Wirtschaft
"Da wird eine Maus zum Elefanten aufgeblasen", findet Flughafen-Chef Hartmut Mehdorn.
"Da wird eine Maus zum Elefanten aufgeblasen", findet Flughafen-Chef Hartmut Mehdorn.(Foto: picture alliance / dpa)

Verstoß gegen Arbeitsvertrag?: BER-Aufsichtsrat prüft Mehdorn-Brief

Von Hannes Vogel

Schon bei seinem Amtsantritt feixten seine Kritiker, doch nun könnte seine Vergangenheit Flughafen-Chef Mehdorn in Bedrängnis bringen: Der BER-Aufsichtsrat will prüfen, ob Mehdorn gegen seinen Arbeitsvertrag verstoßen hat - er hat sich in einen pikanten Interessenkonflikt hineinmanövriert.

Ausgerechnet Mehdorn. Der Mann, unter dessen Regie die Berliner S-Bahn ins Chaos stürzte, der die Deutsche Bahn mit seinem Sparkurs an die Belastungsgrenze brachte, der die angeschlagene Fluglinie Air Berlin nicht sanieren konnte, soll als BER-Boss für die Eröffnung des Desaster-Flughafens sorgen.

Neben Spott könnte seine Vergangenheit Mehdorn nun auch ein echtes Problem bescheren: Als Air-Berlin-Chef hatte er den Pannen-Airport wegen der geplatzten Eröffnung auf Schadenersatz in Millionenhöhe verklagt.  Als Flughafen-Chef muss er nun die Klage abwehren, die er bei Air Berlin selbst eingefädelt hatte. Genau dieser Vorgang droht Mehdorn nun einzuholen.

Denn offenbar hat sich der Flughafen-Chef womöglich mehr in den Rechtsstreit eingemischt als erlaubt - und sich damit in einen Interessenkonflikt mit Geschmäckle verwickelt. Laut "Bild"-Zeitung schickte Mehdorn am 15. Mai seinem Ex-Arbeitgeber Air Berlin ein Angebot, um den Schadenersatz-Prozess beizulegen. Zehn Millionen Euro bot Mehdorn der Airline an, damit sie die Klage gegen den Flughafen fallen lässt.

Mehdorns Vertrag verbietet Interessenkonflikte

In Mehdorns Arbeitsvertrag steht laut "Bild"-Zeitung aber, dass er als Flughafen-Chef "Interessenkonflikte vermeiden wird, insbesondere solche, die aus seinen früheren Tätigkeiten für die Deutsche Bahn und Air Berlin herrühren". Mehdorn sagt, er selbst habe das Angebot nicht mit Air Berlin ausgehandelt, sondern lediglich einen Vorschlag an seinen Nachfolger bei Air Berlin weitergeleitet. Erarbeitet habe den ein speziell dafür benanntes Team der Flughafengesellschaft. "Da wird eine Maus zum Elefanten aufgeblasen", findet der Airport-Chef.

Der Flughafen-Aufsichtsrat, der Mehdorn kontrolliert, könnte das womöglich anders sehen. "Die Vorgänge werden intern im Aufsichtsrat besprochen", teilt das Verkehrsministerium mit, das die Bundesregierung in dem Kontrollgremium vertritt. Zu Mehdorns Arbeitsvertrag will das Ministerium hingegen keine Stellung nehmen. Auch die Korrespondenz zwischen Mehdorn und Air Berlin will Verkehrsminister Ramsauer nicht kommentieren. Brandenburgs Ministerpräsident und Aufsichtsrat Matthias Platzeck will zu der Angelegenheit keine Stellung nehmen, ebensowenig wie Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit, der nach seinem Abgang als Chefkontrolleur des Desaster-Airports weiter im Aufsichtsrat sitzt.

Wenig Feingefühl für heikle Zusammenhänge

Natürlich ist es unvermeidbar, dass Mehdorn als Airport-Chef bei dem Rechtsstreits auch mit seinem Ex-Arbeitgeber Air Berlin zu tun hat. Ob er aber persönlich auf höchster Ebene einen Brief mit einem Millionen-Angebot verschicken muss, ist eine andere Frage. Zumindest spricht daraus nicht gerade sein Bemühen, den heiklen Anschein vermeiden zu wollen, der sich nach seinem Seitenwechsel zwangsläufig aufdrängt.

Ebensowenig zeugt seine Reaktion, berechtigte Bedenken über sein Verhalten einfach beiseitezuwischen, von Feingefühl für pikante Interessenkollisionen. Immerhin hatte Mehdorn bei seinem Amtsantritt angekündigt, die Millionenklage werde nicht über seinen Schreibtisch gehen. Es ist die typische Mehdorn-Art, mit der der umstrittene Manager immer schon polarisiert hat. Nun also auch im Flughafen-Debakel.

Quelle: n-tv.de

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