Wirtschaft
Barclays zahlte als erste Bank für die Zinsmanipulationen: Die Aufseher wollen nun ein völlig neues System schaffen.
Barclays zahlte als erste Bank für die Zinsmanipulationen: Die Aufseher wollen nun ein völlig neues System schaffen.(Foto: picture alliance / dpa)

Nach Skandal um Zinsmanipulationen: Aufseher planen neues Libor-System

Jahrelang manipulierten Großbanken in London die Interbanken-Leitzinsen, auf denen weltweit Finanzprodukte in Billionenhöhe basierten. Um den Betrug künftig zu verhindern, sollen die Banken wohl ab nächstem Jahr auch die Zinsen veröffentlichen müssen, zu denen sie sich tatsächlich Geld leihen. Doch die Umstellung auf ein zweigleisiges System gefällt US-Aufsehern gar nicht.

Der von einem Manipulationsskandal erschütterte Referenz-Zinssatz Libor wird einem Zeitungsbericht zufolge wohl bereits im kommenden Jahr durch eine völlig neue Berechnungsmethode ersetzt. Wie die "Financial Times" (FT) auf ihrer Internetseite berichtete, soll in Zukunft die bislang gebräuchliche Umfrage unter Banken durch Indizes ergänzt werden, die auf tatsächlichen Transaktionen beruhen. Dieses neue System würde für bestehende Verträge auf Libor-Basis Kontinuität bieten und gleichzeitig den Zinssatz enger an objektive Daten binden, erläuterte Martin Wheatley, der Chef der für die Libor-Reform zuständigen britischen Behörde Financial Conduct Authority.

Das aktuelle Libor-System lädt zu Manipulationen geradezu ein: Pünktlich zur Mittagszeit melden die wichtigsten Grobanken in London an einen Datendienstleister, zu welchen Zinsen sie sich angeblich gerade Geld von anderen Banken leihen können. Der Dienstleister errechnet aus diesen bankeneigenen Angaben über die Refinanzierungskosten, die letztlich ein Maß für die Kreditwürdigkeit der Geldinstitute sind, einen Mittelwert und teilt ihm den Rest der Welt mit.

Konflikt mit US-Aufsehern droht

Nahezu alle Großbanken haben dieses System jahrelang zu ihrem eigenen Vorteil ausgenutzt und falsche Angaben gemacht. Denn weltweit basieren Derivate in Billionenhöhe auf den Zinsangaben, die die Banken täglich in London machen. Da auch die Institute selbst mitzocken, hatten sie ein Interesse, die Zinsen in eine bestimmte Richtung zu verzerren, um Handelsgewinne bei ihren eigenen Finanzwetten einzustreichen. Barclays, UBS und Royal Bank of Scotland haben für den Betrug bereits mehr als 2,5 Mrd. Dollar an Strafen gezahlt, Urteile gegen ein halbes Dutzend andere Banken stehen noch aus, darunter auch die Deutsche Bank.

Um das falsche Spiel künftig zu verhindern, sollen die Angaben der Banken nun durch Daten aus tatsächlichen Transaktionen ergänzt werden, bei denen sich Banken Geld geliehen haben. Der Vorschlag könne jedoch einen Konflikt mit den US-Aufsichtsbehörden schaffen, weil diese eine völlige Umstellung von Umfragen auf Transaktions-Indizes fordern, heißt es in dem FT-Bericht weiter. Gary Gensler von der US-Aufsicht CFTC sagte der Zeitung, das bestehende System sei langfristig nicht nachhaltig, weil die Banken nicht ausreichend unbesichert Geld verliehen, um die Zinssätze genau abschätzen zu können.

Quelle: n-tv.de

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