Wirtschaft
Sabine Lautenschläger soll von der Bundesbank zur EZB wechseln. Neuer Aufgabenbereich könnte die Bankenaufsicht sein.
Sabine Lautenschläger soll von der Bundesbank zur EZB wechseln. Neuer Aufgabenbereich könnte die Bankenaufsicht sein.(Foto: REUTERS)

Kabinett nimmt Arbeit auf: Berlin schickt Lautenschläger zur EZB

Die Personalie hat sich angedeutet: Bundesbank-Vize Lautenschläger soll zur Europäischen Zentralbank wechseln und dort in den ins Wirtschaftsressort abgewanderten Asmussen ersetzen. Als Aufgabengebiet gilt die Bankenaufsicht - damit hat sie Erfahrung.

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Das neue Bundeskabinett hat in seiner ersten Sitzung erwartungsgemäß Bundesbank-Vize Sabine Lautenschläger als Nachfolgerin von EZB-Direktor Jörg Asmussen nominiert. Der Posten im EZB-Direktorium ist vakant geworden, weil der Sozialdemokrat Jörg Asmussen als Staatssekretär in das nun von der SPD geführte Bundesarbeitsministerium unter Andrea Nahles wechselt. Dieser hatte Wechsel mit familiären Gründen begründet. Seine Frau und Kinder leben in Berlin. Zudem wurde die CDU-Politikerin Andrea Voßhoff als neue Bundes-Beauftragte für den Datenschutz bestimmt.

Die 49-jährige Juristin ist seit Jahren in der Bankenaufsicht tätig. Deutschland steht nicht automatisch ein Sitz im sechsköpfigen EZB-Direktorium zu. Es gilt aber als ausgemacht, dass die größte Volkswirtschaft der Euro-Zone in dem Spitzengremium vertreten ist. Mit Bundesbank-Präsident Jens Weidmann ist Deutschland zudem im EZB-Rat, dem obersten Beschlussorgan der Notenbank, vertreten.

Die Kandidatur ist nur der erste Schritt. Endgültig entscheiden wird der EU-Rat der Staats- und Regierungschefs - auch nach Anhörungen des EU-Parlaments und der EZB. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte eine Nominierung Lautenschlägers unterstützt.

Lautenschläger führt wohl Aufsicht

Lautenschläger hatte gleich nach dem zweiten juristischen Staatsexamen 1995 bei einem der Vorgängerinstitute der Finanzaufsicht BaFin begonnen. Sie war enge Vertraute des langjährigen BaFin-Chefs Jochen Sanio und wurde auch als Kandidatin für seine Nachfolge gehandelt.

Vor gut zweieinhalb Jahren wechselte sie dann Bundesbank und war dort für die Bankenaufsicht zuständig. Da die EZB ab kommendem Herbst die Kontrolle über die Banken in der Euro-Zone übernimmt, dürfte die Stuttgarterin im sechsköpfigen Vorstand der Euro-Notenbank wahrscheinlich für die Aufsicht zuständig bleiben. Bislang galten EZB-Vizepräsident Vitor Constancio, EZB-Direktor Yves Mersch und der Chefvolkswirt der Notenbank, der frühere belgische Bankenaufseher Peter Praet als aussichtsreichste Kandidaten für dieses neue Betätigungsfeld der Notenbank. Bis dato sind Constancio und Mersch gemeinsam für den Aufbau der neuen Aufsicht unter dem Dach der Zentralbank verantwortlich.

Sollte Lautenschläger in das Gremium wechseln, würde zweieinhalb Jahre nachdem die Österreicherin Getrude Tumpel-Gugerell zum Ende ihrer Amtszeit Mitte 2011 die EZB verlassen hatte, wieder eine Frau in den engeren EZB-Führungszirkel einziehen. Tumpel-Gugerell war nach der Finnin Sirkka Hämäläinen erst die zweite Frau im Vorstand der Notenbank

Neben der Top-Favoritin Lautenschläger galten auch BaFin-Chefin Elke König und die Wirtschaftsweise Claudia Buch als Kandidatinnen für den Spitzenjob in Frankfurt.

Draghi drängt auf rasche Entscheidung

EZB-Präsident Mario Draghi hatte am Montag vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europäischen Parlaments auf schnellen Ersatz für Asmussen gedrängt. Der Rat der Staats- und Regierungschefs müsse so bald wie möglich einen Kandidaten oder eine Kandidatin präsentieren.

Die Mutter einer Tochter genießt in Aufseherkreisen eine untadelige Reputation und hat sich durch ihre jahrelange Arbeit im Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht und -regulierung in aller Welt hohes Ansehen erworben. Einziges Manko der im Rheinland aufgewachsenen und für ihre oft bunte Garderobe bekannte Frohnatur könnte ihre relativ geringe Expertise und Erfahrung in der Geldpolitik sein.

Mit dem Wechsel von Asmussen nach Berlin hat es in den vergangenen drei Jahren gleich drei deutsche Vakanzen in EZB-Rat und -Direktorium gegeben. Anfang 2011 nahm sich der damalige Bundesbank-Chef Axel Weber selbst aus dem Rennen gegen den heutigen Amtsinhaber Draghi um den Chefposten bei der EZB. Er trat auch als Präsident der Bundesbank zurück. Ein gutes halbes Jahr später schmiss dann der deutsche EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark im Streit über die Geldpolitik hin. Merkel ersetzte ihn mit dem damaligen Finanzstaatssekretär Asmussen.

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Quelle: n-tv.de

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