Wirtschaft
Ausnahmezustand in der belgischen Hauptstadt: Pendler warten auf die Freigabe des Zentralbahnhofs.
Ausnahmezustand in der belgischen Hauptstadt: Pendler warten auf die Freigabe des Zentralbahnhofs.(Foto: REUTERS)

Brüsseler Flughafen geschlossen: Anschläge lösen Verkehrschaos aus

Die Vorfälle in der belgischen Hauptstadt treffen den europäischen Fernverkehr an empfindlicher Stelle: Am Flughafen und den Fernbahnhöfen sitzen Tausende Reisende fest. Noch ist unklar, wann der Flugbetrieb wieder aufgenommen werden kann.

Nach den Terroranschlägen in Brüssel bleibt der internationale Flughafen Zaventem noch bis mindestens Mittwoch 12.00 Uhr geschlossen. Das teilte das nationale Krisenzentrum in Brüssel mit. Laut der Nachrichtenagentur Belga könnten die Flugzeuge noch den gesamten Mittwoch am Boden bleiben. Die Agentur zitierte den Flughafenchef damit, dass eine Wiedereröffnung für Donnerstag geprüft werde.

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Am Tag der Anschläge in der Abfertigungshalle und in einer Metro-Station in der Brüsseler Innenstadt mussten rund 500 Flüge, die der Brüsseler Flughafen eigentlich hätte abfertigen sollen, komplett gestrichen werden. 50 weitere Flüge wurden kurzfristig umgeleitet, unter anderem auch nach Frankfurt am Main.

Bahn setzt Brüssel-Verbindungen aus

Die Deutsche Bahn unterbricht wegen der Anschläge ihren Fernverkehr in die belgische Hauptstadt. Die Fahrplanänderungen gelten zunächst für Dienstag und Mittwoch. Betroffen seien am Mittwoch die geplanten drei ICE-Verbindungen von Köln über Aachen nach Brüssel und zurück, sagte eine Unternehmenssprecherin. Die Züge fahren demnach nur bis Aachen und kehren dort um. Diese Regelung hatte die Bahn bereits für Dienstag getroffen.

Ob die Züge am Donnerstag wieder planmäßig fahren können, soll der Sprecherin zufolge am Mittwoch entschieden werden. Kunden, die Tickets für Fahrten mit Start oder Ziel Brüssel besitzen, können sich diese kostenlos erstatten lassen. Diese Kulanzregelung gilt der Sprecherin zufolge für gebuchte Fahrten bis einschließlich Montag, den 11. April.

Tausende Reisende betroffen

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Die Thalys-Hochgeschwindigkeitszüge sollen am Mittwoch ihre nach den Brüsseler Anschlägen unterbrochenen Fahrten wieder aufnehmen. Der Verkehr werde im gesamten Thalys-Netz mit Ausnahme weniger Züge sichergestellt, teilte das Unternehmen am Abend mit. Die Züge fahren unter anderem von Nordrhein-Westfalen über Brüssel nach Paris.

Nach den Anschlägen im Brüsseler Flughafen und einer Metrostation hatte das Unternehmen den Verkehr vollständig unterbrochen, nur am Abend sollten zwei Züge zwischen Paris und Brüssel fahren. Die Eurostar-Züge zwischen London und Brüssel sollen am Mittwoch ebenfalls zum normalen Verkehr zurückkehren, wie das Unternehmen ankündigte.

In der belgischen Hauptstadt kam der öffentliche Nahverkehr am späten Nachmittag langsam wieder in Gang. Die Metrolinien 2 und 6, die im Ring um die Innenstadt führen, sollten sobald wie möglich wieder bedient werden, teilte das nationale Krisenzentrum in Brüssel mit. An die Bürger gerichtet hieß es auf der Website: "Jeder ist gebeten, weiterhin wachsam zu bleiben."

Berufspendler hängen fest

Die Brüsseler Verkehrsbetriebe Stib kündigten an, dass die Tramlinie 93 am Nachmittag wieder in Betrieb genommen werden sollte. Sie durchquert die Stadt von Nordwesten nach Südosten. Zudem sollten mehrere Nacht-Buslinien, die vom Zentralbahnhof (Gare Centrale) östlich der Innenstadt abgehen, bedient werden.

Erleichterung gab es am Nachmittag für Pendler: Der Zugverkehr ins Umland rollte am Nachmittag wieder an, die Bahnhöfe Schuman und Luxembourg im EU-Viertel wurden aber vorerst nicht angefahren, ebenso der Flughafenbahnhof. Das Bahnunternehmen SNCB warnte Reisende auf Twitter vor langen Wartezeiten. Das Krisenzentrum schrieb, neben dem Sicherheitsunternehmen Securail seien Polizei und Armee im Einsatz.

In Brüssel waren am Morgen durch Bombenanschläge am Flughafen und in der U-Bahn-Station Maelbeek im EU-Viertel mehr als 30 Menschen getötet und mehr als 200 verletzt worden. Im Gebäude des Brüsseler Flughafens wurde nach einem Bericht des belgischen Senders RTBF eine dritte Bombe gefunden und entschärft.

Notunterkünfte für Flugreisende

Zuvor waren in dem Gebäude am Morgen zwei Sprengsätze detoniert, mindestens 14 Menschen wurden getötet. Der Verantwortliche eines Krankenhauses im nahe gelegenen Löwen sagte laut dem Sender VTM, die Sprengsätze am Flughafen seien mit Nägeln präpariert gewesen. Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Belga wurde außerdem eine Kalaschnikow in der Abflughalle entdeckt.

Für etwa 1300 Reisende, die durch die Anschläge am Brüsseler Flughafen festsaßen, wurden derweil Massenunterkünfte mit Feldbetten organisiert, wie Belga weiter berichtete. Sie können die Nacht in einer Turnhalle im nahen Ort Zaventem verbringen, in einer Kaserne im nahen Peutie oder in einem Veranstaltungszentrum im zwanzig Kilometer entfernten Löwen.

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Quelle: n-tv.de

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