Wirtschaft
"Heute sind Frauen unsere Zielgruppe."
"Heute sind Frauen unsere Zielgruppe."(Foto: picture alliance / dpa)

"Der Mann als Kunde ist verschwunden": Beate Uhse setzt auf Frauen

Der Einzelhandel mit Waren aus der Welt der Erotik sieht sich mit einer fundamentalen Zeitenwende konfrontiert: Der Chef der börsennotierten Beate Uhse AG geht wenige Tage vor den neuen Geschäftszahlen mit Details zur neuen Strategie an die Öffentlichkeit.

Der Flensburger Erotik-Konzern Beate Uhse richtet sich verstärkt auf weibliche Kundschaft aus. Das Geschäftsfeld habe sich völlig verändert, sagte der Vorstandsvorsitzende Serge van der Hooft im Interview mit der "Welt am Sonntag". Die einst wichtigste Zielgruppe ist abgewandert. "Der Mann als Kunde ist ins Internet verschwunden", sagte van der Hooft. "Heute sind Frauen unsere Zielgruppe."

Sexfilme, die früher 90 Prozent zum Geschäft beigetragen hätten, seien nicht mehr gewinnbringend zu verkaufen, sagte der Beate-Uhse-Chef. Hier werde die Nachfrage inzwischen über das Internet gestillt. "In ein paar Jahren wird kein Sexladen mehr Videokabinen haben", prophezeite van der Hooft.

Zum Umsatz von Beate Uhse tragen seinen Angaben zufolge vor allem Dessous und Sexspielzeug bei. Der Verkauf laufe überwiegend über den Online-Handel. Der Umsatz über das Internet-Kaufhaus Amazon rutscht in die Miesen lege zum Beispiel mit zweistelligen Zuwachsraten zu.

Diskret und online

Die zunehmende Bedeutung des Onlinehandels spiegelt sich auch im Umgang mit den Beate-Uhse-Filialen wider: In den vergangenen Jahren wurde ihre Zahl auf 126 Läden halbiert.

Die Beate Uhse AG geht auf Namensgeberin und Gründerin Beate Uhse zurück: Die legendäre Flensburger Unternehmerin gründete 1951 mit einem Kondom-Handel den späteren Erotik-Marktführer. Fundamentale Strategiewechsel begleiten das Unternehmen seit den frühen Jahren. Mit der zunehmenden Verbreitung des Verhütungsmittelverkaufs in Drogerien und Supermärkte musste sich die Kette nach neuen Geschäftsfeldern umsehen.

Bis zur Jahrtausendwende standen noch branchentypische Filme und auch Sexartikel im Fokus der Kundschaft. Zuletzt bereitete die Konkurrenz durch zielgruppenorientierte Online-Angebote dem Handel zunehmend Schwierigkeiten.

Die Beate-Uhse-Aktie wird an allen deutschen Börsenplätzen gehandelt und notierte zuletzt deutlich gestärkt über dem Niveau der vergangenen Monate bei 0,69 Euro. Die Ergebnisse zum dritten Quartal hat das Unternehmen für den 15. November angekündigt.

Quelle: n-tv.de

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