondern Flughafenchef Hartmut Mehdorn (l.) und Chefaufseher Klaus Wowereit sind Schuld am BER-Desaster.
Nicht Technikpannen, sondern Flughafenchef Hartmut Mehdorn (l.) und Chefaufseher Klaus Wowereit sind Schuld am BER-Desaster.(Foto: picture alliance / dpa)

Korruption und Chaos am BER: Flughafenchef Mehdorn muss weg

Ein Kommentar von Hannes Vogel

Zwei Jahre nach der geplatzten Eröffnung prüfen Ermittler nun auch noch Korruption am Berliner Chaos-Airport. Schuld am Desaster sind längst keine Technikpannen mehr. Sondern Flughafenchef Mehdorn. Und Chefaufseher Wowereit.

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Die Symbolik könnte kaum größer sein. Genau heute vor zwei Jahren hätte der neue Berliner Großflughafen eröffnet werden sollen. Die ganze Welt lacht seitdem über den Desaster-Airport. Man könnte meinen, dass seitdem alles getan wurde, um das Pannenprojekt zu retten. Doch zwei Jahre später ist nicht nur immer noch kein Eröffnungstermin in Sicht.

Zwei Jahre später tagt zum ersten Mal eine Taskforce, die Korruptionsvorwürfe auf der Chaos-Baustelle untersuchen soll. Externe Ermittler einzuschalten ist richtig, kann aber nicht über das grandiose Versagen der Verantwortlichen hinwegtäuschen. Zuallererst von Flughafenchef Mehdorn. Und von Chefaufseher Klaus Wowereit.

Mehdorn hat Selbstbedienungsladen geschaffen

Mehdorn hat zwar in der Korruptionsaffäre schnell gehandelt, die Staatsanwaltschaft eingeschaltet und seinen Technikchef Jochen Großmann unmittelbar nach den Vorwürfen beurlaubt. Doch die Idee, externe Prüfer zu holen, kam nicht von ihm. Zudem hat er Großmann erst eingestellt und ihm dann freie Hand gelassen. Schon seit Sommer arbeitete Großmann an der Umplanung der zentralen Brandschutzanlage. Mehdorn ist verantwortlich dafür, dass sich Großmann als externer Berater dabei weitgehend selbst kontrollieren und Aufträge vergeben durfte, bei denen der Technikchef dann die Hand aufgehalten haben soll.

Mehdorn hat zugelassen, dass Großmann die Brandschutzanlage zum "Monster" stilisieren konnte, womöglich nicht nur aus technischen Gründen, sondern um einen lukrativen Großauftrag für seine Firma Gicon an Land zu ziehen. Mehdorn hat den Flughafen zu einem Selbstbedienungsladen gemacht, in dem Großmann dann mutmaßlich zugreifen konnte. Seinen Immobilienverantwortlichen Harald Siegle hat Mehdorn dagegen gefeuert, nachdem er schon im März in einem Brandbrief Großmanns dubiose Rolle kritisiert hatte.

Doch nicht nur in der Korruptionsaffäre hat der Flughafenchef versagt. Mit reichlich Selbstbewusstsein wollte Mehdorn als der Retter dastehen, der den Karren aus dem Dreck zieht. Mit seiner hemdsärmeligen Art hat er wichtige Experten verprellt. Technikchef Horst Amann feuerte er schon sechs Monate nach seinem Antritt. Statt Probleme zu lösen, gerierte er sich als Alleinherrscher und verwickelte sich in egozentrische Machtkämpfe.

Der BER gerät in die Crashzone

Seit über einem Jahr ist Mehdorn nun im Amt, aber noch immer gibt es keinen Finanzplan, geschweige denn einen Eröffnungstermin für den Flughafen. Das einzige, was Mehdorn beschleunigt hat, waren Pläne für die Teileröffnung des Airports, die am Ende grandios scheiterten. Nun legen ihn die Kontrolleure endlich an die Leine. Es ist die Höchststrafe für das Alphatier Mehdorn: Die externen Prüfer sollen an ihm vorbei direkt an den Aufsichtsrat berichten.

Dass sich dadurch etwas verbessert, ist allerdings nicht zu hoffen. Denn dort klammert sich der zweite Versager an seinen Stuhl: Chefaufseher Klaus Wowereit. Den holte die Korruptionsaffäre in China ein. Wowereit stellte sich hinter seinen Flughafenmanager Mehdorn, forderte "restlose Aufklärung", und ging dann zum Reiseprogramm über. Management by Helicopter. Kein Vorschlag zur Lösung der Krise. Geschweige denn ein einziges Wort zu seiner eigenen Verantwortung in der Affäre.

Der Flughafen gerät durch das Führungsversagen Mehdorns und Wowereits ernsthaft in die Crashzone. Der BER ist kein Pannenprojekt mehr, sondern ein politischer Supergau ersten Ranges. Längst sind es nicht mehr technische Fehler wie die defekte Entrauchungsanlage, die das Großprojekt blockieren. Sondern das fatale Missmanagement seiner Führungsmannschaft. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Baustelle am Ende abgewickelt werden muss. Die Finanzierung wackelt. Die Banken drohen, den Geldhahn zuzudrehen. Mehdorn und Wowereit sind nur noch im Amt, weil wirklich niemand mehr ihren Horrorjob übernehmen will. Und weil deshalb ihr Abgang die Krise, die sie geschaffen haben, noch verschärfen würde.

Quelle: n-tv.de

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