Wirtschaft
Dürren treiben den Preis für Mais.
Dürren treiben den Preis für Mais.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Finanzprodukte auf Nahrungsmittel: Allianz spekuliert weiter

Wie die Deutsche Bank wird die Allianz nicht auf Finanzprodukte verzichten, die auf Agrarrohstoffen beruhen. Die Terminkontrakte sorgten nicht für mehr Hunger, sondern nutzten der Landwirtschaft, betont der Konzern – und verweist auf entsprechende Studien.

Die Allianz springt der Deutschen Bank in der Debatte über Finanzspekulationen mit Nahrungsmitteln zur Seite und sieht die Politik am Zug. Die Allianz sei zu dem Schluss gekommen, dass ihre Investitionen an den Agrar-Terminbörsen der Landwirtschaft und der Ernährungslage weltweit nutzten und nicht zum Hunger beitrügen, sagte Vorstandsmitglied Jay Ralph.

Das Unternehmen gehört zu den größten Investoren überhaupt und ist auch an den Derivatemärkten für Rohstoffe aktiv. Auch 40 unabhängige Wissenschaftler warnten vor Forderungen von Organisationen wie Foodwatch oder Oxfam, solche Spekulationen zu verbieten, sagte der Vorstand.

Die Politik müsse mit Unterstützung der Wissenschaft eine sachliche Debatte und eine neutrale Klärung der Sache ermöglichen, appellierte Ralph an die Bundesregierung. "Sonst laufen wir Gefahr, Entscheidungen voranzutreiben, die den Menschen schaden." Mit den Terminkontrakten, in die die Allianz investiert, würden Preisschwankungen geglättet, so dass die Landwirtschaft trotz schwankender Ernten mit stabileren Preisen kalkulieren könne. "Je mehr Angebot und Wettbewerb es für solche Kontrakte gibt, umso günstiger wird die Risikoprämie", sagte ein Allianz-Sprecher. Die Allianz verdiene bei hohen und niedrigen Preisen Geld.

Die Deutsche Bank hatte sich trotz vehementer Kritik von Verbraucherschützern entschieden, weiter mit Nahrungsmittel-Spekulationen Geld verdienen zu wollen. Co-Vorstandschef Jürgen Fitschen sagte, Untersuchungen hätten kaum stichhaltige Belege für einen Zusammenhang dieser Geschäfte mit dem Hunger in der Welt erbracht - im Gegenteil. "Deshalb hat die Deutsche Bank entschieden, dass sie im Interesse ihrer Kunden weiterhin Finanzinstrumente auf Agrarprodukte anbieten wird", sagte er. Die Bank hatte die Folgen seit knapp einem Jahr geprüft und den Verkauf von Anlageprodukten auf Grundnahrungsmittel so lange gestoppt.

Aigner hält sich zurück

Eine Sprecherin von Agrarministerin Ilse Aigner wollte sich nicht zur Entscheidung der Deutschen Bank äußern. "Uns fehlen auch die Hintergründe zu den Produkten, die da angeboten werden sollen", sagte sie. Sie verwies auf einen Aktionsplan der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer, der vor allem auf mehr Transparenz über die Spekulationen abzielt. "Es ist grundsätzlich so, dass wir in den vergangenen Jahren alarmierende Achterbahnfahrten auf den Rohstoffmärkten beobachten konnten. Da gab es Fehlentwicklungen." Zu den Ursachen zählten neben der wachsenden Weltbevölkerung die hohen Produktionskosten. Aber auch die Finanzmarktspekulationen zählten dazu.

Der Chef der Welternährungsorganisation FAO, Jose Graziano da Silva, fordert dagegen ein schärferes Vorgehen: "Ich bin für eine stärkere Regulierung, insbesondere des Derivatemarktes, der die Preise für Agrarrohstoffe extrem beeinflusst", sagte er den Zeitungen der WAZ-Gruppe. Hedgefonds spielten dabei eine wichtige Rolle. Ohne eine eindeutige Regulierung drückten sie etwa bei steigenden Preisen das Niveau weiter nach oben. Dies helfe niemandem und führe zu Inflation.

Der Wirtschaftsethiker Ingo Pies von der Universität Halle-Wittenberg sagte dagegen: "Hungerkrisen sind nicht finanzwirtschaftlich verursacht, sondern haben realwirtschaftliche Ursachen." Der Professor untersuchte 35 Forschungsarbeiten über den Einfluss von Finanzspekulationen auf die Agrar-Rohstoffmärkte. "Weder die Volatilität noch das Preisniveau sind durch Finanzspekulationen signifikant gestiegen", sagte Pies.

So seien die Spekulationen auf Weizen zwischen 2004 und 2006 massiv gestiegen. Die Preise seien aber erst zwischen 2007 und 2008 nach oben gegangen. "Die Terminmärkte waren Bote der Nachricht, dass es realwirtschaftlich knapp wird. Sie waren nicht der Verursacher", sagte Pies. Um den Hunger in der Welt wirkungsvoll zu bekämpfen, müssten neue Prioritäten in der Entwicklungspolitik gesetzt werden. Dazu gehörten Investitionen in moderne Anbautechniken.

Quelle: n-tv.de

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