Wirtschaft
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Winter, Wasser und zu wenig Züge: Bahn begräbt ihre Jahresziele

Die Deutsche Bahn kommt nicht in die Spur: Der Güterverkehr leidet unter der Konjunkturflaute, und die Flut belastet den Personenverkehr. Bahnchef Grube muss einiges erklären und kappt die Prognose. Für den Bund gerät dadurch die Dividende ins Gefahr. Besonders viel Optimismus versprüht der Konzern zudem auch nicht.

Die Deutsche Bahn sieht sich fest im Griff der Wirtschaftskrise und rechnet für das laufende Jahr auch nicht mehr mit einer Besserung. Daher strich das Unternehmen seine Gewinn- und Umsatzziele zusammen und will mit einem Sparkurs unter anderem bei Investitionen gegensteuern. Nun peilt die Bahn statt 2,9 Milliarden nur noch ein Betriebsergebnis von 2,2 Milliarden an - und selbst dies sei angesichts der Wirtschaftsflaute in Europa sowie der Hochwasser-Folgen in Deutschland unsicher.

In den ersten sechs Monaten sackte das Betriebsergebnis (vor Steuern und Zinsen) um fast ein Viertel auf eine Milliarde Euro ab. Nach Steuern verblieb nur noch ein Gewinn von 554 Millionen Euro, knapp 30 Prozent weniger als im Vorjahr. "Natürlich arbeiten wir daran, in den nächsten Monaten wieder aufzuholen", sagte Bahnchef Rüdiger Grube. "Aber die bisherigen Rahmenbedingungen stimmen uns nur begrenzt optimistisch." Der Umsatz gab im ersten Halbjahr vergleichsweise leicht auf 19,4 Milliarden Euro nach. Im Gesamtjahr rechnet das Unternehmen aber damit, dass die Marke von 40 Milliarden Euro erneut verfehlt wird, die eigentlich schon 2012 geknackt werden sollte.

Bahn hofft auf staatliche Fluthilfen

Das Wetter und die Bahn: Aufgrund einer Hochwassersperrung bei Stendal musste die Bahn sogar ihren Fahrplan ändern.
Das Wetter und die Bahn: Aufgrund einer Hochwassersperrung bei Stendal musste die Bahn sogar ihren Fahrplan ändern.(Foto: dpa)

Zwar fuhren mit der Bahn mehr Menschen als je zuvor in einem Halbjahr - insgesamt 1,1 Milliarden Fahrgäste - , dennoch mussten nahezu alle Sparten des Staatskonzern bei Gewinn und Umsatz kräftige Einbußen hinnehmen. Besonders groß war das Minus bei der internationalen Logistik, die einen Gewinnrückgang um ein Drittel verzeichnete. Der seit langem kriselnde Schienengüterverkehr rutschte zwischen Januar und Juni sogar in die roten Zahlen. Ein scharfer Sparkurses soll die Sparte im Gesamtjahr aber wieder ins Plus kommen. "Wir erwarten keine weitere Abschwächung im Güterverkehr", sagte Vorstand Karl-Friedrich Rausch. Im deutschen und internationalen Gütergeschäft macht die Bahn mehr als die Hälfte ihres Umsatzes.

Die Bahn machte neben der Konjunktur auch Lohnerhöhungen, den strengen Winter sowie das Hochwasser für den Gewinnrückgang verantwortlich. Die Umleitungen wegen der Sperrung der wichtigen Elbbrücke zwischen Hannover und Berlin hätten bereits rund 30 Millionen Euro gekostet. Wann die Strecke wieder in Betrieb gehen und der normale Fahrplan wieder gelten könne, sei nach wie vor unklar, sagte Grube. Die Gesamtschäden der Flut könnten sich für das Unternehmen auf bis zu 500 Millionen Euro belaufen, wobei die Bahn darauf setzt, den Großteil aus dem Hilfsfonds des Bundes ersetzt zu bekommen. Rund 32.700 Züge konnten wegen der Flut nicht planmäßig fahren, 1600 fielen ganz aus, wie Grube sagte.

Zeitungen und Reclam-Hefte

Etwas Linderung verspricht das Unternehmen indes den unter den Behinderungen wegen des Hochwassers leidenden Fahrgästen:  In den betroffenen Zügen will die Bahn künftig auch in der zweiten Klasse kostenlose Zeitschriften verteilen, wie  Bahn-Personenverkehr-Vorstand Ulrich Homburg.

Außerdem will das Unternehmen Reclam-Bücher an interessierte Reisende verteilen. Ähnliches hatte die Bahn schon einmal bei Verzögerungen durch umfangreiche Bauarbeiten angeboten. Niedrigere Fahrpreise für die betroffenen Verbindungen lehnt die Bahn jedoch ab. Lediglich Inhaber der Bahncard-100 sowie von Zeitkarten können ihre Tickets zurückgeben und sich anteilig erstatten lassen. Wer schon vor den Fahrplan-Änderungen Züge gebucht hat, kann die Fahrkarten aber kostenlos zurückgeben oder umbuchen.

Belastet wurde die Bahn nach eigenen Angaben angesichts des Passagierwachstums auch durch Verspätungen bei der Auslieferung von Zügen, etwa durch Siemens. Die Bahn könne so ihr Potenzial nicht ausschöpfen. "Dadurch geht uns jedes Jahr enormes Geschäft verloren", klagte Grube. Zuletzt traten im Reiseverkehr auf der Schiene allerdings auch neuerliche Probleme im Zusammenhang mit sommerlichen Temperaturen und der anhaltenden Hitzewelle auf.

Sparen soll Verschuldung begrenzen

Als Folge des schwächeren Geschäfts kann die hochverschuldete Bahn auch ihre Kredite nicht stärker abtragen. Die Netto-Verschuldung werde 2013 um gut 600 Millionen Euro auf 17 Milliarden Euro steigen. Um diese stabil zu halten, werde bei Investitionen wie in Lokomotiven oder Waggons gespart.

Bahn-Chef Rüdiger Grube (l.) stellt die neue Technikchefin Heike Hanagarth vor.
Bahn-Chef Rüdiger Grube (l.) stellt die neue Technikchefin Heike Hanagarth vor.(Foto: picture alliance / dpa)

Mit der gekappten Prognose ist auch fraglich, ob sich der Bund wieder über eine satte Dividende freuen kann. Als Bahn-Eigentümer kassierte er für das erfolgreich verlaufene Vorjahr eine Dividende von 525 Millionen Euro. Die schwarz-gelbe Koalition hatte festgelegt, dass die Bahn jährlich mindestens 500 Millionen Euro Dividende an den Staat ausschütten soll.

Vorstandschef Grube nutzte die Pressekonferenz zudem, um die neue Technikchefin  Heike Hanagarth vorstellen. Die bisherige BMW-Managerin wurde zu Wochenbeginn in den Bahnvorstand berufen.

Schweigeminute für Opfer des Unglücks in Spanien

Die Vorstellung der Zahlen hatte mit einer Schweigeminute für die Opfer des Bahnunglücks in Spanien begonnen. "Wir sind in Gedanken bei den Opfern und ihren Angehörigen", sagte Grube Die Bahn werde ihren Kollegen in Spanien jede Unterstützung "in jener schweren Zeit" anbieten.

Infrastruktur-Vorstand Volker Kefer sagte, zur Einschätzung der Ursache habe die Bahn "nicht genügend Informationen, um uns eine Meinung bilden zu können". Grundsätzlich werde in Spanien wie auch in Deutschland auf Schnellstrecken das Zugleitsystem ERTMS benutzt. Er wisse aber nicht, "welche Version in Spanien im Einsatz ist". Dies sei wichtig, um beurteilen zu können, wie es zu dem Unglück kommen konnte.

Quelle: n-tv.de

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