Wirtschaft
(Foto: REUTERS)

Unsichere Zeiten: Am Anleihenmarkt braut sich was zusammen

Von Egmond Haidt

Nicht nur an den Aktienmärkten geht es zu Sache: Starke Wirtschaftsdaten aus den USA setzen den Anleihen zu. Auch an anderen Rentenmärkten könnte es zu Turbulenzen kommen - doch aus anderen Gründen als die Anleger erwarten.

Trendwende am US-Anleihenmarkt? Nachdem die Zinsen für zehnjährige Anleihen zwischenzeitlich bis auf 2,45 Prozent abgerutscht waren, sind sie nach den jüngsten Konjunkturdaten bis auf 2,62 Prozent nach oben geschossen. Grund war das überraschend starke Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal. So war die Wirtschaft um annualisiert vier Prozent gewachsen und damit deutlich stärker als erwartet. Investoren gehen nun davon aus, dass die Konjunktur besser läuft als erwartet, weshalb die US-Notenbank möglicherweise schon früher die Zinsen anheben könnte.

Bei all der Euphorie vergessen viele Investoren offenbar, dass das nur die erste Schätzung für das Wirtschaftswachstum war, und bei der anschließenden zweiten und dritten Schätzung die Daten üblicherweise nach unten korrigiert werden. Nachdem die erste Schätzung für das erste Quartal 2014 noch ein Wachstum von annualisiert 0,1 Prozent gezeigt hatte, steht nach der jüngsten Revision der Daten nun ein Rückgang um 2,1 Prozent zu Buche - eine große Lücke.

Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass die nächsten Schätzungen für das zweite Quartal deutlich gesenkt werden. Denn das Ministerium hat die Daten zu den Lagervorräten und zum Außenhandel geschätzt. Diese Daten könnten aber ebenso wie jene zu den Investitionen der Unternehmen deutlich schwächer sein als bislang erwartet. Denn die US-Unternehmen investieren kaum, sondern geben das Geld über Aktienrückkäufe und Dividenden an die Aktionäre weiter.

Schuldenberg verhindert Zinserhöhungen

In den vergangenen Jahren haben die privaten Haushalte ihre Schulden etwas abgebaut. Dafür haben die Unternehmen außerhalb des Finanzsektors umso mehr Schulden gemacht. Der private Sektor steht mit 42,6 Billionen Dollar in der Kreide. Das sind herbe 250 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Ein Zinsanstieg um lediglich 100 Basispunkte würde zu Zinsbelastungen von 426 Milliarden Dollar führen. Das sind 2,5 Prozent des BIP. Angesichts dieser Zahlen kann Fed-Chef Janet Yellen keinerlei Interesse an höheren Zinsen haben.

Zuletzt hat die Fed daher auf die Unterauslastung am Arbeitsmarkt hingewiesen und damit angedeutet, dass schnelle Zinserhöhungen nicht bevorstünden. Auch Zinsen von 2,6 Prozent für zehnjährige Anleihen zeigen an, wie skeptisch Investoren die Konjunkturperspektiven einschätzen. Denn abzüglich der aktuellen Inflation von 2,1 Prozent bedeutet das, dass das Wirtschaftswachstum in den nächsten zehn Jahren bei durchschnittlich lediglich 0,5 Prozent pro Jahr erwartet wird. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass nach dem kurzen Ausschlag nach oben, die Zinsen schon bald wieder auf Talfahrt gehen werden.

Europa drücken hohe Schulden

Im Gegensatz zu den USA sind die Zinsen in der Eurozone auf neue Rekordtiefs gesunken, dabei stecken etliche Länder tief im Schuldenschlamassel. So sind die Staatschulden in der Eurozone zuletzt auf den Rekord von 9,06 Billionen Euro gestiegen. Das sind 93,9 Prozent der Wirtschaftsleistung – ebenfalls neuer Negativrekord. Neben den Staatsschulden sind auch die Schulden des privaten Sektors in etlichen Ländern besorgniserregend. So steht der private Sektor in Frankreich mit 160 Prozent des BIPs in der Kreide. In Spanien beläuft sich der Vergleichswert auf mehr als 200 Prozent des BIPs. Investoren ignorieren jedoch die Fundamentaldaten und setzen darauf, dass die EZB die Geldpolitik immer weiter lockert, zumal die Inflation in der Eurozone zuletzt auf 0,4 Prozent gesunken ist.

Entgegen den Erwartungen vieler Experten könnten die Zinsen in den USA schon bald wieder nach unten drehen und damit im Einklang mit jenen aus der Eurozone auf Talfahrt gehen. Dann würde den Investoren klar werden, wie schwach die Konjunktur diesseits und jenseits des Atlantiks ist. In diesem Fall könnte es auch zu weiteren Turbulenzen am Aktienmarkt kommen.

Quelle: n-tv.de

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