Wirtschaft
Horst Amann hält sich hinsichtlich des neuen Eröffnungstermins sehr zurück.
Horst Amann hält sich hinsichtlich des neuen Eröffnungstermins sehr zurück.(Foto: dpa)

Fassungslosigkeit an der Baustelle: BER-Probleme sind "grauenhaft"

Flughafen-Technikchef Amann fordert die Offenlegung der Wahrheit über das BER-Desaster. Er hofft, "die Reißleine nicht zu spät gezogen zu haben". Der Aufsichtsrat soll nach Angaben seines designierten Chefs Platzeck erweitert werden. Ziel sei, dass mehr Sachverstand in das Gremium einzieht. Die Tage von Rainer Schwarz als Flughafenchef dürften gezählt sein.

Die Probleme auf der Baustelle des künftigen Berliner Großflughafens BER sind nach Angaben von Technikchef Horst Amann noch schwerwiegender als zunächst angenommen. Im Hessischen Rundfunk beschrieb er die Schwierigkeiten als "grauenhaft". Jetzt gehe es darum, "die Wahrheit auf den Tisch zu legen und zwar schonungslos". Auf einen neuen Eröffnungstermin wollte sich Amann nicht festlegen, das Jahr 2014 sei aber "eine gute Nummer".

"Die Probleme sind leider Gottes nach dem, was wir jetzt wissen und was wir sehr mühevoll in den letzten Monaten aufgedeckt haben, heftig, sehr heftig", sagte Amann weiter. "Und zwar so gravierend, fast grauenhaft, dass die Maßnahmen, die wir jetzt ergriffen haben, notwendig waren", begründete er die Aufgabe des zuletzt geplanten Eröffnungstermins im Oktober. Angesichts der Probleme habe er die Reißleine ziehen müssen - "ich hoffe, ich habe sie nicht zu spät gezogen".

Das Hin und Her über den weiteren Zeitplan begründete Amann damit, dass viele Mängel nicht unmittelbar erkennbar gewesen seien. "Wir konnten beispielsweise nicht mehrere hunderttausend Quadratmeter Decken aufreißen", sagte der Technikchef. Jetzt müsse in Abstimmung mit den Behörden festgestellt werden, was planerisch und baulich notwendig sei. Dies werde ungefähr ein halbes Jahr dauern. Erst dann könne voraussichtlich wieder ein Fertigstellungstermin genannt werden.

Aufsichtsrat soll kompetenter werden

Der eine Ratlose übergibt an den anderen.
Der eine Ratlose übergibt an den anderen.(Foto: dapd)

Indes begann für die Verantwortlichen in Berlin und Brandenburg das politische Nachspiel. In Berlin bekam der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit durch den Koalitionsausschuss von SPD und CDU Unterstützung. Beide Parteien demonstrierten ihrerseits Geschlossenheit. "Wir sind uns einig, dass wir zur Großen Koalition stehen", sagte CDU-Fraktionschef Florian Graf.

Kritik an Wowereit, der am Wochenende weder die SPD- noch die CDU-Kollegen vorab von der zum vierten Mal verschobenen Eröffnung des Flughafens informiert hatte, vermied Graf genauso wie sein SPD-Kollege Raed Saleh. Graf zeigte allerdings Verständnis dafür, dass Innensenator und CDU-Landeschef Frank Henkel sich "stinksauer" darüber gezeigt hatte.

Wowereit hatte am Montag bekannt gegeben, dass er den Aufsichtsratsvorsitz an Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck abgebe. Der künftige Chefaufseher des Flughafens kündigte eine Erweiterung des Kontrollgremiums an. In ihrem sollten auch Mitglieder arbeiten, die Erfahrungen mit Großbauten haben, sagte der SPD-Politiker. Einen solchen Schritt hatte die Opposition in beiden Bundesländern gefordert. Der Wirtschaftsrechtsexperte Michael Adams beklagte den fehlenden Sachverstand im Aufsichtsrat. "Man hätte dort wirklich von Anfang an auf Sachverstand statt auf Staatsführungskunst setzen müssen", sagte der Hamburger Professor im Deutschlandradio Kultur. Zwar benötige man im Kontrollgremium eines solchen öffentlichen Großbauprojekts auch Politiker, doch noch wichtiger sei der Sachverstand von Ingenieuren.  

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Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer hatte in Wildbad Kreuth den Wechsel an der Aufsichtsratsspitze begrüßt. Der CSU-Politiker äußerte die Hoffnung, dass nun auch entsprechende Schritte zur Ablösung von Flughafenchef Rainer Schwarz eingeleitet würden.  

Am Donnerstag trifft sich auf Antrag der Opposition das Berliner Abgeordnetenhaus zu einer Sondersitzung. Die Grünen-Fraktion will einen Misstrauensantrag gegen Wowereit einbringen. Dieser hatte gesagt, dass er Regierender Bürgermeister bleiben wolle. "Ich gehe davon aus, dass die SPD-Fraktion und die Koalition dem Regierenden Bürgermeister das Vertrauen aussprechen", sagte SPD-Fraktionschef Saleh.

In Brandenburg will Ministerpräsident Platzeck bei der nächsten Plenarsitzung des Landtags die Vertrauensfrage stellen will, um sich die Rückendeckung der Regierungsfraktionen zu holen. "Ich koppele mein Schicksal eng an diesen Flughafen. Das will ich so", sagte er. Die Landesregierung aus SPD und Linken hat allerdings eine deutliche Mehrheit im Potsdamer Parlament.

Schwarz vor der Abberufung

Die Tage von Rainer Schwarz als Flughafenchef hingegen dürften gezählt sein. Der Bund als Mitgesellschafter habe einen Ablösungsantrag für eine Sondersitzung des Aufsichtsrates am 16. Januar gestellt, sagte Ramsauer. Er kann eine Ablösung zwar nicht allein durchsetzen, allerdings war Platzeck ebenfalls von Schwarz abgerückt. Auch der Berliner CDU-Fraktionschef Graf sagte nun, die Koalition stehe der Ablösung nicht im Weg. Bislang hatten Berlin und Brandenburg den umstrittenen Manager gestützt.

Wann das Milliardenprojekt nun in Betrieb geht, steht in den Sternen. Sicher scheint nur, dass es nicht vor 2014 sein wird. Die Lufthansa drängte auf eine Ertüchtigung des alten Flughafens Berlin-Tegel, der zeitweise schon an die Kapazitätsgrenzen stößt. Air Berlin äußerte sich enttäuscht.

Die neuerliche Terminabsage hatte sich am 18. Dezember bei einem Treffen mit den Firmen Siemens und Bosch angebahnt, die die Brandschutzanlage installieren. Am vorigen Freitag sei dann klar gewesen, dass es mit dem 27. Oktober 2013 nicht klappt.

Quelle: n-tv.de

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