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Ex-Planer ist kein Ingenieur: BER saß möglicherweise Hochstapler auf

Pannen ohne Ende, keine Termin- und Kostenpläne, Personalrochaden, Unterlagen im Müll und jetzt das noch: Der geschasste Entwickler der umstrittenen Entrauchungsanlage am BER, di Mauro, ist angeblich nicht das, was er vorgab zu sein.

Ein Polizeibeamter trägt Kartons mit Akten zu einem Transporter.
Ein Polizeibeamter trägt Kartons mit Akten zu einem Transporter.(Foto: picture alliance / dpa)

Über dem Berliner Hauptstadtflughafen liegt offenbar ein Fluch: Erst am Vortag machte die Meldung die Runde, dass brisante Aktien in Berliner Müllcontainern aufgetaucht sind, jetzt gibt es die nächste Hiobsbotschaft. Wie der "Stern" schreibt, ist der im Frühjahr von Flughafen-Chef Hartmut Mehdorn medienwirksam entlassene Planer der Entrauchungsanlage, Alfredo di Mauro, möglicherweise ein Hochstapler.

Nach mehrmaligen Anfragen habe di Mauros Anwalt bestätigt, dass sein Mandant kein Ingenieur sei, wie wohl am BER angenommen wurde, heißt es. Di Mauro habe lediglich einen Gesellenbrief als technischer Zeichner.  

Mehdorn hatte den 52-Jährigen im Frühjahr entlassen, weil der neue Technik-Chef Jochen Großmann dessen Planungen für fehlerhaft hielt. "Er hat die Anlage 14 in ihrer vorliegenden, nicht funktionsfähigen Form geplant", begründete Mehdorn die Trennung. Die Pläne des vermeintlichen Ingenieurs landeten im Reißwolf. Unklar ist, ob di Mauro sich bei der Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg (FBB) als Ingenieur beworben hat und wie er seine Qualifikation gegebenenfalls belegt hat. Die Flughafengesellschaft gab dem Bericht zufolge hierzu keine Auskunft.

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Di Mauro soll zudem kein unbeschriebenes Blatt sein. Wie der "Stern" schreibt, gab es 2002 in seiner Heimatstadt Offenbach ähnliche Vorwürfe gegen ihn. Damals soll er sich als Architekt ausgegeben haben.

Die Entrauchungsanlage am BER gilt als Hauptursache dafür, dass der neue Flughafen, der ursprünglich im Juni 2012 eröffnet werden sollte, immer noch nicht am Start ist. Einen Eröffnungstermin steht bisher nicht fest. Inzwischen hat Mehdorn auch Technikchef Großmann beurlaubt - wegen des Vorwurfs der Bestechlichkeit.

Akten im Müllcontainer

Die Polizei in Berlin hat unterdessen die beiden am Vortag gefundenen Container mit Geschäftsakten des BER sichergestellt. Die Ermittlungen wegen eines möglichen Verstoßes gegen den Datenschutz laufen, hieß es.

Die Akten stammen nach Medienberichten möglicherweise von dem ehemaligen Planungsbüro PG BBI, das bis Mai 2012 Generalplaner für den Flughafen BER war. Sie sollen vertrauliche Informationen zum Beispiel zu Fahrstühlen und Starkstromanlagen sowie Grundrisse enthalten. Zeitungen berichteten weiterhin, dass auch Warnungen wegen baulicher Verzögerungen in den Berichten zu finden seien. In der Straße, in der sich die Müllcontainer befanden, befand sich nach Medienangaben ein Architekturbüro, das zu PG BBI gehörte. Es sei im vergangenen Jahr in die Insolvenz gegangen, heißt es.

Die Flughafengesellschaft teilte mittlerweile mit, dass sie im Zusammenhang mit dem Aktenfund Anzeige gegen Unbekannt erstattet habe. "Nach erster Einschätzung der Flughafengesellschaft liegt in diesem Fall ein eklatanter Verstoß gegen vertragliche Pflichten und ein Bruch der Vertraulichkeit eines Vertragspartners der FBB vor", erklärte die Flughafengesellschaft. Auftragnehmer seien "grundsätzlich" zu "sorgfältigem und vertrauensvollem Umgang mit Daten und Informationen verpflichtet".

Programmhinweis: n-tv Talk Spezial Hartmut Mehdorn im Gespräch mit Heiner Bremer, Mittwoch den 25. Juni um 12.30 Uhr, 13.30 Uhr und 14.30 Uhr

Quelle: n-tv.de

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