Wirtschaft
Muss verhandeln: Argentiniens Präsidentin Kirchner.
Muss verhandeln: Argentiniens Präsidentin Kirchner.(Foto: REUTERS)

Verhandlungen mit "Aasgeiern": Argentinien kapituliert

Von Jan Gänger

Argentinien schwenkt die weiße Flagge. Die Regierung wird mit Hedgefonds über deren milliardenschweren Forderungen sprechen. Die Atmosphäre dürfte kühl sein, doch das wird die Gläubiger nicht stören.

Lange hat sich Argentinien mit allen Mitteln gewehrt, doch nun ist es so weit: Die Regierung wird direkt mit den ungeliebten Hedgefonds über deren Milliardenforderungen verhandeln. Ihr bleibt nach dem folgenschweren Urteil des Obersten Gerichtshofs der USA auch keine andere Wahl. Dieser hatte Argentinien verdonnert, den Fonds Ende Juni die geforderten 1,3 Milliarden an Schulden zu begleichen. Tut sie das nicht, könnte ein US-Gericht die Überweisungen an die anderen Gläubiger stoppen. Damit wäre der Schuldendienst eingestellt und das Land quasi pleite.

Das sind keine angenehmen Aussichten für Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner, die im kommenden Jahr wiedergewählt werden will. "Cristina wird ihre Amtszeit nicht mit einer Pleite beenden", zitiert die Nachrichtenagentur Bloomberg Diego Ferro von Greylock Capital Management, das sich auf Anleihen von Krisenländern spezialisiert hat. Statt sich für einen Bankrott zu entscheiden und dann das Land per Hubschrauber verlassen zu müssen, werde sie lieber mit den Gläubigern verhandeln.

Dabei geht es vordergründig mit 1,3 Milliarden Dollar um eine überschaubare Summe. Doch dürfen nun auch die anderen Inhaber der Bonds auf Auszahlungen hoffen, die sich nicht an der Umstrukturierung der Schulden nach der Staatspleite 2001 beteiligt haben. Dabei handelt es sich um ein Volumen von 15 Milliarden Dollar - und damit um etwa die Hälfte der Devisenreserven der argentinischen Zentralbank. Diese Summe könne Argentinien aber nicht bezahlen, ohne den Bankrott zu riskieren, sagte Wirtschaftsminister Axel Kicillof. Die Reserven, mit denen Argentinien seine Schulden bedient, waren in den letzten zwölf Monaten um knapp 25 Prozent auf knapp 29 Milliarden Dollar geschrumpft.

Jahrelanger Streit

Die Regierung ist deshalb dringend darauf angewiesen, mit ihren Gläubigern eine Einigung zu finden. Nur so kann das Land wieder an die internationalen Finanzmärkte zurückkehren. Erste Erfolge wurden bereits erzielt: Ende Mai hatte die drittgrößte Volkswirtschaft Lateinamerikas nach mehr als zehn Jahren ihren Schuldenstreit mit den im sogenannten Pariser Club zusammengeschlossenen Gläubigerländern - darunter Deutschland - beigelegt und wird diese Schulden in Höhe von 9,7 Milliarden Dollar binnen fünf Jahren begleichen.

Auch der erbitterte Streit mit dem spanischen Ölkonzern Repsol wurde jüngst beigelegt. Argentinien hatte die Tochter YPF 2012 verstaatlicht - und erklärte sich nun bereit, die Spanier mit Staatsanleihen im Wert von fünf Milliarden Dollar zu entschädigen. Damit hatte das Land Hoffnungen geschürt, seine angespannten Beziehungen zu den internationalen Finanzmärkten zu normalisieren.

Persönliche Niederlage

Und so setzt sich die Regierung mit den Gläubigern an einen Tisch. Sie hatten sich im Gegensatz zu fast allen anderen Gläubigern geweigert, bei Umschuldungen in den Jahren 2005 und 2010 auf den Großteil ihrer Forderungen gegen Argentinien zu verzichten. Sie verlangten stattdessen den vollen Nennwert der Anleihen, die sie vorher inmitten der Schuldenkrise zu Ramschpreisen gekauft hatten. Zwei der Fonds klagten gegen Argentinien - und setzten sich nach einem jahrelangen Rechtsstreit durch.

Für Kirchner sind die Verhandlungen mit den von ihr als "Aasgeier" bezeichneten Fonds, zu der sie Regierungsvertreter kommende Woche nach New York schickt, eine persönliche Niederlage. Sie werde sich der "Erpressung" nicht beugen, hatte sie nach dem Gerichtsurteil in einer Fernsehansprache angekündigt.

Die Stimmung bei den Gesprächen dürfte deshalb frostig sein. "Manche sagen, wir müssten mit den Geiern verhandeln", sagte Kicillof. "Aber die Geier sind Geier, weil sie nicht verhandeln. Die Geier sind Geier, weil sie vor Gericht ziehen, um ihre gesamten Forderungen vollständig einzuklagen." Der Investor Elliott Management, gab sich verbindlich. "Wenn sie über eine Einigung sprechen wollen, wissen sie, wo sie uns finden", sagte einer der Anwälte.

Quelle: n-tv.de

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