Wirtschaft

Nach dem Regierungsinfarkt im Schuldenkrieg: Amerika fährt wieder hoch

Von Hannes Vogel

Die Staatsdiener kehren zur Arbeit zurück, nun werden die Kosten des "Shutdown" der US-Regierung sichtbar: Millionen E-Mails stauen sich, hunderttausende Jobs sind vernichtet, die US-Notenbank könnte ihre Geldpolitik ändern - und im Garten des Weißen Hauses verrottet das Gemüse der First Lady.

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Ein Gutes hatte die ganze Sache am Ende dann doch noch für die Beamten im William Jefferson Clinton Building in Washington. Am Morgen nachdem Präsident Obama den Waffenstillstand im Schuldenkrieg zwischen Republikanern und Demokraten unterzeichnet hatte, begrüßte Joe Biden die Mitarbeiter der US-Umweltbehörde EPA in dem Gebäude zurück an ihrem Arbeitsplatz. Der Vizepräsident der USA brachte persönlich ein paar Muffins vorbei. Immerhin. In den letzten 16 Tagen Zwangsurlaub gab es für die Staatsdiener ja auch wenig zu lachen. Genau wie für den Rest des Landes.

24 Milliarden Dollar hat der "Shutdown" die USA laut der Ratingagentur Standard & Poors gekostet. In der Tourismusbranche gingen täglich 152 Millionen Dollar verloren. 0,6 Prozent Wirtschaftswachstum sind im vierten Quartal wegen der Sturheit von Republikanern und Demokraten im Kongress einfach verpufft. Hunderttausende Jobs sind vernichtet. Nun fährt Amerika wieder hoch. Beamte bekommen ihre Gehälter nachträglich. Doch mit Zahlen lassen sich die Folgen des Regierungsinfarkts kaum beschreiben.

Die Mitarbeiter der Nationalparks sammeln Müll ein, der sich über die zwei Wochen in Parkanlagen angehäuft hatte. Vor dem berühmten Luft- und Raumfahrtmuseum in Washington stehen Touristen Schlange. Auch die beliebte Webcam des Nationalzoos, die rund um die Uhr ein Panda-Baby und dessen Mutter filmt, ging wieder auf Sendung, ebenso wie die Webseite der NASA.

In der Bucht von San Francisco setzten erstmals seit Wochen Fähren auf die berühmte frühere Gefängnisinsel Alcatraz über. In der Sierra Nevada nutzten Tausende Touristen die Gelegenheit, den Yosemite-Park wieder zu besuchen. Selbst im öffentlichen Nahverkehr war das Ende des Regierungsstillstands zu bemerken. Die U-Bahn in Washington fuhr zwei Wochen lang mit kürzeren Zügen, weil die Zahl der Passagiere um rund 20 Prozent zurückgegangen war.

Datengau durch Dauerstreit

Die Folgen werden noch lange zu spüren sein: In der Machtzentrale der Welt ist vieles liegengeblieben. Akten stapeln sich, unbeantwortete E-Mails gehen in die Millionen. Zeitpläne sind völlig durcheinandergeraten. Im Garten von First Lady Michelle Obama verrottete sogar das Gemüse, wie es hieß, weil die Gärtner nicht arbeiten durften.

Überall in den USA fehlen nun wichtige Daten: Mit Regierungsgeld geförderte klinische Studien mussten ausgesetzt werden. In Zeitreihen der Klima- und Krebsforschung klaffen Lücken. Viele Regierungsstellen konnten 16 Tage lang keine Statistiken pflegen, ein Dutzend Indikatoren fiel aus. Die Arbeitsmarktzahlen für September erscheinen nun erst am Dienstag, zweieinhalb Wochen später.

Das könnte nun sogar Folgen für die US-Geldpolitik haben: Die US-Notenbank hat ihren Ausstieg aus der Politik des billigen Geldes an eine nachhaltige Erholung der US-Wirtschaft geknüpft. Erst wenn die Arbeitslosenquote dauerhaft ein erträgliches Niveau erreicht hat, wollen die Währungshüter ihre milliardenschweren monatlichen Geldspritzen für die Konjunktur langsam zurückfahren.

Weil nun aber die Daten fehlen und das Wirtschaftswachstum unter dem Stillstand der Regierung empfindlich gelitten hat, könnten die Notenbanker den Politikwechsel verschieben.  Bis Ende des Jahres haben Washingtons Politiker nun Zeit, eine Lösung im Schuldenkrieg zu finden. Am 15. Januar läuft der Übergangshaushalt aus. Am 7. Februar reißen die USA wieder die Schuldengrenze. Dann geht das Spiel vorn vorne los. Vielleicht lassen sich die Republikaner ja mit ein paar Muffins überzeugen.

Quelle: n-tv.de

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