UFO schlägt querBei Lufthansa brodelt's weiter

Nervenkrieg um die Tarifverträge für rund 50.000 Beschäftigte bei der Lufthansa: Während Verdi das Angebot für das Bodenpersonal annimmt, will die kleine Gewerkschaft UFO sich den Sparplänen des Unternehmens weiter widersetzen. Auch bei der österreichischen Tochter AUA rumort es.
Die Deutsche Lufthansa hat es nur teilweise geschafft,
sich vor der nächsten Sparrunde mit den Gewerkschaften auf neue Tarifverträge für
rund 50.000 Beschäftigte zu einigen. Während die Gewerkschaft Verdi das noch einmal
beim Urlaubsgeld nachgebesserte Angebot der Luftfahrtgesellschaft angenommen hat,
will die kleinere Spartengewerkschaft UFO geringere Aufstiegschancen für die rund
17.000 Stewards und Stewardessen nicht akzeptieren. Man werde nun ein neues Forderungspaket
schnüren und erst gegen Ende der Friedenspflicht Ende März wieder verhandeln, hieß
es im Umfeld der Tarifkommission.
Ein UFO-Sprecher begründete die Ablehnung mit Forderungen
der Lufthansa, die einem "Erpressungsversuch" gleichgekommen seien. Man
werde für das Kabinenpersonal die vorgeschlagenen Verschlechterungen in der Gehaltsstruktur
nicht akzeptieren und setze daher auf weitere Gespräche.
Die von Verdi vertretenen 28.000 Beschäftigten am Boden,
in der Technik und bei Cargo erhalten rückwirkend zum 1. Januar 3,5 Prozent mehr
Gehalt, bei einer Vertragslaufzeit von 13 Monaten. Außerdem sei der Zuschlag zum
Urlaubsgeld um rund 5 Prozent auf 1075 Euro erhöht worden, teilte die Gewerkschaft
mit. Diese zusätzliche Komponente habe die Tarifkommission veranlasst, dem Tarifergebnis
doch noch zuzustimmen, teilte Verdi in Berlin mit.
Mit einer Einmalzahlung müssen sich hingegen die rund
5000 Beschäftigten der Catering-Tochter Lufthansa Service Gesellschaft (LSG) begnügen.
Hier wurden laut Verdi aufgrund der angespannten Situation des Geschäftsfeldes eine
Beschäftigungssicherung und eine Einmalzahlung in Höhe von 250 Euro verhandelt,
für Teilzeitkräfte mindestens 100 Euro.
Am Vortag hatte die Gewerkschaft noch von einem vorläufigen
Scheitern der Verhandlungen gesprochen. Die Vereinbarung gilt für die Lufthansa-Beschäftigten
am Boden, bei der IT-Tochter Lufthansa Systems, der Lufthansa Technik und Lufthansa
Cargo. Sie erhalten 3,5 Prozent mehr Gehalt ab 1. Januar 2012 bei einer Laufzeit
von 13 Monaten.
Unruhe bei AUA
Das angekündigte Sparpaket von 1,5 Milliarden Euro sorgte
auch bei der defizitären österreichischen Lufthansa-Tochter Austrian Airlines
(AUA) für Proteste. Mehr als 750 Mitarbeiter demonstrierten in Wien unter anderem
gegen die Streichung einer automatischen Gehaltserhöhung.
Der neue AUA-Vorstand Jaan Albrecht, der die Geschäfte
seit November leitet, hatte Mitte Januar die Pläne für die Sanierung der defizitären
Airline vorgestellt. Demnach ist zwar kein Personalabbau vorgesehen. Allerdings
sollen die alten Kollektivverträge gekündigt werden. In den neuen Verträgen sollen
unter anderem die bisherigen automatischen Lohnerhöhungen im Zweijahresrhythmus
und die Inflationsanpassung wegfallen.