Wirtschaft
Bei der Bahn gibt es künftig Bitburger und Erdinger.
Bei der Bahn gibt es künftig Bitburger und Erdinger.(Foto: picture alliance / dpa)

Kein Beck's im Bistro: Bahn wechselt die Biermarke

Zeitenwende im deutschen Schienenverkehr: Die Deutsche Bahn wechselt ohne Vorankündigung die Brauerei ihres Vertrauens aus. Die Produkte des Weltmarktführers fliegen aus dem rollenden Getränkeangebot.

Das Bier im Bord-Restaurant zählt für viele Berufspendler, Urlauber und Fernreisende zu einer festen Größe im deutschen Schienenverkehr. In der mobilen Erfrischung bei voller Fahrt sehen nicht wenige Bahn-Kunden einen der ganz großen Höhepunkte europäischer Reisekultur - und einen wohltuenden Orientierungspunkt inmitten der oft sehr hektischen und nicht immer ganz reibungslosen Mobilitätszwänge des Alltags. Hier im Bord-Bistro, bei Tempo 120 oder 240, kommen erschöpfte Bahn-Fahrer zur Ruhe, hier lösen sich im besten Fall Frust und Anspannung in Wohlgefallen auf.

Dieser Friede allerdings ist in Gefahr. Seit kurzem müssen sich die Fahrgäste bei ihren Getränkevorlieben und Gewohnheiten auf neue Biersorten einstellen.

Die Deutsche Bahn hat ihre Lieferantenverträge neu ausgeschrieben und im Zuge der Neuvergabe des Auftrags die Brauerei gewechselt. Seit Mitte Februar beliefern die Privatbrauereien Bitburger und Erdinger die Bistros und Restaurants der Fernzüge, berichtete das "Handelsblatt". Die Bahn hat die Angaben mittlerweile bestätigt. Die gewohnte Pilssorte "Beck's" und das Hefeweißbier "Franziskaner" sind demnach nicht mehr in der bundesweit geltenden Bordgetränkekarte enthalten.

Bier aus deutschen Landen

Mit dem Wechsel im Getränkeangebot setzt die Bahn künftig nicht nur auf zwei kleinere Anbieter aus Deutschland, sondern beendet zugleich auch eine fünfjährige Vertragsbeziehung zum weltgrößten Brauereikonzern. "Beck's" und "Franziskaner" zählen zu den bekannteren Produkten aus dem Haus des Branchenschwergewichts Anheuser-Busch Inbev.

Für den belgisch-brasilianischen Brauereiriesen ist die Entscheidung ein herber Rückschlag. Der börsennotierte Konzern verliert einen wichtigen Absatzkanal im deutschen Markt, der insbesondere bei der Neukundengewinnung von nicht unerheblicher Bedeutung gewesen sein dürfte.

Da das Bier-Angebot an Bord der Fernzüge schon allein aus Platzgründen auf wenige Sorten beschränkt bleiben muss, mussten sich selbst Biertrinker mit festgefügten Gewohnheiten während der Fahrt auf Geschmacksexperimente einlassen und eventuell eine ungewohnte Biersorte ausprobieren - oder bis zum Zielbahnhof durstig bleiben.

Erdinger sticht Weltmarktführer aus

Bei der kleinen Privatbrauerei Erdinger Weißbräu dürfte dagegen die Feierstimmung noch länger anhalten. Mit dem Einstieg bei der Bahn kann Erdinger nun den Bekanntheitsgrad der hauseigenen Weißbier-Marke steigern.

Der Erfolg ist in der Tat beeindruckend: Insgesamt setzte sich der mittelständische Betrieb mit Sitz in Erding bei München mit seinen weniger als 500 Mitarbeitern gegen das Konkurrenzprodukt "Franziskaner" eines nahezu übermächtigen Wettbewerbers durch. Bei der Brauereigruppe Bitburger, die sich im direkten Wettbewerb gegen das Inbev-Produkt "Beck's" durchsetzte, arbeiten eigenen Angaben zufolge rund 1700 Mitarbeiter.

Inbev dagegen ist unternehmerisch ein ganz anderes Kaliber. Das multinationale Unternehmen beschäftigt insgesamt etwa 120.000 Mitarbeiter. Im vergangenen Jahr kam der Konzern auf einen Umsatz von 43,2 Milliarden Dollar (31,4 Milliarden Euro). Beim Reingewinn kam Inbev unter dem Strich auf 14,4 Milliarden Dollar (10,5 Milliarden Euro) - mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr.

Bahn wiegelt ab

Zuletzt hatte die Deutsche Bahn Anfang 2008 den Bierlieferanten gewechselt, heißt es im Bericht des "Handelsblatts". Damals flogen "Warsteiner" und das "Schöfferhofen-Weizen" von der Karte. Der Auftrag für die Bistro-Versorgung werde in regelmäßigen Abständen neu ausgeschrieben, erklärte eine Bahn-Sprecherin das Vorgehen.

Die Beliebtheit der Bord-Restaurants bei der Deutschen Bahn bleibt unterdessen auch kleineren Schienenverkehrsanbietern nicht verborgen. Unabhängig von der Debatte um Biersorten und Marktverhältnisse bemüht sich die privat geführte Metronom-Bahngesellschaft mit Sitz in Uelzen um Aufmerksamkeit für das eigene Angebot an Bord.

In den Metronom-Zügen - die auf norddeutschen Regionalstrecken zwischen Städten wie Hamburg, Bremen und Göttingen verkehren - können Kunden des Bahn-Wettbewerbers künftig während der Fahrt auch Kondome und Fairtrade-Kaffee kaufen.

Kondome Ja, Wal-Gesänge Nein

Der neue Service wurde ausgiebig getestet, teilte der Betreiber mit. Seit 2012 sei ein Testzug unterwegs gewesen, in dem die Bedürfnisse der Pendler abgefragt wurden. Ob die Kunden in den üblicherweise blau-gelb gehaltenen Doppelstockwagen dabei ausdrücklich auch nach Verhütungsmitteln und fair gehandelten Bohnen gefragt hätten, blieb zunächst unklar.

Das erweiterte Verkaufsangebot ist Teil umfangreicher Bemühungen, die Zugreise per Metronom attraktiver zu gestalten. Als weitere Maßnahme ist demnach vorgesehen, die insgesamt 37 Züge des Unternehmens künftig mit klaren Kennzeichnungen für Fahrrad- und Ruhewagen auszustatten. In den Ruhewagen werde unter anderem das Licht gedämpft, hieß es. Auch der Weg zur 1. Klasse und zum Snackwagen solle besser ausgewiesen werden.

Bei Verbesserungsvorschlägen diskutierten die Metronom-Manager offenbar auch skurrile Kundenwünsche. Nicht umgesetzt wurde, so heißt es, die Idee, Walgesänge auf der Toilette abzuspielen.

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Quelle: n-tv.de

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