Wirtschaft
Straßenszene aus dem Zentrum von Athen.
Straßenszene aus dem Zentrum von Athen.(Foto: AP)

Folgen einer Griechenland-Pleite: Bankenabwicklerin in großer Sorge

Noch sind die vier größten griechischen Banken solvent. Allerdings besteht ihr Eigenkapital zumeist aus steuerlichen Verlustvorträgen. Geht der Staat in die Knie, werden diese umgehend wertlos, erklärt eine EU-Bankenabwicklerin. Die Folgen wären fatal.

Eine Pleite des griechischen Staates würde nach Einschätzung von EU-Bankenabwicklerin Elke König auch große Gefahren für das Bankensystem des Landes mit sich bringen. "Nach Einschätzung der EZB sind die griechischen Banken derzeit solvent. Das könnte sich ändern, wenn der Staat zahlungsunfähig wird", sagte König, Chefin der europäischen Behörde für die Abwicklung maroder Geldhäuser (SRB), dem "Handelsblatt".

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Bis Ende 2015 sei Griechenland noch selbst für die Abwicklung von Banken zuständig, ab nächstem Jahr übernehme der SRB die Zuständigkeit für die vier größten griechischen Banken. "Der Abwicklungsfonds wird dann aber nicht mal eben vier griechische Banken rekapitalisieren - schon gar nicht, wenn das Land nicht mehr Mitglied der Euro-Zone sein sollte", sagte die ehemalige Chefin der deutschen Finanzaufsicht BaFin. Es sei nicht Aufgabe des SRB, Strukturprobleme des europäischen Bankensektors zu lösen.

Die vier größten griechischen Banken seien derzeit ausreichend kapitalisiert, sagte König. "Doch es gibt ein gefährliches Damoklesschwert, das über ihnen hängt: Das Eigenkapital besteht unter anderem aus steuerlichen Verlustvorträgen." Werde der griechische Staat insolvent, würden vermutlich auch die Verlustvorträge (Deferred Tax Assets) wertlos. "Daher gilt: Was mit dem Staat passiert, hat Einfluss auf das Schicksal der Banken."

Dass die Europäische Zentralbank (EZB) seit Monaten grünes Licht für die Ausweitung von Notfall-Kredithilfen (ELA) an die griechischen Banken gibt, sieht König kritisch. ELA-Kredite dürften nur an solvente Banken bezahlt werden, die kurzfristig keinen Zugang zur Marktfinanzierung hätten, sagte die SRB-Chefin. "Für die griechischen Banken ist der Zugang zum Markt nun schon lange verschlossen. Die Grenze zwischen ELA und Konkursverschleppung ist fließend."

Zeit läuft ab

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Auch Bundesbank-Präsident Jens Weidmann sieht die Zeit für eine Lösung im Schuldenstreit immer knapper werden. "Die Zeit für Griechenland läuft" aus, sagte Weidmann auf einem Symposium der Bundesbank in Frankfurt. Die Einigungs- und Handlungsbereitschaft fehle, daher werde die beste Lösung für Griechenland unwahrscheinlicher. "Es muss darum gehen, dafür zu sorgen, dass Griechenland auf eigenen Beinen stehen kann - und zwar ohne die Hilfe der Partner." Dafür müssten wettbewerbsfähige Strukturen geschaffen werden. "Der Ball liegt ganz eindeutig im Feld der griechischen Regierung," sagte Weidmann.

Der Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter macht für die derzeitige Lage in Griechenland nicht nur die Griechen verantwortlich. "Man kann nicht sagen, dass nur die Griechen den Karren an die Wand fahren", sagt er bei n-tv. Vielmehr läge ein Teil der Schuld auch bei den europäischen Institutionen und Nationalstaaten. So kritisierten IWF-Experten in Berichten, dass die IWF-Forderungen Griechenland weiter in die Armut führten. Dann aber erhebe der IWF die gleichen Forderungen, die er zuvor kritisiert habe. "Da werden massive Fehler auf allen Seiten gemacht", so Hofreiter.

Der erneute Rückschlag für die Verhandlungen zur Lösung der Krise hatte den europäischen Börsen einen Schlag versetzt. Dax und EuroStoxx50 verloren jeweils mehr als ein Prozent auf 11.068 beziehungsweise 3464 Punkte. Der Athener Leitindex  brach um 5,6 Prozent und der griechische Bankenindex sogar um gut elf Prozent ein.

Die Fronten im Streit Griechenlands mit den internationalen Geldgebern sind inzwischen verhärtet. Damit steuert das klamme Ägäis-Land auf die Staatspleite zu. Regierungschef Alexis Tsipras kündigte an diesem Montag an, im Konflikt um Reformen und Hilfszahlungen nicht einzulenken. Zudem forderte sein Finanzminister Yanis Varoufakis einen Schuldenerlass seitens der Geldgeber.

Quelle: n-tv.de

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