Wirtschaft
Blick über eine Goldmine. Wie geht es hier im kommenden Jahr weiter?
Blick über eine Goldmine. Wie geht es hier im kommenden Jahr weiter?(Foto: REUTERS)

Crash beim Goldpreis, na und?: Antizyklische Anleger kaufen Minenaktien

Goldminenaktien haben sich 2013 noch schwächer als der Goldpreis entwickelt. Die Vermögensverwalter Martin Mack und Herwig Weise halten das Crashniveau für eine gute Gelegenheit, einzusteigen.

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Gold hat seit Anfang 2013 rund Drittel an Wert verloren. Damit gehört das Edelmetall zu den schwächsten Anlageklassen dieses Jahres. Nur Goldminenaktien entwickelten sich noch schlechter. Gemessen am HUI-Index, der die größten Gold schürfenden Bergbauunternehmen der Welt umfasst, hat der Preis sich im Jahresverlauf im Durchschnitt mehr als halbiert.

Der Crash der Goldminenaktien ist nicht unbegründet. Für antizyklische Investoren mit Risikotoleranz sind sie auf dem jetzigen Niveau aber durchaus interessant. Im Zuge der Edelmetall-Hausse seit dem Jahr 2000 durchlebte der Sektor einen wahren Goldrausch. Minengesellschaften übernahmen Konkurrenten gewissermaßen zu jedem Preis. Die Suche und Erschließung neuer Lagerstätten fand ebenfalls fast ohne jegliche Kostendisziplin statt. Dadurch stieg die Gewinnschwelle, also der Preis pro Unze (31,1 Gramm), ab dem sich die Produktion rechnet, deutlich an. Gleichzeitig erhöhten sich die Schulden der entsprechenden Unternehmen spürbar. Die Folge waren gekürzte oder gestrichene Dividenden. Als der Goldpreis ab Ende 2011 nach unten korrigierte, mussten alleine die vier Konzerne Barrick Gold, Goldcorp, Newmont Mining und Kinross Abschreibungen auf ihre Reserven von rund 20 Milliarden US-Dollar vornehmen. Zahlreiche Unternehmen schrieben rote Zahlen – ihre Aktienkurse brachen ein.

Minensterben mit Ansage

Martin Mack und Herwig Weise verantworten gemeinsam den antizyklisch investierenden Aktienfonds M&W Capital sowie den vermögensverwaltenden Mischfonds M&W Privat.
Martin Mack und Herwig Weise verantworten gemeinsam den antizyklisch investierenden Aktienfonds M&W Capital sowie den vermögensverwaltenden Mischfonds M&W Privat.

Hintergrund der Misere war der jahrelange Anstieg der durchschnittlichen Förderkosten. Nach einer Verdreifachung innerhalb von nur sechs Jahren kletterten sie 2012 mit 1.212 US-Dollar pro Unze auf einen absoluten Spitzenwert. Die Minenbetreiber reagierten verspätet, begannen aber schließlich, kostspielige Minenprojekte stillzulegen. Im laufenden Jahr sind die durchschnittlichen Förderkosten dadurch erstmals wieder gesunken – auf 1.126 US-Dollar pro Unze. Im kommenden Jahr werden sie voraussichtlich weiter in den Bereich von rund 1.000 US-Dollar fallen. Selbst noch auf diesem Niveau arbeiten längst nicht alle Goldproduzenten profitabel. Die Gründe dafür sind, dass es sich einerseits um Durchschnittskosten handelt - das bedeutet, dass bei einem Teil der Gesellschaften die Gewinnschwelle höher und bei anderen tiefer liegt. Andererseits lassen die Bergbaubetriebe bei ihren Berechnungen der Gesamtkosten wichtige Bestandteile wie zum Beispiel Steuern oder Verhüttungs- und Raffineriekosten gerne außen vor. Die gesamten Förderkosten liegen insgesamt also höher als die genannten Durchschnittswerte.

Rund ein Fünftel der Goldproduzenten aus den wichtigen Förderländern USA und Kanada arbeitet bei einem Goldpreis von 1.250 US-Dollar unprofitabel. Sollte der Preis - wie von Goldman Sachs prognostiziert - im kommenden Jahr auf 1.050 US-Dollar sinken, ist mit einem umfangreichen Minensterben zu rechnen. Umgekehrt gibt es zahlreiche Produzenten, die erfolgreich restrukturiert und dadurch ihre Kosten nachhaltig gesenkt haben. Diese verdienen auf dem derzeitigen Goldpreisniveau gutes Geld. Die Kursfantasie der entsprechenden Goldminenaktien beruht dennoch in erster Linie auf einer Erholung der Edelmetallpreise.

Papiergeldmengen wachsen weiter

Als Auslöser für eine mögliche Trendwende beim Goldpreis kommt insbesondere die Geldpolitik der internationalen Notenbanken infrage. Diese haben ihre Bilanzen seit 2007 um mehr als 12 Billionen US-Dollar ausgeweitet. Die ausufernde Staatsverschuldung bleibt ebenfalls ein Problem. Dies gilt insbesondere, wenn man die demografische Entwicklungen und die nicht ausfinanzierten Zahlungsverpflichtungen der Staaten in die Berechnung der Staatsschulden mit einbezieht.

Nach den Berechnungen von Lawrence Kotlikoff, dem ehemaligen Berater von Präsident Bill Clinton, beläuft sich der tatsächliche Schuldenberg der USA auf unvorstellbare 205 Billionen US-Dollar. Selbst nach offiziellen Angaben ist die Staatsschuld der USA in den vergangenen zwölf Jahren um fast 200 Prozent von 5,8 auf aktuell 17,3 Billionen US-Dollar gestiegen. Allein in diesem Jahr nahm die Menge an US-Dollar um 35 Prozent zu. Die weltweiten Goldbestände erhöhten sich in dieser Zeit aber nur unwesentlich. Da sich die Vereinigten Staaten keine deutlich höheren Zinsen leisten können, wird die Fed auch künftig umfangreich Staatsanleihen kaufen, um das Zinsniveau künstlich niedrig zu halten. Die jüngste Ankündigung, ihr Kaufprogramm etwas zu reduzieren (Tapering) bedeutet keinen grundsätzlichen Strategiewechsel in der amerikanischen Geldpolitik. Weil die Schuldscheine Washingtons sonst kaum ein Investor haben will, wird die Fed auch im kommenden Jahr das Gros der US-Staatsanleihen kaufen (müssen). Die amerikanischen Notenbanker bringen also immer weiter neues Papiergeld in Umlauf. Auch die Bank of Japan steht auf dem Gaspedal. Und die bislang vergleichsweise zurückhaltende Europäische Zentralbank (EZB) wird angesichts der weiter eskalierenden Schuldenkrisen in Südeuropa kaum daran vorbeikommen, ebenfalls die Druckerpresse anzuwerfen.

Spätestens wenn die Menschen anfangen, dem massenhaft "am PC" generierten Papiergeld zu misstrauen, dürfte die Goldnachfrage spürbar steigen. Denn Gold ist das einzige schuldenfreie Geld, das nicht beliebig vermehrbar ist. In Ländern mit höheren Inflationsraten wie Indien und China besteht bereits eine hohe Nachfrage nach physischem Gold. Von einer Erholung des Goldpreises würden die Goldminenaktien überproportional profitieren. Denn als gebrannte Kinder der vergangenen Jahre werden die Bergbauunternehmen sicherlich nicht die Produktion ausweiten. Dazu müssten sie weniger profitable Lagerstätten zusätzlich ausbeuten, was höhere Förderkosten pro Unze zur Folge hätte. Vielmehr erwarten wir, dass die Bergbaugesellschaften vor allem ihre bisherige Produktion einfach mit höheren Margen verkaufen werden. Da die Kosten also konstant bleiben würden, bieten Goldminenaktien somit einen Hebel auf einen steigenden Preis des Edelmetalls.

Hohe Einzelwertrisiken

Investments in diesem Sektor werden allerdings durch die mannigfachen Einzelwertrisiken erschwert. Vielen Bergbaubetrieben mangelt es an der notwendigen Infrastruktur und halbwegs zugänglichen Lagerstätten oder sie leiden unter instabilen politischen Verhältnissen. Zudem gibt es verschiedene Minengesellschaften, die aufgrund zu hoher Förderkosten auch bei einem erholten Goldpreis rote Zahlen schreiben. Daher ist entweder der Kauf von physischem Anlagegold in Form von Münzen und Barren oder der Erwerb diversifizierter Goldminenfonds zu empfehlen.

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Quelle: n-tv.de

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